Gold taugt kaum als Krisenwährung
Trügerischer Glanz: Bei Krisen ist der Werterhalt der grösste Wert

Der Goldpreis hat am Montag kaum auf die Zypern-Krise reagiert. Bereits in vergangene Phasen der Eurokrise hat das Edelmetall als Schutz vor Börsenbaissen enttäuscht.

Matthias Niklowitz
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Trügersicher Glanz: Fast wie im Gold-Speicher von Dagobert Duck.

Trügersicher Glanz: Fast wie im Gold-Speicher von Dagobert Duck.

KEYSTONE

Am Dienstagmorgen herrscht am Londoner Goldmarkt Ruhe. Die Börsen in Asien hatten sich vom Rückschlag des Vortags erholt und die letzten Nachrichten aus der Eurozone weisen auf eine möglicherweise noch einige Tage andauernde Hängepartie um eine Lösung bei der Zypern-Krise hin. Bereits bröckeln die Preise wieder ab.

Erst am Vortag hatte das Gold einen Preissprung von 12 Dollar pro Unze auf 1607 Dollar gemacht. Das sind zwar 2 Prozent, aber von einem sehr niedrigen Niveau aus. Denn eine Verschärfung der Euro-Krise im letzten Spätsommer hatte das Gold von 1550 auf fast 1800 Dollar nach oben katapultiert. Seit einem halben Jahr fallen aber die Preise wieder und grosse Investoren haben ihre Bestände reduziert oder ganz verkauft.

Dass der Goldpreis jetzt kaum reagierte, hat gute Gründe. «Die Massnahmen in Zypern sind nicht reflationär, das heisst, es wird kaum neues Geld gedruckt, wenn der Plan so umgesetzt wird wie vorgesehen», sagt Christian Gattiker, Chefstratege und Head Research von Julius Bär in Zürich, «deshalb wohl die moderate Reaktion am Goldmarkt.» Er glaubt nicht, dass die Debatte um die Verwendung von Spareinlagen auch auf das Gold übergreifen wird. «Ich denke nicht, dass es Beschlagnahmung der privaten Goldbestände geben wird, das war eine Massnahme in den Zeiten des Goldstandards, als man ohne Gold die Geldmenge nicht ausweiten konnte.»

«Dass Gold gestern nicht mehr profitiert hat, verwundert mich nicht so sehr», sagt Susanne Toren, Goldmarktexpertin bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Denn auch bei anderen akuten Krisen konnte Gold in der Regel nicht speziell stark zulegen, sondern nur etwas - was aber in solchen Situationen schon viel Wert ist, wenn die meisten anderen Assets deutlich korrigieren.»

Toren weist darauf hin, dass es Länder gibt, die Beschränkungen des Goldbesitzes kennen. «Es gibt (Schwellen-)Länder, wo in der Tat Goldbesitz verboten resp. stark reglementiert wird unter anderem in Vietnam, um ein Etablieren von Gold als Parallelwährung zu verhindern bzw. zu erschweren, aber soweit ist es bei uns in Europa ja noch nicht.»

Im Morgenhandel fiel der Goldpreis leicht auf 1603 Dollar pro Unze.