TV-RECHTE: Millionengeschäft mit dem Sport

Innerhalb einer Woche haben Eishockey und Fussball ihre TV-Einnahmen auf fast 90 Millionen Franken verdoppelt. Damit wird die Medienlandschaft umgepflügt.

Klaus Zaugg
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Wo soll man hinschauen? Fussball- und Hockeyspiele finden künftig auf mehreren Kanälen statt. Das Bild zeigt Zuschauer in Zürich während der Partie Schweiz - Albanien an der EM 2016. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Wo soll man hinschauen? Fussball- und Hockeyspiele finden künftig auf mehreren Kanälen statt. Das Bild zeigt Zuschauer in Zürich während der Partie Schweiz - Albanien an der EM 2016. (Bild: Freshfocus/Andy Müller)

Klaus Zaugg

Die TV-Verträge im helvetischen Fussball (Nationalliga) und im helvetischen Hockey (Liga, Cup und Nationalmannschaft) sind neu ausgehandelt worden. Beide haben die Einnahmen auf über 30 Millionen Franken gesteigert und damit verdoppelt. Da nun auch noch die zentralen Vermarktungsverträge neu ausgearbeitet werden, ist mit einer weiteren Steigerung der Einnahmen zu rechnen. Aus TV- und zentralen Vermarktungsrechten wird der helvetische Klubfussball schlussendlich ab 2017 (also ab übernächster Saison) bis 2021 auf rund 50 Millionen pro Jahr kommen, das Eishockey auf nicht ganz 40 Millionen.

Für die Kleinen wichtig

Das mögen Schwindel erregende Summen sein, aber sie beeinflussen unser Fussballgeschäft nur am Rande. Im Fussball kassiert zurzeit jeder Klub der Super League pauschal rund 700 000 Franken pro Saison plus Rangprämien. Ab 2017 kann mit einer Verdoppelung gerechnet werden. Aber selbst rund 1,5 Millionen Franken sind für den FC Basel mit einem Budget von rund 100 Millionen bloss «Trinkgeld». Hingegen sind 1,5 Millionen für «kleine» Fussballunternehmen (wie Vaduz oder Thun) oder solche mit einem permanenten strukturellen Defizit (wie Luzern) sehr wichtig.

Im Eishockey bekommen die NLA-Klubs pro Saison rund 750 000 Franken. Eine Verdoppelung auf gut und gerne 1,5 Millionen pro Jahr ist zu erwarten. Für einen Titanen wie den SC Bern (50 Millionen Umsatz) wenig, und auch der wirtschaftlich breit abgestützte EV Zug (Gesamtumsatz rund 20 Millionen) hängt nicht an den TV-Einnahmen. Für die «Kleinen» wie Langnau oder Ambri (mit Budgets zwischen 10 und 15 Millionen) sind die TV-Gelder hingegen sehr wichtig.

Die neuen TV-Verträge kommen also nicht im Sportgeschäft, wohl aber in der Medienlandschaft einem Erdbeben gleich: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen SRF hat zum ersten Mal in der Geschichte seine Vormachtstellung verloren. Noch der letzte vor vier Jahren ausgehandelte TV-Vertrag war ein Show-down zwischen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen und den privaten Anbietern. Nun ist das grosse Geschäft zwischen den privaten Titanen (Swisscom/Teleclub) und einem Verbund der Kabelnetzbetreiber unter der Leitung von UPC Cablecom ausgehandelt worden. Das Staatsfernsehen sass nur noch am Katzentisch. Vorbei die Zeiten, als das Schweizer Fernsehen den Klubs Anspielzeiten diktieren und bei der Modusgestaltung dreinreden konnte.

Regionale Spiele im Fokus

Noch ist die politisch-psychologische Bedeutung des öffentlich-rechtlichen TV aber gross. Deshalb sind die neuen Rechteinhaber (Swisscom/Teleclub im Fussball, UPC Cablecom im Hockey) dazu verpflichtet, dem staatlichen Fernsehen weiterhin Live-Spiele zu überlassen. Aber auch das dürfte sich nach Ablauf des neuen Vertrags 2021 ändern. Denn auch die Kabelnetzbetreiber können gewisse Spiele auf ihren Kanälen gratis anbieten. Zudem haben die Hockeyklubs nun die Möglichkeit, durch die lokalen Kabelnetzbetreiber (die im Verbund mit UPC die Rechte ab 2017 erworben haben) ihre Spiele regional zu übertragen – eine sehr interessante Variante gerade für die NLB-Unternehmen. So kann der Werbewert gesteigert werden. Die neuen TV-Verträge verändern die nationale Sportlandschaft also nur geringfügig. Sie erschüttern aber die nationale Medienlandschaft in den Grundfesten. Wir erleben den Anfang vom Ende der «Alleinherrschaft» des staatlichen Fernsehens in den grossen Publikumssportarten Fussball und Hockey und den Aufstieg der privaten Player auf dem TV-Markt.

Die TV-Welt wird komplizierter

Noch bis Ende der nächsten Saison ist die TV-Welt für den Sportfan einfach: Swisscom beziehungsweise deren Partner Teleclub liefern alle Spiele der beiden höchsten Ligen im Fussball und im Eishockey. Wenn es «um die Wurst» geht (Playoffs im Hockey, die grossen Spiele in der Super League), bringt das öffentlich-rechtliche Fernsehen die Spiele ebenfalls live.

Das ändert sich ab der Saison 2017/18. Swisscom beziehungsweise Teleclub zeigt «nur» noch den helvetischen Fussball. Wer alle Hockeyspiele will, muss diese bei den neuen Rechteinhabern beziehen. Wie die lokalen Kabelnetzbetreiber unter der Führung von UPC Cablecom Hockey aufbereiten (es muss eine ganze Redaktion aufgebaut werden) und wie das Bezahlsystem funktioniert, ist noch offen und wird nun ausgearbeitet. 

Auch Internetrechte vergeben

Im Nachgang zu den neuen Verträgen werden erstmals auch die Internetrechte vergeben. Hier zeichnet sich ab, dass das Medienhaus Ringier vor allem im Eishockey in diesen Bereich investieren wird. Ab 2017/18 dürften bei Spielschluss sofort sämtliche Tore und Kurzzusammenfassungen bei den Ringier-Medien im Internet verfügbar sein – voraussichtlich gegen Bezahlung.