Trotz Verlust von über 20 Millionen Franken im ersten Halbjahr – grosses Interesse an Mammut

Der Mischkonzern Conzetta will die bekannte Outdoormarke verkaufen. Corona verursachte allerdings einen Einbruch der Geschäftszahlen - und verzögert die geplante Transaktion.

Sébastian Lavoyer
Drucken
Teilen
In den Bergen oft anzutreffen: die Outdoormarke Mammut.

In den Bergen oft anzutreffen: die Outdoormarke Mammut.

PD

Coronavirus, Lockdown – die Krise trifft Outdoor-Spezialist Mammut mit voller Wucht. Im ersten Halbjahr 2020 hat die Weltmarke mit Hauptsitz in Seon AG einen Verlust von 23,3 Millionen Franken eingefahren. Nun ist die erste Jahreshälfte für den Bergspezialisten traditionell schwächer als die zweite. Schon im Vorjahr resultierte nach sechs Monaten ein Verlust von knapp fünf Millionen Franken. Aber das Coronavirus hat die ohnehin schwierigen Monate zusätzlich verkompliziert.

Es war Ende letzten Jahres, als die Besitzerin von Mammut, die Conzzeta-Gruppe, bekanntgab, dass man das Outdoorgeschäft verkaufen will. Man will sich wandeln, vom Gemischtwarenladen zum Spezialisten, quasi. Alles soll weg, bis auf das Blechbearbeitungsgeschäft (Bystronic). Verkauft ist bis jetzt einzig der Druckveredelungsspezialist Schmid Rhyner. Bei Mammut war geplant, den Verkauf bis Ende 2020 abzuwickeln. Jetzt sagt Conzzeta-CEO Michael Willome: «Wir waren ein paar Monate on hold, aber es ist alles für den Verkauf vorbereitet. Jetzt warten wir auf den richtigen Moment, auf den Markt zu gehen», so Willome.

Verkauf soll im ersten Halbjahr 2021 abgewickelt werden

Das dürfte im September oder Oktober dieses Jahres sein. Bis Mitte nächsten Jahres soll der Verkauf über die Bühne gegangen sein. Ob Corona daran etwas ändert, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass seit Bekanntgabe der Verkaufsabsicht die Drähte heiss liefen. «Es sind mehr als 50 Interessenten auf uns zugekommen», sagt Conzzeta-CEO Willome bei der Präsentation der Halbjahreszahlen. Gut möglich, dass die Gruppe mit Sitz in Zürich auch noch weitere potenzielle Käufer kontaktieren wird, wenn man in den nächsten zwei Monaten den Markt zu bearbeiten beginnt.

Vielleicht schreckt der Verlust den einen oder anderen Interessenten ab. Gross dürfte die Nachfrage trotzdem sein. Denn Mammut hat sich zwar in manchen Bereichen spät, aber entschieden zu wandeln begonnen. Vor drei Jahren beschloss man, die Digitalisierung voranzutreiben. Das hat sich in den schwierigen ersten Monaten mit Corona, Lockdown und schrumpfender Wirtschaft bezahlt gemacht. Der dafür aufgebaute Webshop boomte in den letzten Monaten. «Wir haben unsere Verkäufe im digitalen Geschäft fast verdoppelt (das Geschäft wuchs um 92,9 Prozent, Anm. d. Red.)», hebt Willome hervor.

Zwei Drittel des Umsatzes kommen aus dem stationären Handel

Trotzdem macht Mammut noch rund zwei Drittel seines Geschäftes im stationären Handel. Mit eigenen Monobrand-Stores, bei Franchisenehmern oder Drittanbietern. All diese Läden waren während des ersten Halbjahres durchschnittlich während rund 40 Tagen komplett geschlossen. Und nach den ersten zögerlichen Öffnungsschritten hielten sich die Konsumenten zurück. Es erstaunt wenig, dass der Nettoumsatz litt: Im Vergleich zum Vorjahr schrumpfte er von 117,9 auf 80,9 Millionen Franken – ein Minus von 31,4 Prozent. Natürlich macht ein Chef deswegen keine Freudensprünge. Aber «Im Vergleich stehen wir damit gar nicht so schlecht da die Konkurrenz zum Teil Einbussen von 35 bis 45 Prozent hatte», sagt Conzzeta-Boss Willome.

Zudem standen die schwierigen ersten sechs Monate des Jahres ganz im Zeichen der Vereinfachung. Weniger Komplexität. Reduktion aufs Wesentliche. Auch die eigenen Verkaufsstandorte werden deswegen geprüft. Es kam zu einzelnen Schliessungen. Die Zahl der Mitarbeiter von Mammut ging von 899 (Ende 2019) auf 848 (Mitte 2020) zurück, was einem Minus von rund 4,5 Prozent entspricht. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass bei Mammut die Zahl der Mitarbeitenden im Vorjahr um rund 38 zugenommen hat.

Die Conzzeta-Gruppe übrigens schrieb einen operativen Gewinn von 49,9 Millionen Franken. Dank der Blechbearbeitungsspezialist Bystronic (EBIT von 27,9 Millionen) und dem Verkauf von Schmid Rhyner (48,1 Millionen).