AZ Medien
Trotz digitaler Umwälzung: Kerngeschäft Publizistik hat Zukunft

Nach einem schwierigen Jahr bleibt Peter Wanner optimistisch: An der Generalversammlung der AZ Medien AG auf Schloss Lenzburg bekräftigte der Verleger seine Überzeugung von einer breiten Medienpalette. Gastreferent war der Schriftsteller Alex Capus.

Urs Moser
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Generalversammlung der AZ Medien AG
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Gastreferent Alex Capus: «Wir Medienleute sind alle Geschichtenerzähler»
Die Generalversammlung im Rittersaal.
Zum ersten Mal dabei: Grossratspräsident Thierry Burkhart.
Gerngesehener Gast: Landammann Roland Brogli
Vertrat den Aargauer Regierungsrat: Baudirektor Stephan Attiger.
Seit der Fusion immer dabei: Maja Wanner
Begegnung im Schlosshof: Verleger Peter Wanner, Gastreferent Alex Capus und CEO Axel Wüstmann.(v.l.n.r.)

Generalversammlung der AZ Medien AG

Alex Spichale

Über 200 Aktionäre und Gäste aus Politik und Wirtschaft verfolgten am Freitagabend die Generalversammlung der AZ Medien AG auf Schloss Lenzburg. Vor einem Jahr hatte Verwaltungsratspräsident und Verleger Peter Wanner hier erklärt: «Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Unternehmertum hat auch mit Risikofreude zu tun.» Nun meinte er, nach einer so risikobehafteten Investition sei es nicht unwichtig zu wissen, dass bereits absehbar sei, dass die Auslastung der neuen Druckmaschine sehr gut sein wird.

Die Investition in den Zeitungsdruck auf der einen Seite, ins traditionelle Printgeschäft also, die Beteiligung am Newsportal Watson und die Lancierung des neuen Fernsehsenders TV 24 auf der anderen Seite waren die Schlüsselprojekte des Unternehmens im vergangenen Jahr mit hohen Investitionen, die sich im bescheidenen Konzernergebnis von 1,8 Millionen spiegeln.

Die Kennzahlen wurden erstmals vom neuen CEO Axel Wüstmann präsentiert. Er setzte sich selber eine hohe Messlatte für die Zukunft: Das Ergebnis sei eindeutig zu niedrig, auch wenn es von Sonderfaktoren geprägt ist. Kämpferisch zeigte er sich davon überzeugt, dass die AZ Medien auch in Zukunft «erfolgreich agieren und ihre Chancen wahrnehmen werden». Dabei setzt er auf vier Säulen: Ins Kerngeschäft Publizistik investieren, den Fokus auf die Nordwestschweiz richten, diversifizieren, ohne sich im Wettbewerb zu verzetteln, und Veränderungsbereitschaft zeigen. Im laufenden Jahr werden kaum weitere spektakuläre Projekte aus dem Haus AZ Medien lanciert. Es gehe jetzt darum, die Investitionsentscheide im Umfang von 45 Millionen erfolgreich umzusetzen und das Kerngeschäft zu konsolidieren, so Wüstmann.

Verleger Peter Wanner spricht wohl von einer Phase der radikalen Umwälzung für die Medien, von einer digitalen Revolution. Dennoch glaube er – wie ja nicht zuletzt die Investition in eine neue Druckmaschine zeigt – an die Komplementarität der verschiedenen Medien, ihre gegenseitige Ergänzung. «Der Normalbürger liest zum Frühstück Zeitung, hört im Auto Radio, surft am Arbeitsplatz im Internet, zückt in den Pausen das Smartphone und schaut am Abend fern», so Wanner. Deshalb hätten sich die AZ Medien ganz bewusst breit aufgestellt, um die ihm eigenen Stärken jedes Mediums zu nutzen: Nach wie vor stark im Printgeschäft, mit nun bereits vier TV-Sendern, über die BT Holding zwei Radiostationen und dem neuen Online-Portal, «um das uns die ganze Branche beneidet, nur gibt sie es noch nicht zu». Wanners Prognose: Während heute rund ein Fünftel der Tätigkeit auf der Publikation von elektronischen und digitalen Inhalten beruht, dürfte etwa in zehn Jahren die Hälfte des Geschäfts elektronisch und digital sein, die andere Hälfte nach wie vor aus Print-Erlösen stammen.

Der Markt scheint den Optimismus von Verleger Wanner für ein erfolgreiches Bestehen in einem für Medienunternehmen schwierigen Umfeld zu teilen: Die Generalversammlung konnte mit Genugtuung davon Kenntnis nehmen, dass der Kurs der AZ-Aktie im letzten Jahr um 20 Prozent zugelegt hat. Und trotz magerem Gewinn im letzten Jahr schüttet das Unternehmen eine Dividende von 1,5 Millionen aus, 20 Prozent des Nominalkapitals.