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TOURISMUS: «Viele Leute haben ein falsches Bild»

Khaled Bichara ist seit Anfang Jahr CEO von Orascom Development. Im Gespräch erklärt er, was ihn von seinem Vorgänger Samih Sawiris unterscheidet und wie er die aktuelle Krise überwinden will.
Interview Ernst Meier, El Gouna
Orascom-CEO Khaled Bichara (45) geniesst auf einer Jacht im Roten Meer vor El Gouna die Abendsonne. (Bild: Lundi 13/Nicolas Righetti)

Orascom-CEO Khaled Bichara (45) geniesst auf einer Jacht im Roten Meer vor El Gouna die Abendsonne. (Bild: Lundi 13/Nicolas Righetti)

Interview Ernst Meier, El Gouna

Khaled Bichara, seit acht Monaten sind Sie CEO von Orascom. Kein einfacher Job; der Tourismus in Ihrem wichtigsten Markt Ägypten kommt seit Ausbruch des Arabischen Frühlings 2011 nicht aus der Krise, Oras­com schreibt Verluste. Weshalb haben Sie die Herausforderung angenommen?

Khaled Bichara: Ich mag solche Jobs, denn sie sind spannend. Die Chance, so eine Aufgabe zu übernehmen, bekommt man nur einmal im Leben. Was für mich aber am meisten zählte, war die Tatsache, dass ich vom nachhaltigen Wert des Unternehmens überzeugt bin. Ich bin ein Turn-around-Manager. Meine Qualitäten bei der Restrukturierung von Firmen habe ich mehr als einmal bewiesen.

El Gouna, das Herzstück von Oras­com, scheint es Ihnen schon länger angetan zu haben. 1992 waren Sie zum ersten Mal hier in den Ferien. Vor ein paar Jahren fuhren Sie auf einer Harley durch die Stadt. Haben Sie sich damals vorgestellt, hier einmal Chef zu werden?

Bichara: Nein, nie. Ich arbeitete in der Informationstechnologie und war für Telekomfirmen tätig. Als Samih Sawiris auf mich zukam, war ich überrascht und sagte ihm gleich, dass ich sein Geschäft nicht kenne. Er meinte, das spiele keine Rolle. Er brauche jemanden, der wisse, wie man ein Unternehmen restrukturiere und effizienter mache. Wir führten mehrere Gespräche, und ich machte mir ein umfassendes Bild vom Unternehmen. Schliesslich waren wir uns einig, und ich sagte zu.

Wie führen Sie ein Immobilienentwick­lungs- und Tourismusunternehmen ohne Branchenkenntnisse?

Bichara: Die Managementaufgaben hängen nicht so stark von der Branche ab. Ich habe Internetfirmen aufgebaut und erfolgreich weiterentwickelt. Dabei ging es um Software und Dienstleistungen, heute dreht sich mein Job um Immobilienbau und Ferienangebote. Die Kernaufgaben des Managements sind ja überall gleich. Als CEO bringe ich meine Qualitäten in der Führung und in Finanzfragen ein. Was das Branchenwissen betrifft, kann ich mich auf ein erfahrenes Team bei Orascom verlassen. Samih Sawiris schaut mir nicht nur als Verwaltungsratspräsident auf die Finger, ich kann auch jederzeit bei ihm Rat holen.

Wie unterscheiden Sie sich als CEO von Ihrem Vorgänger Samih Sawiris?

Bichara: Samih Sawiris ist ein Visionär; er hat mit Orascom ein einzigartiges Unternehmen aufgebaut. Orascom ist und bleibt sein Kind. Ich denke, Sawiris führte mehr als Patron. Was ihm wichtig war, setzte er um, auch wenn es am Schluss etwas teurer wurde. Mich hat man geholt, um Orascom zu restrukturieren und profitabler zu machen. In dieser Hinsicht bin ich stärker auf die Finanzzahlen fokussiert. Ich habe klare Zielvorgaben vom Verwaltungsrat. Erreiche ich sie nicht, bin ich schnell wieder weg.

Wie sind Sie die neue Herausforderung angegangen?

Bichara: Ich habe zuerst eine umfassende Unternehmensanalyse und dann einen Plan gemacht. Wenn ich einfach losgelegt und alles, was mir nicht passte, sofort geändert hätte, wäre das nicht gut gekommen. Auch wenn Orascom mit einigen Problemen zu kämpfen hat, so ist es ein etabliertes Unternehmen, in dem in den letzten 27 Jahren vieles richtig gemacht wurde. Ich war deshalb die ersten paar Monate vor allem damit beschäftigt, Orascom genauer kennen zu lernen und mir einen Überblick zu verschaffen. Erst dann war ich auch in der Lage, die richtigen Massnahmen einzuleiten.

Was haben Sie geändert?

Bichara: Meine ersten Anpassungen betrafen vor allem die Führungsstruktur und die Art und Weise, wie innerhalb des Unternehmens rapportiert wird. Orascom war bis anhin in Sparten eingeteilt: Hotels, Immobilienentwicklung und andere. Neu hat jedes Ferienresort einen eigenen CEO. Ich sehe jede Destination wie ein eigenes Unternehmen. Durch den lokalen CEO sind die Zuständigkeiten klar geregelt. Dies ermöglicht eine straffe Führung und genaue Kostenkontrolle. Zudem kann besser auf die individuellen Bedürfnisse der verschiedenen Destinationen eingegangen werden. Gleichzeitig erhöht es die Kundenfokussierung. Für die Inves­toren bewirkt es auch einen besseren Vergleich zwischen den Resorts.

Wie kamen die Veränderungen im Konzern an?

Bichara: Einige Mitarbeiter aus dem mittleren und dem obersten Management, welche die Anpassungen nicht mittragen wollten, sind gegangen. Das ist ganz normal. Natürlich hat der Druck zugenommen, weil die Kaderleute künftig stärker an ihren Resultaten gemessen werden.

Viele Touristen meiden derzeit Ägypten aus Angst vor Terroranschlägen. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Bichara: Leider haben viele Leute ein falsches Bild von der Situation in Ägypten. Ärgerlich ist auch, dass einige Staaten Reisewarnungen nicht anpassen. Dabei tun die ägyptische Armee und die Polizei alles für die Sicherheit. In unseren Resorts haben wir einen hohen Sicherheitsstandard. Es war diesen Sommer wahrscheinlich gefährlicher, Ferien in Frankreich oder der Türkei zu verbringen. Das Wetter hier ist perfekt, der Strand und das Meer sind ein Traum. Dass Touristen ausbleiben, liegt mehr an der Wahrnehmung als an der Situation, wie man sie hier vorfindet.

Wie wirkt sich dies auf das Geschäft von Orascom aus?

Bichara: Wir sind nach wie vor stark vom ägyptischen Markt abhängig. Über 80 Prozent unserer Hotelkapazitäten sind hier. Knapp die Hälfte aller Hoteleinnahmen kommen aus Ägypten, beim Erlös durch den Verkauf von Wohnungen und Häusern sind es immer noch gegen 90 Prozent. Das Geld, welches wir in Ägypten verdienen, investieren wir in den Aufbau von neuen Resorts im Ausland. Dadurch verringern wir die Abhängigkeit vom ägyptischen Markt. Wegen der Krise mussten wir sechs Hotels in Ägypten schliessen, zudem haben rund 5000 Personen ihren Job verloren. Das tut weh, es ging aber leider nicht anders. Dank der Anpassungen ist Ägypten für Orascom weiterhin profitabel, wenn auch weniger als vor der Revolution. Weil die Umsätze in Ägypten stocken, müssen wir auch beim Aufbau im Ausland sparen.

Wie läuft es in El Gouna, dem Vorzeigeprojekt von Orascom?

Bichara: Der Tourismus in El Gouna ist auch von der Krise betroffen, wenn auch längst nicht so stark wie andere Destinationen im Land. In Scharm el Scheich zum Beispiel sind viele Hotels geschlossen, die Strände leer. In El Gouna mussten wir kein Hotel schliessen. Die durchschnittliche Zimmerbelegung liegt mit gegen 60 Prozent klar über dem Wert von anderen Regionen. Dieses Wochenende ist mit dem Opferfest einer der wichtigsten Feiertage im Land, unsere Hotels kommen auf eine Auslastung von bis zu 90 Prozent.

Wo sparen Sie im Ausland?

Bichara: Wir mussten einige Projekte zeitlich zurückstufen. In Marokko warten wir mit dem Bau zu, bis die Finanzierung gesichert ist. In der Vergangenheit hatten wir zu schnell expandiert. Wir legen heute umso mehr wert darauf, dass wir die Finanzierung – sei es durch Entwicklungspartner oder durch Immobilienkäufer – sichergestellt haben, bevor wir zu bauen beginnen. Hier sind wir noch vorsichtiger als früher. Trotz der Einsparungen investieren wir weiterhin kräftig in neue Hotels und Wohn­häuser. So zum Beispiel in Monte­negro, wo wir einen Bootshafen bauen und 2018 ein Luxushotel eröffnen. In Andermatt entsteht neben dem «Chedi» jetzt ein zweites Hotel. Auch in Oman bauen wir die Kapazitäten aus.

In Grossbritannien mussten Sie ein Projekt ganz zurückstellen. An der Küste von Cornwall wollte Orascom ein Fünfsternehotel und gegen 5000 Wohnungen bauen.

Bichara: Dies passierte jedoch nicht wegen der finanziellen Situation. In Cornwall warten wir immer noch auf die Bewilligungen. Dieser Prozess dauert noch etwas länger. In der Zwischenzeit haben wir genügend Baustellen, um die wir uns kümmern können.

Die Investoren scheinen nicht an einen Turn-around zu glauben. Die Aktie hat innert Jahresfrist über 50 Prozent an Wert eingebüsst. Der Titel verharrt auf tiefem Niveau.

Bichara: Wir sind kein kurzfristig ausgerichtetes Unternehmen. Unser Motto lautet: «Verkauf nicht die Zukunft, nur um heute erfolgreich zu sein.» Wir richten uns danach aus, dass wir gestärkt aus der Krise kommen und uns langfristig positiv entwickeln. Was Sie hier in El Gouna sehen, wurde über drei Jahrzehnte aufgebaut, und es wird auch die nächsten Jahrzehnte bestehen bleiben. Aber es ist klar: Wir müssen mit besseren Resultaten die Investoren überzeugen.

Das Projekt in Andermatt ist in der Tochtergesellschaft Andermatt-Swiss-Alps untergebracht. Orascom gehören davon nur 49 Prozent. Der Rest hält Samih Sawiris privat. Wie stark können Sie in Andermatt überhaupt mitreden?

Bichara: Für Andermatt ist deren CEO Franz-Xaver Simmen operativ verantwortlich. Ich bin im Verwaltungsrat der Gesellschaft. Was das Tagesgeschäft betrifft, tauschen wir uns regelmässig aus. Dabei geht es vor allem um den Know-how-Austausch. Ich war erst letzte Woche in Andermatt. Das Projekt wird noch einige Zeit in der Entwicklungsphase bleiben. Ich kann mir aber vorstellen, dass wir irgendwann Andermatt Swiss Alps wieder ganz integrieren.

Wie sind Sie mit der Entwicklung in Andermatt zufrieden?

Bichara: Andermatt kommt Schritt für Schritt voran. Die Auszeichnung für das «Chedi» als Hotel des Jahres 2017 zeigt, dass unsere Anstrengungen Anerkennung finden. Der Bau des zweiten Hotels läuft wie geplant. Nachdem wir nun auch die Bewilligung für den Ausbau der Skianlagen bekommen haben, steht ein nächster wichtiger Ausbau bevor.

Fahren Sie auch Ski?

Bichara: Nein, ich würde es aber gerne lernen. Doch man hat mir gesagt, ich sei zu alt, um es noch zu lernen. Vielleicht überlasse ich es meinem Sohn.

Mit 45 sind Sie bestimmt nicht zu alt.

Bichara: Okay, dann versuche ich es im nächsten Winter. Ich war als Kind mit meinem Vater jeden Sommer in der Schweiz. Wir wohnten in Wollerau und gingen viel wandern: auf die Rigi, den Pilatus. Ich habe nur zweimal Schnee berührt – Sommerschnee. Im Winter war ich noch nie in der Schweiz. Das wird sich nun ändern. Ich freue mich.

Dieses Interview entstand in El Gouna. Orascom hat letzte Woche Journalisten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich zur Besichtigung der Feriendestination in Ägypten eingeladen.

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