Banken

Trotz happigem Stellenabbau: UBS verzeichnet 2016 höhere Personalkosten als 2011

Innert fünf Jahren sank die Zahl der Vollzeitstellen bei der UBS um 5433. Doch trotz dieses starken Stellenabbaus fielen die Personalaufwendungen der Grossbank letztes Jahr höher aus als noch vor fünf Jahren.

Roman Seiler
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UBS-Konzernchef Sergio Ermotti zog gestern in Zürich Bilanz über das Geschäftsjahr 2016.Ennio Leanza/Keystone

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti zog gestern in Zürich Bilanz über das Geschäftsjahr 2016.Ennio Leanza/Keystone

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In den USA sieht UBS-CEO Sergio Ermotti so etwas wie ein Hoffnungsschimmer: Rund die Hälfte der Kunden sei weniger risikoscheu und wolle wieder in Wertpapiere investieren, sagte er gestern an der Bilanzmedienkonferenz. Allerdings warteten sie noch zu, bis Donald Trump seine ersten 100 Tage als Präsident hinter sich habe. Ansonsten verändert sich das Umfeld für die Vermögensverwaltung kaum. Die Kunden bleiben zurückhaltend.

Das bedeutet, dass die Erträge beim Paradepferd der Grossbank weiterhin unter Druck bleiben. Die Margen im Private Banking fielen im letzten Quartal auf neue Tiefstwerte. Der Vorsteuergewinn von 1,95 Milliarden Franken schrumpfte gegenüber dem Vorjahr um einen Viertel. Einen Lichtblick gab es im Geschäft in den USA: Der Vorsteuergewinn erhöhte sich um einen Drittel auf den Rekordwert von 1,12 Milliarden Franken. Gut schnitt auch das Schweizer Geschäft mit einem Vorsteuergewinn von 1,76 Milliarden ab. Das sind 6,5 Prozent mehr im Vorjahr.

Gewinneinbruch um 47 Prozent

Da der Gewinn im Investment Banking um beinahe die Hälfte einbrach und erneut Rückstellungen von rund 700 Millionen Franken für Rechtshändel verbucht werden mussten, sank der Reingewinn um 47 Prozent auf 3,3 Milliarden Franken. Geschuldet ist dies auch dem Effekt, dass die Bank im Vorjahr von einer Steuergutschrift profitierte. Für 2016 liefert sie dem Fiskus 805 Millionen Franken ab.

Angesichts von Negativzinsen und obendrein politisch unsicheren Zeiten bleibt der Bank nichts anderes übrig, als weiter Kosten zu sparen. Um mehr als 1,4 Milliarden Franken drückte Ermotti die Aufwendungen gemäss Geschäftsbericht in den vergangenen zwei Jahren. Weitere 500 Millionen sollen in diesem Jahr anfallen.

Dann hat Ermotti sein Ziel erreicht und die Kosten um rund zwei Milliarden gesenkt. Tönt gut. Sieht man sich die Entwicklung des Aufwands seit seinem Amtsantritt im Herbst 2011 an, fällt die Bilanz zwiespältiger aus: Seit Ende 2011 sind die Kosten um 1,65 Milliarden Franken gestiegen (siehe nachfolgende Tabelle).

Dabei fällt auf: Innert fünf Jahren sank die Zahl der Vollzeitstellen um 5433. Investitionen in die Digitalisierung und damit der Automatisierung von Arbeitsprozessen machten es möglich, Stellen in den rückwärtigen Diensten abzubauen. Doch trotz Stellenabbau sind die Personalaufwendungen höher. Zum einen sind die Löhne für Investmentbanker und Vermögensverwalter nach wie vor hoch. Gleichzeitig verstärkten die Aufseher die Regulierung. Daher müssten die Banken mehr Juristen, Risiko- und Compliance-Experten beschäftigen. Diese hochqualifizierten und eben entsprechend gut bezahlten Mitarbeiter sollen unter anderem dafür sorgen, dass die Regeln einer guten Geschäftsbesorgung eingehalten werden.

Die neuen Regelwerke müssen auch in den Computersystemen, der IT, abgebildet werden. Das lässt die Sachkosten ansteigen. Zudem investiert die UBS immense Summen in die Digitalisierung. Dazu zählen auch neue IT-Tools, damit sich Kunden via Smartphones oder Tablets rund um die Uhr über ihre Geldangelegenheiten informieren und Transaktionen tätigen können. Daher betonte Ermotti gestern, es würden nicht nur Kosten gespart, sondern es werde auch investiert. Eben zum Beispiel in IT. Hohe Kosten verursachen aber auch spezialisierte Anwälte, die wegen der nicht enden wollenden Rechtshändel benötigt werden. Verbucht werden sie als Sachaufwand.

Diese Trends tangieren nicht nur die beiden Grossbanken, sondern die gesamte Finanzbranche, wie Branchenexperten bestätigen. Seit der Jahrtausendwende steigen die Kosten gemäss einer Studie des Beratungsunternehmens EY stärker als die Erträge. Das drückt auf die Gewinne. Dies gilt letztlich auch für die UBS: 2011 betrug deren Reingewinn 4,4 Milliarden Franken. 2016 waren es noch 3,3 Milliarden (siehe nachfolgende Tabelle). Einen Ausreisser nach oben gab es: 2015 belief sich der Gewinn auf 6,2 Milliarden, wenn auch mithilfe einer Steuergutschrift von 900 Millionen Franken.