USA
«Uber» für die Luft: Plattform vermittelt Heliflüge zum Schleuderpreis

Die Firma Blade bietet über Internet Helikopterflüge zu moderaten Preisen an. Buchen kann man über eine App. Die Plattform orientiert sich stark am Taxi-Dienst Uber. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Adrian Lobe
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600 Dollar kostet ein Flug per Helikopter von New York in die Hamptons.HO

600 Dollar kostet ein Flug per Helikopter von New York in die Hamptons.HO

Wer träumt nicht einmal davon, dem Gedränge an Flughäfen und vollgestopften Autobahnen zu entfliehen und mit dem Helikopter in einem Ferienort einzuschweben? Der Haken: Flüge mit dem Helikopter waren bislang das Privileg von Superreichen. Das soll sich nun ändern. Das US-Start-up Blade vermittelt über das Internet günstige Helikopterflüge im Grossraum New York. Es funktioniert ähnlich wie beim Fahrdienstleister Uber: Man lädt eine App auf sein Handy, sucht nach verfügbaren Plätzen und bucht diese online. Bezahlt wird bequem per Kreditkarte.

800-mal in die Hamptons

Wie Uber ist Blade eine reine Plattform – das Start-up besitzt keine eigenen Helikopter, sondern chartert diese vom Kooperationspartner Liberty Helicopter. Der Dienst hat die Preise für einen Helikopterflug von rund 35 000 Dollar – CEO-Niveau – auf 600 Dollar gesenkt. So viel kostet ein vierzigminütiger Flug vom Heliport Manhattan auf die Hamptons, ein Feriendomizil für Superreiche.

Die Idee für dieses «Uber für Helikopter» hatte der Finanzvorstand von Warner Music und langjährige Sony-Mitarbeiter Rob Wiesenthal. Zusammen mit Steve Martocci, dem Gründer des VoIP-Diensts GroupMe, gründete er letztes Jahr einen Shuttle-Service für Helikopter. Ausgestattet mit einem Startkapital von 50 000 Dollar, entwickelte sich Blade rasch zu einem profitablen Geschäft. 20 000-mal wurde die App bislang heruntergeladen, allein im letzten Sommer wurden 800 Helikopterflüge in die Hamptons gechartert. Das Geschäftsmodell hat längst auch Investoren auf den Plan gerufen: Eine Gruppe von Wagniskapitalgebern um Google-Chef Eric Schmidt hat 25 Millionen Dollar in das Start-up investiert.

Hilfe, die Helikopter sind los!

Der Erfolg von On-Demand-Transportdienstleistern wie Blade oder Jetsmarter, das im Netz Restplätze für Privatjets vermittelt, zeigt, dass es auch im Luxussegment einen Bedarf nach smarter Mobilität gibt. Per Knopfdruck kurzfristig einen Helikopterflug zu buchen, kommt bei einer zahlungskräftigen Klientel offenbar gut an. Zumal es in der Vergangenheit recht schwierig war, einen Helikopter zu chartern. Doch was des einen Freud ist, ist des anderen Leid: Die Anrainer auf den Hamptons sind durch das erhöhte Flugaufkommen genervt. Eine Anwohnerin berichtete dem Magazin «New Yorker»: «Es ist wie die Apokalypse, die auf das Dach Ihres Hauses herunterkommt.»

Konkurrenz ist Blade durch Gotham Air erwachsen, ein Start-up, das mit einer aggressiven Preisstrategie Helikopterflüge in New York anbietet. Zu Beginn des Jahres konnten Nutzer über eine mobile App für 99 Dollar Sitzplätze in Helis buchen, die zwischen Manhattan und den Flughäfen JFK und Newark verkehrten. Sechs Minuten dauert der Flug über die Skyline von New York, was gegenüber anderen Verkehrsmitteln konkurrenzlos ist. «Warum ein Taxi nehmen, wenn man auch einen Helikopter nehmen kann?», titelte das Boulevardblatt «New York Post».