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TRIENGEN: Mit Hightech zum Höhenflug

Die Zahnbürstenherstellerin Trisa legt beim Umsatz und Gewinn leicht zu. Für ein neu lanciertes Produkt, das den klassischen Zahnstocher ersetzen soll, mag das Unternehmen mit Liefern kaum nach.
Rainer Rickenbach
Innovation «made in Triengen»: Ein Forschungsroboter simuliert die Bewegungen einer Zahnbürste. (Bild: PD)

Innovation «made in Triengen»: Ein Forschungsroboter simuliert die Bewegungen einer Zahnbürste. (Bild: PD)

Rainer Rickenbach

Das Teil ist fünf Zentimeter lang und besteht aus einem Griff sowie einem ungleichmässig beborsteten Längsstück. Es trägt die Bezeichnung «Space Brush» und ist dazu geeignet, in den schwer zugänglichen Räumen zwischen den Zähnen Essensreste und Plaque zum Verschwinden zu bringen. Anders als die herkömmlichen Zahnstocher bricht oder knickt das neuste Produkt von Trisa nicht ein, wenn die Anwender damit in den Zähnen stochern. Die neue Zahnstochergeneration besteht aus einem biegsamen Kunststoff, an dem die Entwickler lange getüftelt haben, damit er zwar reinigende Wirkung entfaltet, aber das Zahnfleisch nicht verletzt.

Seit Jahresbeginn ist Space Brush auf dem Markt. Bis jetzt hat Trisa davon bereits gegen fünf Millionen Stück verkauft. «Die Nachfrage ist enorm. Wir mögen mit der Herstellung kaum nach. Im Sommer nehmen wir eine zweite Produktionslinie in Betrieb», sagt Trisa-CEO Adrian Pfenniger. Zweieinhalb Jahre lang hatten die Mitarbeitenden in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung am Reinigungsstäbchen gearbeitet. Die für die Herstellung notwendigen Maschinen und Werkzeuge mitgerechnet, investierte Trisa mehr als zwei Millionen Franken in das neue Produkt. Viel Geld für ein scheinbar profanes Erzeugnis.

Leute haben gesündere Zähne als früher

Die zwei Millionen Franken sind gut ­investiertes Geld. Nicht jede Neuigkeit schlägt auf dem Markt ein. Doch wer aus Furcht vor einem Flop beim Etat für ­Forschung und Entwicklung geizt, spart nur kurzfristig. Denn selbst für die alltägliche Mundpflege wetteifern die Anbieter mit Produkteinnovationen. Trisa forscht und entwickelt an verschiedenen Produkteneuheiten – unter anderem an einem Dental-Kaugummi, der noch in diesem Jahr auf den Markt kommt.

Das Familienunternehmen investierte im vergangenen Jahr insgesamt 22,7 Millionen Franken in Entwicklungsprojekte der Mund-, Interdental- und Schönheitspflege sowie in Produktionsgebäude und -maschinen. 186 Industrieroboter erledigen in Triengen ganze Arbeitsschritte, das macht einen auf zwei Produktionsangestellte. Die Verbindung zwischen Lager und Produktionslinien gewährleisten heute zu einem schönen Teil automatische Gefährte, die ohne Chauffeur in den Werkhallen unterwegs sind. Herzstück der Entwicklungsabteilung ist ein Forschungsroboter, der die Wege der Bürste simuliert, die sie beim Zähneputzen zurücklegt. Er gibt zuverlässig Aufschluss über die Putzwirkung und wurde in ­Zusammenarbeit mit der Universität Bern entwickelt. «Zur Herstellung von Massengütern in der teuren Schweiz sind eine hohe Automation und neue Produktideen notwendig», sagt Pfenniger.

Ideen wie eben Space Brush. Aus ihr lässt sich schliessen, dass zumindest in der westlichen Welt die Gesundheit der Zähne Fortschritte gemacht hat. Pfenniger: «Die Interdentalreinigung wird immer wichtiger, weil dank der besseren Zahnpflege immer weniger Leute dritte Zähne benötigen. Es ist ein Wachstumsmarkt. Gleichzeitig ist der Umsatz für Prothesenbürsten stagnierend bis rückläufig.»

Trisa vertreibt die neuartigen Zahnstocher über Grossverteiler, Drogerien, Apotheken und weitere Partner. Die Endkonsumenten zahlen rund vier Franken für ein Set mit 36 Stäbchen. Wie matchentscheidend neue Produkte längerfristig für die Marktstellung sind, machen die elektrischen Zahnbürsten deutlich. Trisa zählte vor 30 Jahren zu den ersten Anbietern der damals noch sehr teuren motorbetriebenen Geräte. Heute machen sie rund die Hälfte des Zahnbürstenmarkts aus. Manchmal kommen indes auch vergessen geglaubte Produkte wieder in Mode: Einen Aufschwung erleben zurzeit spezielle Bürsten für ­Bärte. Für solche hatten die Trienger schon vor über 100 Jahren in Zeitungsinseraten geworben.

Stärkerer Euro ist hilfreich

Selber übers Internet verkaufen, ist bei Trisa kein Thema. Pfenniger: «Mund­hygieneprodukte sind eher etwas für den Alltagseinkauf. Einige der Verkaufspartner bieten unsere Zahnbürsten online an, oft in einem Set mit verschiedenen Zahnhygieneprodukten. Doch der Anteil dieses Absatzkanals bewegt sich im einstelligen Prozentbereich.» Eine Ausnahme gibt es: In China, wo der Onlinehandel weiter fortgeschritten ist als im Westen, ordern die Konsumenten einen Viertel des Trisa-Angebotes per App oder Mausklick.

Im Reich der Mitte bringt Trisa seine Mundpflegeartikel über «Beijing ­Active Life» unter die Konsumenten, einem Importeur von Premium Körperpflegeprodukten. Die Zuwachsraten sind zwar beachtlich, doch noch spielt China eine bescheidene Nebenrolle auf dem Exportatlas der Trienger. Neun von zehn ihrer Erzeugnisse gehen nach Europa und Amerika. Für den wichtigsten Markt Westeuropa haben sich die Rahmenbedingungen in den zurückliegenden Monaten mit der Abschwächung des Frankenkurses verbessert. «Nach einer langen Phase mit starker Frankenüberbewertung bedeutet der aktuelle Kurs von rund 1.20 Franken für einen Euro einen Schritt in die richtige Richtung. Das hilft uns sehr», sagt Pfenniger. Der Exportanteil bei Trisa beziffert sich bei den Zahnbürsten auf 96 Prozent, über alle Produkte aus Triengen und ­Ebnat-Kappel betrachtet, liegt er bei knapp 63 Prozent. Trisa stellt täglich mehr als eine Million Zahnbürsten her.

Die Eigentümerfamilie hat sich dem «qualitativen Wachstum» verschrieben. «Wir haben nicht vor, möglichst schnell, sondern nachhaltig vorwärtszukommen», sagt Adrian Pfenniger, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Philipp führt. Der sanfte Wachstumskurs findet in den Jahreszahlen von 2017 seinen Niederschlag. Der Umsatz wuchs um 1,3 Prozent auf 223,3 Millionen Franken, und der Reingewinn legte um 0,6 Prozent auf 19,9 Millionen Franken zu (siehe Tabelle). Auch mit den hohen Investitionen stieg der Eigenfinanzierungsgrad leicht auf über 75 Prozent. Die Zahl der Mitarbeitenden verharrt trotz Robotertechnik bei 1104 Personen.

Bild: Grafik: Isi

Bild: Grafik: Isi

Neu in der Produktepalette von Trisa: die «Space Brush». (Bild: PD)

Neu in der Produktepalette von Trisa: die «Space Brush». (Bild: PD)

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