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TOURISMUS: Zypern lässt Krise hinter sich

Vor vier Jahren war die Mittelmeerinsel fast pleite. Jetzt beeindruckt Zypern mit einem Rekordwachstum. Das hat vor allem mit der brummenden Tourismusbranche zu tun.
Gerd Höhler, Athen
Touristen am Strand der zyprischen Hafenstadt Larnaka. (Bild: Athanasios Gioumpasis/Getty (Larnaka, 10. Juli 2017))

Touristen am Strand der zyprischen Hafenstadt Larnaka. (Bild: Athanasios Gioumpasis/Getty (Larnaka, 10. Juli 2017))

Gerd Höhler, Athen

Im Frühjahr 2013 stand Zypern vor der Staatspleite. Ein 10-Milliarden-Rettungsring der Eurostaaten bewahrte die Inselrepublik vor dem finanziellen Untergang. Gut drei Jahre später hat sich die Kriseninsel fast zu einem Musterland gemausert.

Zyperns Finanzminister Harris Georgiades hat sich verkalkuliert. Aber es ist ein erfreulicher Irrtum: Statt eines ursprünglich erwarteten Plus von 2,9 Prozent wird das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Republik Zypern in diesem Jahr voraussichtlich 3,5 Prozent zulegen. So stark expandierte Zyperns Wirtschaft zuletzt im Vorkrisenjahr 2008. «Unsere ­Bemühungen zahlen sich aus, wir sind in guter Verfassung», stellt Georgiades fest.

Wachstum in Eurozone überdurchschnittlich

Zyperns Wirtschaft wächst deutlich stärker als der Durchschnitt der Eurozone. Nur in Irland und Luxemburg erwartet die EU-Kommission einen noch kräftigeren Aufschwung. Auch die ­Sanierung der Staatsfinanzen macht gute Fortschritte. Nach einem Haushaltsdefizit von 8,8 Prozent im Krisenjahr 2014 konnte Georgiades im vergangenen Jahr einen Überschuss von 0,4 Prozent ausweisen. 2017 dürfte das Plus in einer ähnlichen Grössenordnung liegen. Die Staatsverschuldung, 2016 noch bei knapp 108 Prozent des BIP, soll 2018 unter die 100-Prozent-Marke gedrückt werden. Die Arbeitslosenquote, die 2014 auf dem Tiefpunkt der Rezession gut 16 Prozent betrug, fiel im Juni unter 11 Prozent.

Der unerwartet starke Aufschwung geht zu einem grossen Teil auf das Konto des Tourismus. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der ausländischen Gäste um 17 Prozent. Bei den deutschen Urlaubern betrug das Plus sogar 25 Prozent. Zypern profitiert nicht zuletzt von der Tourismusflaute in der Türkei und Ägypten. Der Fremdenverkehr trägt etwa einen Viertel zur Wirtschaftsleistung Zyperns bei.

Vor allem der aufgeblähte Bankensektor, dessen Bilanzsumme zuletzt fast das Neunfache des zyprischen BIP ausmachte, und die enge Verflechtung mit der Wirtschaft Griechenlands rissen Zypern in den Strudel der Hellas-Krise. Beim griechischen Schuldenschnitt im Februar 2012 verloren die zyprischen Banken, die stark in griechische Staatspapiere investiert hatten, ihr gesamtes Eigenkapital. Erstmals in der Eurozone mussten 2013 die Einleger für die Rettung der zyprischen Banken bluten. Inzwischen ist das Bankensystem der Insel wieder solide kapitalisiert. Die Institute sitzen allerdings noch auf einem Berg fauler Kredite.

Ende Juli setzte die Ratingagentur Moody’s Zyperns Kreditwürdigkeit auf «Ba3» herauf. Das ist zwar immer noch drei Kategorien unter «investitionswürdig», aber eine deutlich bessere Bewertung als die Griechenlands, das sechs Stufen tief in der Schrottliga steckt. Während Zypern das dreijährige Anpassungsprogramm im Frühjahr 2016 ­abschloss und von den bereitgestellten 10 Milliarden Euro nur Kredite über 7,3 Milliarden in ­Anspruch nehmen musste, hängt Griechenland, dessen Stützung bereits über 255 Milliarden verschlungen hat, am Tropf des dritten Hilfspakets.

Privatisierungen kommen nicht voran

Warum lief es in Zypern besser als im benachbarten Griechenland? Mit einem BIP von knapp 20 Milliarden Euro ist Zyperns Volkswirtschaft wesentlich kleiner. Das erleichtert die Umsetzung von Strukturreformen. Auch die politische Stabilität des zyprischen Präsidialsystems spielte eine grosse Rolle: Staatschef ­Nikos Anastasiades wurde 2013 gewählt und kann bis 2018 weitgehend unabhängig von parlamentarischen Mehrheiten regieren. Überdies machte sich die ­Regierung das Anpassungsprogramm zu eigen – im Gegensatz zu Griechenland, wo der Links-Premier Alexis Tsipras zwar Reformen widerwillig durchs Parlament bringt, sie dann aber häufig gar nicht umsetzt.

Makellos ist allerdings auch Zyperns Reformbilanz nicht: Bei den Privatisierungen hakt es. Den im Anpassungsprogramm vorgesehenen Verkauf der staatlichen Telekomfirma Cyta und des Elektrizitätsversorgers EAC konnte die Regierung bisher nicht durchsetzen. Sie scheiterte am erbitterten Widerstand der kommunistischen Opposition und der von ihr kontrollierten Gewerkschaften.

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