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Kolumne

Aussichten: Traum einer vertrauensvollen Übersicht über die Finanzen

Professor Maurice Pedergnana über komplizierte Anlageberatung.
Maurice Pedergnana
Maurice Pedergnana. (Bild: PD)

Maurice Pedergnana. (Bild: PD)

Viele Menschen verstehen heute nicht mehr, was ihnen im Rentenalter eigentlich noch alles zusteht. Die Leute scheinen jeweils kaum mehr in der Lage zu sein, ihren Ausweis der Pensionskasse wirklich richtig zu interpretieren. Vor allem aber scheinen sie nicht zu wissen, wie sich ihre Renten und jene ihrer Kinder in der Zukunft entwickeln werden. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, wie diese im Laufe der Zeit beeinflusst werden. Zum Beispiel die Frage, ob und wie die Teuerung ausgeglichen wird und wohin sich die Kaufkraft ihres angesparten Vermögens in den kommenden zwanzig Jahren bewegen wird. Diese Punkte sollten nicht vernachlässigt werden, denn es geht bei den Fragen um erschreckend viel Kapital.

Rentenaufklärung und Pensionskasseninformationen sind nach wie vor eines der zentralen Themen. Dies gilt für ältere Personen im Pensionsalter genauso wie für jüngere Menschen mitten im Erwerbsleben. Bei letzterer Gruppe gilt dies insbesondere, wenn der Erwerbsverlauf Lücken aufweist und sie sich noch kaum ums Sparen und Vorsorgen kümmern.

«Denn mehr Papier und Unterlagen bedeuten in erster Linie immer auch, dass diese unterschiedlich interpretiert und verstanden werden können.»

Zwar haben wir es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, allen in der Schweiz wohnhaften Personen eine 13-stellige AHV-Nummer zuzuweisen. Das darf und kann allerdings nur ein erster Schritt gewesen sein. Es wäre nun in naher Zukunft wichtig, auf dieser bestehenden Nummer aufbauend eine für die Schweiz einheitliche Übersicht über die finanzielle Lage und deren Entwicklung zu schaffen. Nur eine einheitliche und umfassende Darstellung kann in Zukunft als wirkungsvolle und fundierte Entscheidungsgrundlage dienen.

Das helvetische 3-Säulen-System ist zwar konzeptionell weitgehend bekannt, aber säulenübergreifende Finanz-, Kapital- und Versicherungs­informationen sind dagegen meistens nur gegen weiterführende und teure Finanzplanungen erhältlich. Dabei geradezu abschreckend scheint, was derzeit das eidgenössische Parlament in der Sommersession behandeln wird.

Es geht um die Schweizer Version (Fidleg) des europäischen Anlegerschutzes, um Basisinformationsblätter und viele interessengeleitete Details, die weit über das eigentliche Ziel hinausschiessen. Vom ursprünglichen Ziel, dem Kunden in leicht verständlicher Sprache eine fundierte Anlageentscheidung zu ermöglichen, hat man sich allerdings weit entfernt.

Wer bei unseren nördlichen Nachbarn in Deutschland, wo das entsprechende Gesetz bereits vor einiger Zeit in Kraft getreten ist, eine entsprechende Stichprobe macht, wird nach einem einstündigen Beratungsgespräch mit einem Anlageberater mit 150 bis 300 Seiten in der Hand vom Finanzinstitut nach Hause geschickt. Der erhaltene Stapel Papier mit pseudoaufklärerischen Dokumenten ist geprägt von einem technischen Detaillierungsgrad, wie man beispielsweise nie ein Auto im Zusammenwirken von Einzelteilen verstehen möchte, bevor man es kauft.

«Die Finanzplanung von ungefähr 99 Prozent aller Schweizer Haushalte muss auf höchstens drei Seiten zusammengefasst werden können.»

Unsinn, ob in deutschem Schwarzrotgold verpackt oder mit rotweissen Schweizer Maschen versehen, ist und bleibt Unsinn. Auch die Konsumentenschützer täuschen sich, wenn sie wirklich glauben, mehr sei auch besser. Denn mehr Papier und Unterlagen bedeuten in erster Linie immer auch, dass diese unterschiedlich interpretiert und verstanden werden können und damit auch anfälliger für Missverständnisse und Fehler sind. Die Finanzplanung von ungefähr 99 Prozent aller Schweizer Haushalte muss auf höchstens drei Seiten zusammengefasst werden können.

Alles andere ist und bleibt eine Zumutung – und ein eigentliches Versagen am Grundanliegen der Schweizer Bevölkerung: Die einzelne Person soll nämlich Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen können, für ihre Konsumfreude, für ihre Sparneigung oder auch für ihre Geldanlagen. Dazu muss sie allerdings auch alle Vermögensansprüche in den drei Säulen kennen und bestehende und zukünftige Verpflichtungen richtig verstehen.

Im digitalen Zeitalter ist es allerdings schwer verständlich, dass es die relevanten Institutionen nach wie vor nicht schaffen, eine entsprechende Plattform für eine säulenübergreifende Transparenz zu schaffen. Das Ziel kann es nicht sein, einen Fonds, in dem man 5000 Franken anlegt, in allen Details zu erläutern. Es gilt vielmehr in kurzen und knappen Worten und Grafiken festzuhalten, wie die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der finanziellen Verhältnisse des Einzelnen aussehen.

Maurice Pedergnana ist Professor für Banking und Finance an der Hochschule Luzern und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).

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