Wirtschaftspolitik
Trumps widersprüchliche Signale: Freuen sich die Banken zu Recht?

Donald Trump sendet widersprüchliche Signale an die Finanzindustrie. Sein engster Berater ist ein eingefleischter Kritiker der Wall Street.

Renzo Ruf, Washington
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Die Börsenhändler freuen sich über die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten.JUSTIN LANE/EPA/Keystone

Die Börsenhändler freuen sich über die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten.JUSTIN LANE/EPA/Keystone

KEYSTONE

Die Börsenhändler haben sich ihre Meinung bereits gemacht: Ein Präsident Donald Trump ist ein Segen für die Finanzindustrie. Seit dem vergangenen Mittwoch, dem Tag nach der Wahl des Republikaners, hat der Dow-Jones-Bankenindex sechs Prozent zugelegt. Der KBW Nasdaq Bank Index verzeichnete gar ein Plus von 10 Prozent. Das ist einerseits ein wenig überraschend, gab Trump im Wahlkampf doch den protektionistischen Wirtschaftspopulisten, der den Globalisierungsbefürwortern den Krieg erklärte. So sagte er an einem seiner letzten Auftritte – am 6. November: «Ich bitte um die Stimme aller Amerikaner, die eine Regierung satthaben, die für die Wall Street arbeitet, aber nicht für das Volk.»

Traum der Finanzindustrie

Andererseits ist Trump ein Geschäftsmann, der mit der Unterstützung eines republikanisch dominierten Parlaments regieren wird – und damit erfüllt sich ein langjähriger Traum der Finanzindustrie. So fasste Goldman-Sachs-Konzernchef Lloyd Blankfein die Ideen Trumps mit den Worten «sehr marktfreundlich» zusammen. Allein, stimmt das auch? Wird ein Präsident Trump an der Spitze einer «sehr marktfreundlichen» Regierung stehen, die der Wall Street positiv gesinnt ist? Niemand weiss dies derzeit mit letzter Sicherheit.

Donald Trump hat es allen gezeigt - aber wirklich allen.
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Donald Trump wird am 20. Januar 2017 als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. In seinem Leben erreichte der Unternehmer aber auch anderes. Hier einige Auszüge aus seinem Leben.
Donald Trumps Frisur ist vielleicht kein Prunkstück der Friseurskunst, aber immerhin ist sein Haar echt; das hat Talkmaster Jimmy Fallon am Donnerstag empirisch bewiesen. (Screenshot Youtube)
Typische Haltung 1.
Typische Haltung 2.
Typische Haltung 3.
Welche Rolle spielte Russland im Wahlkampf von Donald Trump? Dass es Kontakte gab, räumt die russische Regierung am Donnerstag, 10. November 2016, ein.
Gemeinsame Interessen: Russland Präsident Putin und der US-Präsidentschaftskandidat Trump haben etwa in der Aussenpolitik ähnliche Ansichten.
Ein Mischwesen genannt "Trumpusconi": Dieses Bild kursiert derzeit auf Twitter.
Eine schon fast gespenstisch: Im Jahr 2000 sahen die Simpsons-Macher die Wahl Trumps voraus.
Auftritt mit breiter Brust: Donald Trump im Jahr 1984 als Investor des USFL-Teams New Jersey Generals. Kurze Zeitspäter verabschiedete sich Trump mit einem Gerichtsentscheid vom Football-Business.Keystone
Summer Zervos (rechts) mit ihrer Anwältin ist eine der Frauen, die Donald Trump sexuelle Belästigung vorwerfen.
Was ist Realität, was Fiktion? Bei Trump sind die Übergänge fliessend.
Geboren wurde er 1946 in New York. Sein Vater war, wie Donald später auch, ein Immobilienunternehmer. Einer seiner Brüder, Fred, starb an Folgen einer Alkoholkrankheit, eine seiner Schwestern ist Bundesrichterin. Trump verzichtet nach eigenen Angaben vollständig auf Zigaretten und Alkohol.
Trump war drei Mal verheiratet. Hier eröffnen Vater und Tochter Ivanka einen Trump-Tower (2008).
Mit seiner aktuellen Frau, Melania Knauss, zeigte er sich schon 2004. Erst 2006 gaben sie sich das Ja-Wort. Der Partnerschaft entsprang Sohn Barron William.
Trump besitzt die Organisation der Miss Universe Wahlen. Hier im Bild: Der zukünftige Präsident mit Olivia Culpo.
Für die Frauen-Wahlen zog Trump auch kreative Kostüme an, wie hier 2012. Nebenbei trat Trump 2007 auch in den Wrestling-Ring um gegen den WWE-Besitzer Vince McMahon zu kämpfen. Bei seinem Einzug in den Ring liess er 100-Dollar-Scheine regnen.
Trump traf zahlreiche Prominente in seinem Leben: Hier Serena Williams, die bekannte Tennis-Spielerin. (2009)
Trump und die Stars: Mit Golf-Legende Tiger Woods (2013)
Den Boxern George Foreman (l.) und Shannon Biggs (r.) (1997)
Auch ein Stern auf dem bekannten Walk of Fame in Los Angeles wurde ihm verliehen. Der Stern wurde während des Wahlkampfs 2016 zerstört und wieder hergestellt. In mehreren Kinderfilmen hatte Trump einen Auftritt: So etwa in «Kevin – allein in New York», dem zweiten Teil des beliebten Kinderfilms «Kevin – allein zu Haus».
Im Juni 2015 trat Trump offiziell zu den Präsidentschaftswahlen an. Zuerst wurde er nur belächelt. Gerade auf Grund von rassistischen und beleidigenden Aussagen wurde er lange nicht als ernsthafter Anwärter angesehen.
Doch mit seinem Slogan «Make America great again» schlug er nicht nur jeden Republikaner, sondern am Ende die Demokratin Hillary Clinton im Rennen um das Präsidentenamt.
Das Leben des Donald Trump

Donald Trump hat es allen gezeigt - aber wirklich allen.

KEYSTONE/AP/JOHN LOCHER

Unklare Pläne Trumps

Tatsache ist, dass sich der Republikaner in den vergangenen 18 Monaten nur fragmentarisch zur Zukunft der Finanzindustrie geäussert hat – und seine Botschaft nicht immer widerspruchsfrei war. Ein Beispiel bloss: Während einer Ansprache in Charlotte (North Carolina), deren Zielpublikum ausdrücklich die afroamerikanische Bevölkerung war, sagte Trump: «Wir werden finanzpolitische Reformen haben, die es jungen Schwarzen einfacher machen, Kredite zu bekommen, um ihre Geschäftsträume zu verwirklichen und Arbeitsplätze zu schaffen.» Dodd-Frank, die 2010 verabschiedete Reform der Finanzmarktaufsicht, sei diesbezüglich «ein Desaster» gewesen, sagte Trump.

Der Republikaner erklärte aber auch, dass die Aufhebung des Trennbankenverbotes im Jahr 1999, im Washingtoner Slang «Glass-Steagall» genannt, für die Finanzkrise verantwortlich gemacht werden könne. Er setze sich deshalb für eine zeitgemässe Version des Trennbankensystems ein, sagte Trump. Und tatsächlich heisst es im Wahlkampfprogramm der Republikaner, dass die Partei künftig kommerziellen Banken verbieten wolle, «hochriskante» Investmentgeschäfte zu tätigen.

Hinzu kommt: Steve Bannon, der höchst umstrittene Chefstratege des neu gewählten Präsidenten, ist bekannt für seine Anti-Wall-Street-Rhetorik. So warf Bannon der Finanzindustrie im Jahr 2014 an einer Konferenz im Vatikan vor, sie habe sich vor den Grundsätzen der christlich-jüdischen Wirtschaftsethik entfernt – weil sie die Tendenz habe, «alles zu verbriefen» und Menschen als Wirtschaftsgüter zu betrachten.

Letztlich wird es die Aufgabe des neuen Finanzministers sein, diese politischen Widersprüche in eine klare Politik zu giessen – zusammen mit den Spitzen der Aufsichtsorgane und der Federal Reserve ist der «Secretary of Treasury» eine zentrale Figur im Chor der Bankenregulierer. Im Gespräch für den Posten ist der Trump-Freund Steven Mnuchin (53), der früher für Goldman Sachs gearbeitet hat und heute unter anderem als Geldgeber teurer Hollywood-Filme tätig ist. Im Trump Tower in New York kursiert aber auch der Name von Jamie Dimon (60), des langjährigen Konzernchefs der führenden Grossbank JP Morgan Chase. Dimon wäre eine erstaunliche Wahl: Er ist Demokrat und war lange Jahre ein Unterstützer von Präsident Barack Obama. Gut im Rennen ist schliesslich auch Jeb Hensarling (59), republikanischer Abgeordneter aus Texas und Vorsitzender des Bankenausschusses im Repräsentantenhaus. Hensarling ist ein heftiger Kritiker von Dodd-Frank.

Kabinett Trump?
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