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Interview

«Trump-Administration will kurzfristig punkten»

Rainer Rickenbach

Manuel Oechslin, wie gross ist eigentlich die Gefahr, dass der von US-Präsident Donald Trump aus­gelöste Handelsstreit eine Eigen­dynamik entwickelt?

Die Gefahr einer weiteren Eskalation der Handelsstreitigkeiten ist nicht auszuschliessen, ganz gemäss der Logik Gleiches mit Gleichem zu vergelten – «Tit for Tat». Im Streit zwischen den USA und China ist die Eskalation schon weiter fortgeschritten als in der Auseinandersetzung zwischen den USA und der EU.

Die EU verlangt auf amerikanische Importautos tatsächlich viermal höhere Zölle als die USA auf euro­päische Autos, und China erschwert den Marktzugang für ausländische Investoren nicht erst seit gestern. Bestehen da nicht doch unfaire Handelsbedingungen?

Die EU ist in Sachen Handelspolitik sicherlich kein Musterknabe. Aber: Ganz abgesehen davon, was «unfaire Handelsbedingungen» überhaupt bedeuten, ist es sicherlich nicht sinnvoll, das Thema anhand einzelner Zölle – zum Beispiel eben denjenigen auf Autos – zu diskutieren. Das Gesamtbild ist wichtig. Und hier sind die Unterschiede weitaus geringer: Die Durchschnittszölle der EU liegen bei etwa 5,2 Prozent, diejenigen der USA bei 3,5 Prozent.

Trump ist nicht der erste Präsident, der mit Zöllen unliebsame Konkurrenten der US-Wirtschaft auszubooten versucht. Gebracht hat es ihr bisher nichts.

Langfristig sind höhere Handelsbarrieren für die Wirtschaft schädlich. Ich bezweifle aber, dass die Administration Trump mit ihrer gegenwärtigen Handelspolitik die langfristige wirtschaftliche Entwicklung der USA im Auge hat. Vielmehr geht es darum, kurzfristig zu punkten. Im Herbst sind in den USA Kongresswahlen. Trump möchte vorher Wahlversprechen einlösen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die Zollerhöhungen die US-Wirtschaft kurzfristig etwas ankurbeln.

Die EU hat diese Woche ein Frei­handelsabkommen mit Japan und ein Investitionsschutzprogramm mit China abgeschlossen. Bahnt sich nun eine europäisch-asiatische Allianz an?

Mit Blick auf das grosse wirtschaftliche Potenzial einiger asiatischen Volkswirtschaften ist der verstärkte europäische Fokus auf Asien ökonomisch nachvollziehbar. Beim kürzlich erfolgten Abschluss eines Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan dürften aber auch politische Überlegungen eingeflossen sein, und die Botschaft dürfte lauten: «Schaut, wir lassen uns von Washington nicht beirren und schreiten voran auf dem Weg der Liberalisierung.»

Was bedeutet ein Handelskrieg für die Schweiz?

Nichts Gutes. Die Schweiz ist schon jetzt von den zusätzlichen US-Zöllen auf Stahl und Aluminium betroffen, allerdings in relativ geringem Ausmass. Der Bundesrat hat diesbezüglich beschlossen, ein WTO-Streitschlichtungsverfahren einzuleiten. Die grösste Gefahr für die Schweiz besteht aber vermutlich darin, dass das Vorgehen der USA das multilaterale Handelssystem – die World Trade Organization (WTO) – langfristig zu unterminieren droht. Das System wurde geschaffen, um einen regelbasierten internationalen Handel zu garantieren. Für kleine und offene Volkswirtschaften wie diejenige der Schweiz ist dies von grosser Wichtigkeit.

Die Globalisierung der Wirtschaft im 19. Jahrhundert mündete im Ersten Weltkrieg. Müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen?

Ich bin weder Historiker noch Prophet. Allgemein scheint es mir aber, dass solch monokausale Betrachtungsweisen wenig hilfreich sind. Es ist zwar richtig, dass auf die Globalisierungswelle des späten 19. Jahrhunderts der Erste Weltkrieg folgte. Es ist aber auch so, dass sich an den Protektionismus der 30er-Jahre der Zweite anschloss.

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