TOURISMUS: Zu wenig Sonnenschein für eine starke Wintersaison-Bilanz

Gut gestartet und dann im Mittelteil gepatzt: Die Wintersportorte sind mit der Skisaison nicht recht zufrieden.

Rainer Rickenbach
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Weil die Sonne – wie hier auf dem Bild im Skigebiet Engelberg – ausblieb oder das Wetter zu warm war, hatten weniger Personen Lust auf Wintersport. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Weil die Sonne – wie hier auf dem Bild im Skigebiet Engelberg – ausblieb oder das Wetter zu warm war, hatten weniger Personen Lust auf Wintersport. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Durchzogen sei sie gewesen, die Wintersaison. So oder ähnlich beurteilen die meisten Tourismus-Vermarkter der Schweizer Wintersportorte in einer Umfrage der Nachrichtenagentur SDA die Saison, die sich ihrem Ende zuneigt. Über das ganze Land betrachtet, liegen die Übernachtungszahlen für Januar und Februar bei 5,7 Millionen. Das sind 1,3 Prozent weniger als in den selben Vorjahresmonaten.

Tagestouristen blieben im Tal

«Es war kein einfacher Winter», sagt Frédéric Füssenich, Tourismusdirektor von Engelberg-Titlis. Im Klosterdorf blieben vor allem die kurz entschlossenen Tagestouristen weg. Sie hätten wegen des warmen Wetters wenig Lust auf Wintersport gehabt, vermutet er.

Besondere Saison in Andermatt

Im Entlebuch zieht Sörenberg-Flühli-Tourismusdirektorin Carolina Rüegg eine zwiespaltige Bilanz. «Die exakten Zahlen liegen zwar noch nicht vor, doch bei den Logiernächten dürften wir die beiden Vorjahresergebnisse wieder erreichen. Es handelte sich bei beiden um gute Wintersaisons», sagt sie. Beim Tagestourismus und den Bahnen lief es hingegen weniger gut als in den vorherigen Jahren. Rüegg: «Die schönen Wochenenden haben gefehlt. Im März gelang es aber immerhin, mit ein paar schönen und späten Winterwochenenden etwas Boden gutzumachen.»

Die Skigebietbetreiber bekamen die Wetterkapriolen zu spüren. Wegen starker Winde an Föhntagen waren die Bahnen in Engelberg und Gstaad sechs Tage lang nur eingeschränkt unterwegs oder nahmen den Betrieb gar nicht auf. Eine besondere Wintersaison war es für Andermatt, denn kurz vor Weihnachten wurde das Luxushotel Chedi eröffnet, das Kronjuwel im Tourismusresort des Investors Samih Sawiris. «Es hat ein gewaltiges Medienecho ausgelöst», sagt Tourismusdirektorin Bernadette Christen. Am ersten Januarwochenende kamen einzig wegen des Hotels tausend Personen in das Urner Bergdorf. Zu einem Happy End kommt es im Skigebiet Andermatt aber wahrscheinlich trotzdem nicht; die Bilanz fällt leicht schlechter als letztes Jahr aus. «Es gab im Januar und Februar fast keine stabile Schönwetterperiode», sagt Bernadette Christen. Besonders an den Wochentagen seien wahrscheinlich weniger Leute gekommen.

Dabei hatte die Saison verheissungsvoll begonnen. «Wir hatten einen optimalen Saisonstart in Engelberg», blickt Tourismusdirektor Füssenich zurück. Es schneite im November, und die Daten der Festtage machten lange Winterferien möglich.

Der Rückschlag danach fand in den Berghotels rund um den Vierwaldstättersee einen besonders starken Niederschlag: Die Logiernächte sackten im Februar um 6,1 Prozent ab. Noch härter traf es einzig Graubünden mit einem Minus von 7,1 Prozent. Die Hotels im Berner Oberland und im Wallis mussten im Vorjahresvergleich ein Minus von etwas mehr als 5 Prozent hinnehmen.

Diesmal ist nicht der Euro schuld

Im Wintersportmonat Februar waren es vor allem die Schweizerinnen und Schweizer, die den Weg in die Berge scheuten. Die Zahl der Hotelübernachtungen inländischer Gäste sank um 6 Prozent auf 1,4 Millionen. Bei den ausländischen Gästen betrug der Rückgang 1,8 Prozent. Sie generierten 1,5 Millionen Logiernächte, wie das Bundesamt für Statistik gestern mitteilte.