Trump überrollt China mit Zoll-Lawine

Im bisher grössten Schritt belegt US-Präsident Trump chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit Strafzöllen. Chinas Führung kündigt Vergeltung an. Doch Peking geht die Munition aus.

Felix Lee, Peking
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Eine chinesische Textilfabrik in der östlichen Jiangsu-Provinz. Bild: Aleksandar Plavevski/EPA (16. September 2018)

Eine chinesische Textilfabrik in der östlichen Jiangsu-Provinz.
Bild: Aleksandar Plavevski/EPA (16. September 2018)

Der Handelsstreit zwischen China und den USA ist nun endgültig eskaliert. Der US-Präsident hat seine Drohung wahr gemacht und wie angedroht die Strafzölle auf chinesische Importe massiv ausgeweitet. Er veranlasste am Montag Zölle auf weitere rund 6000 Waren aus der Volksrepublik. Sie sollen in einer ersten Stufe bereits ab kommenden Montag in Kraft treten und zehn Prozent betragen.

Zum Jahreswechsel sollen sie auf 25 Prozent steigen. Zu den bereits verhängten Sonderzöllen auf Waren im Wert von 50 Milliarden summiert sich der Warenwert damit auf über 250 Milliarden Dollar. «Wenn andere Länder keinen fairen Handel treiben, werden sie ‹bezollt›», twitterte Trump.

Hälfte aller Waren aus China betroffen

Es ist die dritte Runde an Strafzöllen und die mit Abstand auch folgenschwerste. Rund die Hälfte aller chinesischen Waren, die in die USA geliefert werden, sind damit mit Strafzöllen belegt. Und dabei soll es nach dem Willen des US-Präsidenten nicht bleiben.

Sollte China mit Vergeltung reagieren – und genau das hat die chinesische Führung am Dienstag angekündigt –, werde es umgehend eine vierte Runde geben. Trump wolle dann weitere 267 Milliarden Warenimporte aus China mit Extrazöllen belegen. Sämtliche Waren aus China wären dann betroffen. Trumps Schritt kommt für China zwar nicht überraschend. Der US-Präsident droht seit Monaten damit. Allerdings gab es in Peking bis zum Schluss die Hoffnung, der Streit könnte – wenn auch nicht komplett beigelegt, so zumindest – entschärft werden. Noch in der vergangenen Woche kursierte das Gerücht, US-Finanzminister Steve Mnuchin habe eine chinesische Delegation um den chinesischen Vize-Ministerpräsidenten Liu He nach Washington geladen, um die zuletzt abgebrochenen Gespräche zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt wieder aufzunehmen.

Doch dazu dürfte es nun nicht mehr kommen. Von einer «vergifteten Atmosphäre spricht in einer ersten Reaktion der Vizechef der chinesischen Wertpapieraufsicht Fang Xinghai. Liu He hat am Dienstagmorgen zu einer Dringlichkeitssitzung geladen, um über die Gegenmassnahmen zu beraten. Chinas Führung drohte zwar stets damit, mit Zöllen in gleicher Höhe für amerikanische Güter zu kontern. So war das auch in den ersten beiden Runden. Das Problem der chinesischen Führung: Ihr geht mittlerweile die Munition aus. Denn China importiert eben nicht so viel aus den USA wie umgekehrt.

2017 summierten sich die chinesischen Ausfuhren in die USA auf über 500 Milliarden Dollar. Die Chinesen führten im selben Zeitraum aber nur Waren im Wert von 130 Milliarden Dollar ein. Das Ungleichgewicht hat sich in den letzten Monaten noch mal vergrössert. So hoch wie im Juni und Juli waren die chinesischen Überschüsse im Handel mit den USA noch nie.

In einem ersten Schritt hat die chinesische Führung am Dienstag ihrerseits Strafzölle auf US-Importe im Wert von 60 Milliarden Dollar erhoben. Chinesischen Medien zufolge erwägt die Führung in Peking darüber hinaus, die Einfuhr von bestimmten Bauteilen und Gütern aus den USA einzuschränken, um gezielt Konzerne zu treffen. Sie sollen dann entsprechend Druck auf Trump ausüben. Um welche US-Unternehmen es sich dabei handelt, ist nicht bekannt.

Trump hat Silicon Valley im Visier

Der US-Kaffeebetreiber Starbucks, Apple, Nike – sie alle bangen um ihre China-Geschäfte. Für sie ist die Volksrepublik inzwischen der wichtigste Markt der Welt. Starbucks-Chef Howard Schultz war erst vor kurzem noch in Peking, um der chinesischen Führung zu verdeutlichen, dass Sanktionen gegen sie vor allem chinesische Arbeitsplätze kosten würden. Über den Ausgang der Gespräche ist nichts bekannt. Ähnlich soll auch die Apple-Führung argumentiert haben.

Ökonomen bezweifeln jedoch, dass es in absehbarer Zeit zu einer Lösung kommen wird. Trump sei an gar keiner Einigung mit der chinesischen Führung interessiert, vermutet Arthur Kroeber, Analyst beim unabhängigen Forschungshaus Gavekal. Er verweist darauf, dass Trump schon mehrfach US-Firmen wie Apple aufgefordert hat, die Produktion ihrer Waren in die Heimat zurückzuverlagern. Die eigentliche Front verlaufe nicht zwischen Washington und Peking, sondern zwischen Trump und dem Silicon Valley.