TRIENGEN: Trisa investiert in der Schweiz

Trotz des starken Frankens und hoher Löhne ­lassen sich in der Schweiz erfolgreich Massengüter herstellen. Trisa schafft es mit Zahnbürsten und einer offensiven Strategie.

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Trisa-Chef Adrian Pfenniger hält trotz des starken Schweizer Frankens am Standort Triengen fest. (Bild: Boris Bürgisser /  Neue LZ)

Trisa-Chef Adrian Pfenniger hält trotz des starken Schweizer Frankens am Standort Triengen fest. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Rainer Rickenbach

Als die Schweizerische Nationalbank am 15. Januar die Euro-Untergrenze aufhob, sorgte die überraschende Neuigkeit in den verschiedenen Trisa-Werkhallen und -Bürogebäuden in Triengen für ziemlich viel Unruhe. Denn die Trisa-Gruppe exportiert gut 65 Prozent ihrer Produkte ins Ausland, im Kerngeschäft mit den Zahnbürsten liegt der Exportanteil sogar bei über 90 Prozent.

Bis Sommer gut ausgelastet

Bereits in den ersten Februartagen präsentierte die Trisa-Leitung ein Massnahmenpaket. Es zeigt den Weg vor, wie der weltweit exportierende Bürstenhersteller im Surental auf den neuerlichen Wertzuwachs der Schweizer Währung zu reagieren gedenkt. Die wichtigsten Erkenntnisse: Investitionen in durchdachte Produktionsabläufe und Automatisation fortsetzen, eng mit der internationalen Kundschaft zusammenarbeiten und Forschung sowie Entwicklung vorantreiben.

Inzwischen hat sich der Pulverdampf nach dem Franken-Schock verzogen. «Wir werden jeden Monat unser Massnahmenpaket prüfen und wenn nötig ergänzen. Im Moment sind wir auf Kurs und bis zum Sommer gut ausgelastet», sagt Adrian Pfenniger, der zusammen mit seinem Bruder Philipp Pfenniger das 128 Jahre alte Familienunternehmen führt. «Trisa hat nicht zum ersten Mal eine schwierige Situation zu meistern. Ich bin zuversichtlich, dass es auch diesmal klappt», sagt Adrian Pfenniger überzeugt. Er geht davon aus, dass der in den Hauptexportländern massgebende Euro noch für eine ganze Weile auf einem Wert von 1 bis 1.10 Franken vor sich hindümpeln wird.

Stellenabbau ist kein Thema

Längere, unbezahlte Arbeitszeiten, Kurzarbeit oder gar ein Stellenabbau bei den Festangestellten ist aktuell trotzdem kein Thema in Triengen. Ihre Zuversicht schöpfen die Pfennigers unter anderem aus dem vergangenen Jahr. Zwar schmälerte der überbewertete Franken den Gewinn, weil er zusätzliche Wertberichtigungen auf den Vorräten notwendig machte. Doch beim Umsatz steigerte sich der Bürstenhersteller um mehr als 11 Prozent (siehe Zahlentabelle).

Beim Export legte die Gruppe um 15,5 Prozent zu, auf dem Inlandmarkt wuchs sie um 4,7 Prozent. Ursache für den Umsatzsprung ist in erster Linie ein neues Gesichtspflegeprodukt, das die Entwicklerteams in Zusammenarbeit mit einer internationalen Kosmetikfirma ausgetüftelt haben. Es handelt sich um ein Gerät mit sehr feinen Nylonborsten, die sich für eine porentiefe Hautreinigung eignen.

Neues Hochregallager in Triengen

Wie erfolgreich die Forscher und Entwickler arbeiten, lässt sich bei Trisa an den Zahlen ablesen: Im vergangenen Jahr machten die in den drei Jahren zuvor neu- oder weiterentwickelten Produkte 27 Prozent des Umsatzes aus. Trisa investiert im Jahr gegen 15 Millionen Franken in die Produktentwicklung. Weitere 35 Millionen Franken fliessen seit zwei Jahren in Infrastrukturbauten sowohl in Triengen als auch am Standort Ebnat-Kappel. Im Mittelpunkt steht dabei das neue Hochregallager in Trien­gen. Diese Woche lief dort der Versuchsbetrieb an, im Sommer soll es dann voll in Betrieb sein. «Es ermöglicht uns einen Effizienzschub sowohl in der Produktion als auch in der Logistik», sagt Pfenniger.

Wachstum in Amerika und Asien

Europa ist mit einem Exportanteil von 42 Prozent nach wie vor der wichtigste Markt für Trisa. Pfenniger: «Die Geschäfte in diesem Absatzgebiet stagnierten im letzten Jahr eher.» Betrüblicher sind die Aussichten im vom Krisen und Kriegen geplanten Nahen Osten. Mit einer Erholung rechnet der Trisa-Chef in Osteuropa, obwohl die Ukraine-Krise noch nicht ausgestanden ist und die russische Währung einen starken Wertzerfall hinter sich hat. Definitiv gut sind die Aussichten für Nord- und Südamerika, wo das Unternehmen 24 Prozent des Exportumsatzes erzielt. Grosses Potenzial ortet Pfenniger im Fernen Osten. Mit einem Anteil von 2 Prozent befindet sich dieses Geschäft freilich erst in den Anfängen.