Ernteausfall
Tropensturm treibt Vanillepreis in die Höhe – Coop und Migros verteuern Biskuits und Glaces

Wegen eines Tropensturms auf Madagaskar steigt der Preis für Vanille. Migros und Coop wälzen die Aufschläge auf ihre Kunden ab. Biskuitherstellers Hug verzichtet darauf.

Philipp Felber
Merken
Drucken
Teilen
Enawo wütete Anfang März auf Madagaskar.
4 Bilder
Grosse Flächen wurden überflutet.
Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben, 10'000 mussten ihre Häuser verlassen.
Zyklon Enawo Madagaskar

Enawo wütete Anfang März auf Madagaskar.

Keystone

Der Zyklon Enawo traf Madagaskar diesen Frühling hart. Der Vanilleanbau, der Exportschlager von Madagaskar, wurde vom Sturm besonders in Mitleidenschaft gezogen. Das Problem: Ein Grossteil der weltweiten Vanilleproduktion wird auf Madagaskar produziert. Nach dem Sturm stieg der Preis für Vanille stark an. Nun sind die Preisaufschläge beim Kunden angekommen. Seit Juli 2017 stieg der Preis von Vanilleschoten bei der Migros um mehr als einen Fünftel, wie die Migros auf Anfrage mitteilte.

Und auch andere Produkte, welche Vanille beinhalten, seien teurer geworden. So etwa Vanillezucker und gewisse Biskuits. Bei Coop sieht es ähnlich aus. So verteuerten sich Betty Bossi Vanilleschoten von sieben auf acht Franken. Und auch gewisse Vanilleglaces wurden nach Angaben von Coop teurer. Andreas Hug, Geschäftsleiter des Biskuitherstellers Hug, spricht gar von einem Preisanstieg um das 30-fache für die Vanille, welche Hug für ihre Produkte benötige. Da die Vanillemengen in den Produkten von Hug jedoch überschaubar sind, werden die Preiserhöhungen nicht an den Kunden überwälzt.

Nachfrage steigt seit Jahren

Die Migros weicht aufgrund der Knappheit bereits auf Indonesien als Importmarkt aus. Dies auch, weil Vanille aus Madagaskar qualitative Mängel aufweise. So komme es aufgrund des stark reduzierten Vanillin-Gehalts zu Schimmelbildung, heisst es von Migros. Die Ursache: Aufgrund der momentanen Preisrekorde haben Vanilleproduzenten in Madagaskar früher geerntet, was nun zu Qualitätsmängeln führte. Indonesien hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Vanille-Importland entwickelt. 2017 wurden bereits 14 Tonnen aus Indonesien in die Schweiz eingeführt, mehr als im gesamten vorigen Jahr. Und doppelt so viel wie 2011.

Neben der Missernte in Madagaskar ist auch die Vanillenachfrage gestiegen. So wurden 1990 53 Tonnen Vanille in die Schweiz importiert. 2013, dem vorläufig stärksten Importjahr für Vanille, waren es über 83 Tonnen.

Vanille wird nicht an der Börse gehandelt. Entsprechend unklar ist, wie hoch die Preise im Handel tatsächlich sind. Anhand von Zahlen der eidgenössichen Zollverwaltung lässt sich jedoch der Wert der importierten Vanille nachvollziehen. Der Wert pro Kilo zeigte sich in den drei Jahrzehnten sehr volatil. Lag der durchschnittliche Wert für Vanille 1999 noch bei 47 Franken, stieg er Mitte der 2000er-Jahre auf 253 Franken. Danach sank der Preis wieder und erreichte 2012 mit 34 Franken einen Tiefstwert. 2016 stieg der Wert auf 156 Franken. In diesem Jahr liegt er im Schnitt bei knapp über 300 Franken.