Krise
Trotz Krise: Rekordwert bei Lehrstellen

Die Kampagne von Kanton und Gewerbeverband führte zu einem Höchststand der Lehrstellen. Einziger Wermutstropfen: Es konnten nicht mehr Junge ausländischer Herkunft für die Berufslehre motiviert werden.

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Migranten

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David Weber

Eine illustre Vierer-Clique ging in den letzten Jahren «Klinkenputzen» in Basel. Ihr Ziel: neue Lehrstellen zu schaffen. Zur «Vertreter»-Gruppe gehörten Gewerbedirektor Peter Malama, Christoph Eymann (Vorsteher Erziehungsdepartement, ED), Christoph Marbach (Leiter Berufs- und Erwachsenenbildung im ED) und KV-Rektor Christoph Brutschin (heute Regierungsrat). Diese Akquisitionsbemühungen sind ein wichtiger Grund, weshalb das ED und der Gewerbeverband Basel-Stadt gestern vor den Medien ein positives Fazit der gemeinsamen Kampagne «Lehrstellen - Basels Zukunft» ziehen konnten.

Kein Schwarz-Peter-Spiel

Ende Oktober wurden 5432 Lehrstellen gezählt. So viele wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. «Seit August 2008 wurden 232 neue Ausbildungsbewilligungen erteilt», freut sich Marbach. 96 davon an Firmen, die sich erstmals an der Ausbildung beteiligen. «In keinem anderen Kanton ist das Angebot auch nur annähernd so stark gewachsen», ergänzt der Basler Nationalrat Malama. Die Kampagne startete vor 14 Monaten und setzte sich 150 neue Lehrstellen zum Ziel.

Dieses wurde deutlich übertroffen. Auch das zweite Ziel wurde erreicht. Per Ende Oktober wurden mehr als 400 Attestlehrstellen geschaffen. Diese zweijährigen, berufsqualifizierenden Attestausbildungen gibt es erst seit wenigen Jahren. Diese Erfolge konnten nur dank einer «hervorragenden Zusammenarbeit» zwischen ED, Gewerbeverband und Betrieben erreicht werden, wie Eymann betont. Malama ergänzt: In Basel gebe es kein Schwarz-Peter-Spiel zwischen Staat und Wirtschaft.

Ziel bei Migranten verpasst

Die Kampagne setzte sich noch ein drittes Ziel, nämlich, dass Junge mit ausländischer Herkunft vermehrt den Weg der Berufsbildung einschlagen. «Dieses Ziel wurde klar verpasst», muss Eymann einräumen. Die Zahl männlicher ausländischer Lehrlinge ist seit 2007 gar auf 700 gesunken. Ausländische Jugendliche sind klar untervertreten. In der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen machen sie über 30 Prozent aus, wie Marbach erklärt. Ihr Anteil in der Berufsbildung liegt nur bei 24 Prozent.

Warum ist die Berufsbildung bei Migranten weniger beliebt? Laut Hans Georg Signer, Leiter Bildung im ED, hat die Lehrausbildung bei einem Teil der ausländischen Bevölkerung einen schlechten Ruf. «Hier müssen wir verstärkt Überzeugungsarbeit leisten», sagt Signer. Um mehr ausländische Junge für eine Berufslehre zu begeistern, sollen laut Peter Malama auch die rund 750 Gewerbler mit Migrationshintergrund einbezogen werden. Auch die ausländischen Eltern von Jungen will der Gewerbeverband stärker auf die Chance «Berufsbildung» aufmerksam machen.

Auch wenn die Kampagne «Lehrstellen - Basels Zukunft» abgeschlossen ist, verfolgen ED und Gewerbeverband ihr Ziel unvermindert weiter: nämlich die Integration aller Jugendlichen in eine nachobligatorische Bildung. Je nach Konjunktur stehen pro Jahr rund 50 bis 120 Junge ohne Abschlusslösung nach der obligatorischen Schulzeit da. Hans Georg Signer wäre deshalb ein «Berufsabschluss-Obligatorium» lieber. So könnten die Brüche nach der obligatorischen Schulzeit verhindert werden.