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Trump ändert Meinung zu TikTok: Wird die China-App nun amerikanisch? Und was ändert sich für Nutzer?

Eben noch wollte US-Präsident Donald Trump die Videoplattform TikTok verbannen. Nun hat er eine Kehrtwende vollzogen: Sollte eine sichere US-Firma wie Microsoft die chinesische App aufkaufen, habe er nichts dagegen. Was passiert nun – und hat das Folgen für Schweizer Nutzer? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Stefan Ehrbar und Patrik Müller
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Tiktok hat in der Schweiz etwa eine halbe Million Nutzer.

Tiktok hat in der Schweiz etwa eine halbe Million Nutzer.

Keystone

Trump wollte TikTok eben noch abschalten, jetzt will er sie doch weiterlaufen lassen. Unter welchen Bedingungen?

Vor wenigen Tagen sagte der US-Präsident Donald Trump noch lauthals, er werde TikTok aus den USA verbannen – und er werde auch verhindern, dass ein anderer Konzern das amerikanische TikTok-Geschäft kaufe. Interesse an einer Übernahme hatte der IT-Riese Microsoft gezeigt. Gestern Abend war dann alles anders: «Ich habe nichts dagegen, wenn Microsoft oder eine andere sichere, sehr amerikanische Firma das US-Geschäft von TikTok kauft», sagte er plötzlich. TikTok hat in Amerika 100 Millionen registrierte Nutzer.

Welche Bedingungen stellt Trump für eine Aufrechterhaltung des Dienstes?

Trump wäre nicht Trump, würde er eine TikTok-Übernahme durch einen US-Konzern nicht mit Bedingungen verknüpfen. Erstens müsse der Kauf von TikTok, das heute dem chinesischen Konzern Bytedance gehört, bis 15. September vollzogen sein. Sonst werde er TikTok in den USA eben doch abstellen lassen. Zweitens müsse die US-Regierung einen Anteil am Verkaufserlös erhalten. Er erwarte «a lot of money», sagte er.

Was hat Trump eigentlich gegen TikTok?

Laut der «New York Times» befürchtet die US-Regierung, dass der chinesische Staat Zugriff auf Daten amerikanischer Nutzer erhalten könnte. Dass TikTok Nutzerdaten möglicherweise in grossem Stil in China verarbeitet, ist laut der «Wirtschaftswoche» ein oft genannter Vorwurf – und bereits seit letztem Jahr Teil von Untersuchungen eines US-Kongressausschusses. Zudem wird TikTok vorgeworfen, Inhalte zu zensieren, etwa zu den Protesten in Hongkong. In China selbst gibt es TikTok nicht, dort betreibt Bytedance eine zensierte Version namens Douyin.

Kann der US-Präsident TikTok überhaupt aussperren?

Wie genau Donald Trump TikTok verbannen würde, sollte sich bis 15. September keine «sehr amerikanischer Käufer» finden, ist unklar. Er sprach zunächst von einer «Executive Order», mit der er die Sperre verfügen werde – also mit einem präsidialen Dekret. TikTok könnte auch der Zugang zu amerikanischen App-Stores verweigert werden – oder die Besitzerfirma könnte auf eine Liste gesetzt werden, mit der amerikanische Unternehmen keine Geschäfte betreiben dürfen.

Was bedeutet die Drohung der USA für Schweizer Nutzer?

Zunächst einmal ändert sich nichts. Hierzulande baut Bytedance sein Geschäft sogar aus, seit kurzem können Werbetreibende beispielsweise gezielt über TikTok Werbung an Schweizer Nutzer ausspielen. Allerdings könnten die Inhalte der amerikanischen Nutzer aus der App verschwinden, wenn dieser Teil des Geschäfts ausgegliedert wird. Je nach Vorgehensweise der USA ist es zudem auch denkbar, dass Google und Apple nicht mehr mit Bytedance zusammenarbeiten dürfen. Die App könnte demnach aus ihren Stores verschwinden. Ein solches Szenario erscheint zum jetzigen Zeitpunkt als eher unwahrscheinlich.

Was sagt TikTok-Eigentümerin Bytedance zu den Vorwürfen?

Das chinesische Unternehmen hat wiederholt verneint, dass es unter Einfluss der chinesischen Regierung steht. Die «New York Times» zitiert eine Sprecherin damit, die Daten des US-Dienstes würden auch in den USA gespeichert und es gebe strikte Kontrollen, welche Mitarbeiter darauf zugreifen dürften. Zudem hat Bytedance angekündigt, in den USA mehrere hundert Stellen zu schaffen. Früher im Jahr wurde bekannt, dass Bytedance seinen Hauptsitz für das internationale TikTok-Geschäft nach London verlegen könnte. Laut «Sunday Times» pausieren die Gespräche mit der britischen Regierung dazu «wegen des geopolitischen Kontexts» allerdings. Ebenfalls weist Bytedance darauf hin, dass viele internationale Geldgeber, darunter auch US-Firmen, zu den Investoren gehören.

Was erhofft sich Microsoft von einem Kauf?

Der amerikanische Softwarekonzern Microsoft ist bisher im Vergleich zu seinen US-Rivalen Facebook oder Snapchat im Bereich Social Media eher ein kleiner Player. Die grösste Plattform, die dem Konzern gehört, ist das Karrierenetzwerk LinkedIn. Mit dem Kauf der US-Aktivitäten und den 100 Millionen Nutzern von TikTok würde sich das schlagartig ändern. Laut Reuters will Microsoft auch das TikTok-Geschäft in Kanada, Australien und Neuseeland übernehmen.

Was ist TikTok überhaupt?

Wichtig sind bei der App keine langen Texte oder besonders schöne Bilder. Hier geht es um Videos aller Art: Egal ob Comedy, Karaoke oder Dance-Moves. Die einzelnen Videos sind meist 15 Sekunden lang. Ähnlich wie bei Instagram, kann man anderen Usern folgen und deren Videos liken. Je mehr Follower man generiert, desto beliebter wird man.

Wer nutzt die App und wie beliebt ist sie in der Schweiz?

TikTok wurde weltweit über 1,5 Milliarden Mal heruntergeladen. In der Schweiz sollen es laut Schätzungen über 500 000 User sein. Die App wurde hauptsächlich für Teenager konzipiert. Eine Umfrage des Gottlieb-Duttweiler-Instituts zeigt, dass über 40 Prozent der Schweizer Jugendlichen auf dem sozialen Netzwerk präsent sind oder es zumindest schon getestet haben. Hauptzielgruppe ist hier die sogenannte «Generation Z». Vor allem die 9- bis 17-Jährigen geben an, TikTok mehrmals am Tag für mehrere Stunden zu nutzen - und das obwohl die App eigentlich erst ab 13 Jahren installiert werden darf.

Welche Art von Videos findet man auf TikTok?

Die App hat eine grosse Bandbreite an Videos. Von Challenges über süsse Katzenvideos und Comedy bietet TikTok alles an. Auffällig ist hier, dass immer wieder neue Trends aufkommen. Waren es einst Videos in denen Frauen und Männer sich in einer Sequenz hässlich gezeigt haben, um in der nächsten bildschön auszusehen; sind es jetzt vor allem Tanzvideos, die geliked werden. TikTok ist das Nachfolgeprodukt der App musical.ly. Bei dieser waren vor allem Videos beliebt, bei denen Nutzer kurze Ausschnitte von Liedern nachsynchronisierten und ein Video dazu stellten.

Gehen auch andere Länder oder die Schweiz gegen TikTok vor?

Indien hat die App zusammen mit Dutzenden anderen chinesischen Apps wegen Sicherheitsbedenken verboten. Dahinter könnten allerdings auch politische Konflikte stecken. In der Schweiz sind ähnliche Bestrebungen nicht bekannt. Auch auf europäischer Ebene ist keine ähnliche Reaktion wie in den USA in Sicht – noch. Je nach Ausgang des Konflikts mit den USA könnten auch europäische Regierungen unter Druck geraten.

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