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Traummargen im Schneegeschäft: So lukrativ ist der Kokainhandel

Während die Margen in vielen Branchen schmelzen, floriert das Business mit der Aufputschdroge.
Livio Brandenberg
Livio Brandenberg.

Livio Brandenberg.

Die Margen sind unter Druck. Diesen Satz hört man in der Schweiz – gerade seit der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank – oft. Da ist etwa die Industrie, die dahinschmelzende Margen beklagt. Bei den Banken tönt es ähnlich: Die massiven Ausweitungen der Regulierungsvorschriften lassen die Kosten steigen. Und der Detailhandel jammert seit gefühlt Jahrzehnten über «erodierende Margen».

Zahlreiche Branchen oder Unternehmen schaffen es allerdings, das Verhältnis von Herstellungs-, Entwicklungs-, Vertriebs- oder Anschaffungskosten zum Verkaufspreis gross und damit die Marge hoch zu halten. Bekanntestes Beispiel dürfte der Techkonzern Apple sein. Die Kalifornier sind berüchtigt, enorm viel zu verdienen. Laut Hochrechnungen erzielte Apple beispielsweise bei den iPhones der vergangenen Jahre eine Marge von 60 bis 65 Prozent. Gut mithalten kann da die Pharmaindustrie: Gemäss Schätzungen des Westschweizer Fernsehens RTS erzielte etwa Roche über die letzten paar Jahre mit zwei Krebsmedikamenten Margen von 81 bis 85 Prozent. Über alle Produkte hinweg dürfte der Wert bei 35 bis 45 Prozent liegen. Und auch in der Luxusgüterbranche sind die Gewinnspannen gross. Die bekannte Kleider- und Accessoiremarke Gucci kommt auf um die 40 Prozent Marge.

Eine Branche – oder Subbranche – geht jedoch in sämtlichen Aufzählungen unter: der Kokainhandel. Das Geschäft mit dem «Weissen» ist zwar ein gigantischer globaler Schwarzmarkt, daher sind auch alle in Erfahrung zu bringenden Zahlen Schätzungen oder Momentaufnahmen. Doch was sicher ist: In kaum einem – legalen wie illegalen – Business sind die Gewinne grösser als im Handel mit der stimulierenden Droge aus Südamerika.

Sehen wir uns den schattigen Milliardenmarkt ein wenig genauer an. Die weltweite Nachfrage nach Kokain liegt laut Schätzungen von Experten bei etwa 900 Tonnen pro Jahr, dabei sollen jährlich bis zu 90 Milliarden US-Dollar um­gesetzt werden. In der Stadt Zürich liegt der tägliche Kokainkonsum gemäss der jährlichen Abwasserstudie der ETH bei 1,7 Kilogramm (die Zahl stammt aus dem Jahr 2016). Das macht im Jahr gut 620 Kilo – allein in der grössten Stadt der Schweiz. Schweizweit sollen täglich 100'000 bis 150'000 Personen 13,7 Kilo konsumieren.

Ein Kilogramm reines peruanisches Kokain kostet in Lima zwischen 1200 und 2500 US-Dollar, je nach Angabe der Strafverfolgungsbehörde. Kommt dieses Kilo im Hafen von Rotterdam an – das Risiko des erfolgreichen Transports ist nun eingerechnet –, hat das Paket einen Wert von umgerechnet 35'000 Dollar. Doch der Gewinn, und damit die Marge, wird noch steigen, denn dieses Kilo dürfte auf rund zwei Kilogramm gestreckt werden. Dies geschieht heutzutage oft mit Levamisol, eigentlich ein Mittel gegen Fadenwürmer, mit dem Schmerzmittel Paracetamol oder mit Puderzucker.

Bis in die Grossstädte der USA und Europas steigt der Wert ungebremst weiter. In Zürich zahlt ein Konsument für ein Gramm – ungestrecktes – Koks bis zu 100 Franken, glaubt man einer Langzeitrecherche der «Wochenzeitung». In New York ist laut «National Geographic» ein Kilo reiner «Schnee» auf der Strasse etwa gleichviel wert: rund 100'000 Dollar. Geht man von fast reinem Stoff aus, liegt die Marge eines lokalen Dealers, ebenfalls laut WOZ, bei über 122 Prozent. Würde dieser das Koks noch strecken, lägen ohne Probleme 200 Prozent drin. Die Kartelle geben sich damit natürlich nicht zufrieden. Ein Kilogramm kann in den Produzentenländern Kolumbien, Peru oder Bolivien wie erwähnt für um die 1500 Dollar gekauft werden. Ein Grosshändler in den USA oder Europa bezahlt dafür 35'000 Dollar, wenn nicht mehr – das entspricht einer Marge von 2233 Prozent.

Davon können die Industrie und die Banken nur träumen.

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