Einlegerschutz
Trügerisches Sicherheitsgefühl mit der 100000er-Grenze

Sparer in Zypern verliessen sich auf die europaweite 100000-Euro-Einlegerschutzgrenze. Sie bildete einen wirksamen Schutz gegen einen allgemeinen «Bank Run». Die Grenze soll jetzt nicht mehr gelten. Wie es überhaupt dazu kam.

Matthias Niklowitz
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In den USA sichert die Einlagenversicehrung FDIC Bankguthaben bis zu 250000 Dollar ab.

In den USA sichert die Einlagenversicehrung FDIC Bankguthaben bis zu 250000 Dollar ab.

KEYSTONE

Nach dem Kollaps der Lehrman-Bank im September 2008 reagierte die Schweiz rasch: Bereits zwei Monate später formulierte der Bundesrat einen Vorschlag, wonach zukünftig Guthaben bis zu einer Höhe von 100000 Franken geschützt sind. Zuvor hatte die Grenze bei 30000 Franken gelegen. Spargelder, Salärkonten und Kassenobligationen profitieren seit Dezember 2008 von dieser Regelung. Seit September 2011 ist diese Grenze im Bankengesetz verankert. Der Schutz gilt pro Kunden, nicht pro Konto.

Mit diesem Schritt übernahm die Schweiz die magische 100000er-Grenze. Die erste Einlagenversicherung war in den USA 1933 als Reaktion auf die Bankenkrise eingeführt worden. Um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die das Bankensystem wieder herzustellen, zahlt die US-Einlagenversicherung FDIC jedem Einleger ab 1933 bis zu 100000 Dollar aus.

Spiel mit Grenzen

In Europa galt bis zur Finanzkrise die 20000-Euro-Grenze. Im September und Oktober 2008 hatten die Regierungen von Deutschland, Irland und Griechenland einen unlimitierten Schutz der Einlagen verkündet. Dabei handelte es sich in Deutschland lediglich um eine politische Absichtserklärung, die nie gesetzlich umgesetzt wurde. Europaweit waren nach dem 30. Juni 2009 zunächst 50000 Euro geschützt. Ab Anfang 2011 werden 100000 Euro in ganz Europa geschützt. In Grossbritannien liegt der Schutz bei 85000 Pfund für Bankguthaben. Auch Schweden hatte Anfang 2011 nach dem Vorbild der EU den Schutz auf 100000 Euro erhöht.

Unumstritten ist die Geltung dieses Schutzes: Sie gilt für die Einlagen der Privatkunden bei inländischen Banken. Umstritten war und ist der Einbezug von Filialen ausländischer Banken unter diese Regelung. Die Kunden isländischer Banken hatten sich 2008 zunächst sicher gefühlt. Bis sich heraus stellte, dass die isländische Regierung bei der Rettung ihres Bankensystems die ausländischen Privatkunden ihrer Banken nicht berücksichtigen würde.

Ebenfalls trügerisch hatte sich diese Grenze jetzt auf Zypern erwiesen.

Andere sind weiter

Praktisch alle europäischen Länder haben inzwischen die 100000er-Grenze übernommen. Sie ist aber kein EU-weites Recht, wie die Kleinsparer auf Zypern erfahren mussten.

In Kanada gilt analog eine 100000-Dollar-Grenze (in Kanadischen Dollars).In Norwegen werden Einlagen bis zu 2 Millionen Kronen garantiert (etwa 250000 Franken). Und auch in den USA gilt eine höhere Grenze: Hier sind seit der Finanzkrise Beträge bis 250000 Dollar, umgerechnet rund 240000 Franken, geschützt.

Eine andere Frage ist die, ob der Schutz wirklich greifen würde, wenn er getestet würde. Denn der Schutz basiert auf den Einlagesicherungsfonds. In der Schweiz liegen 6 Milliarden Franken in diesem Fonds . Damit liessen sich 60000 Kunden ausbezahlen - also gerade einmal die Kunden einer mittelgrossen Regionalbank.