UBS
UBS-Löhne als Existenzfrage

Die Grossbank UBS habe bei den Fixlöhnen gewisser Spezialisten «zurückbuchstabieren» müssen, um den Exodus zu stoppen. Dies erklärte Präsident Kaspar Villiger. Er glaubt, ohne Salärerhöhungen hätte die Bank «nicht lange überlebt».

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Villiger

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Keystone
Vergesslicher Villiger Kommentar von Philipp Mäder Man reibt sich die Augen: Die UBS hat in den letzten Monaten bei einem Teil ihrer Banker klammheimlich die Löhne erhöht. Und das in allen Geschäftsbereichen. Mitgeteilt hat Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger dies aber erst gestern - vier Tage, nachdem der Bund seinen Ausstieg bei der Grossbank ankündigte und damit sein Mitspracherecht bei den Löhnen verlor. Da stellt sich die Frage: Sind die Lehren aus der Finanzkrise schon vergessen? Vor kurzem noch propagierten die Mächtigen ein radikales Umdenken. Der Kapitalismus müssen gezähmt und das Bankensystem auf eine neue Grundlage gestellt werden. Dazu seien strenge internationale Regeln notwendig. Für den ehemaligen FDP-Bundesrat Villiger scheint das Schnee von gestern zu sein. Er begründet die Lohnerhöhung genau gleich, wie die Banken vor der Finanzkrise ihre exzessiven Boni rechtfertigten: Die UBS müsse international konkurrenzfähig bleiben und gewisse Mitarbeiter halten können. Villiger ignoriert dabei, dass ausgerechnet jene Banker für die Finanzkrise mitverantwortlich sind, die allein auf den eigenen Lohn schielten. Ein besseres Gedächtnis als Villiger dürfte das Volk haben. Denn im Gegensatz zu vielen Bankern kann es von mehr Lohn nur träumen. Das rächt sich für die Banken früher oder später an der Urne: möglicherweise bereits dann, wenn die Abzocker- Initiative an die Urne kommt. Denn diese bringt verbindliche Regeln bei der Festsetzung der Löhne - anstatt blosser Lippenbekenntnisse. philipp.maeder@azag.ch

Vergesslicher Villiger Kommentar von Philipp Mäder Man reibt sich die Augen: Die UBS hat in den letzten Monaten bei einem Teil ihrer Banker klammheimlich die Löhne erhöht. Und das in allen Geschäftsbereichen. Mitgeteilt hat Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger dies aber erst gestern - vier Tage, nachdem der Bund seinen Ausstieg bei der Grossbank ankündigte und damit sein Mitspracherecht bei den Löhnen verlor. Da stellt sich die Frage: Sind die Lehren aus der Finanzkrise schon vergessen? Vor kurzem noch propagierten die Mächtigen ein radikales Umdenken. Der Kapitalismus müssen gezähmt und das Bankensystem auf eine neue Grundlage gestellt werden. Dazu seien strenge internationale Regeln notwendig. Für den ehemaligen FDP-Bundesrat Villiger scheint das Schnee von gestern zu sein. Er begründet die Lohnerhöhung genau gleich, wie die Banken vor der Finanzkrise ihre exzessiven Boni rechtfertigten: Die UBS müsse international konkurrenzfähig bleiben und gewisse Mitarbeiter halten können. Villiger ignoriert dabei, dass ausgerechnet jene Banker für die Finanzkrise mitverantwortlich sind, die allein auf den eigenen Lohn schielten. Ein besseres Gedächtnis als Villiger dürfte das Volk haben. Denn im Gegensatz zu vielen Bankern kann es von mehr Lohn nur träumen. Das rächt sich für die Banken früher oder später an der Urne: möglicherweise bereits dann, wenn die Abzocker- Initiative an die Urne kommt. Denn diese bringt verbindliche Regeln bei der Festsetzung der Löhne - anstatt blosser Lippenbekenntnisse. philipp.maeder@azag.ch

Aargauer Zeitung

Eine halbe Woche nach der Regelung des Steuerstreits zwischen den USA und der Schweiz macht die UBS in anderer Hinsicht wieder von sich reden. Präsident Kaspar Villiger hat in einer Zwischenbilanz eingeräumt, die UBS habe «bei den Löhnen wieder zurückbuchstabieren» müssen. Ohne «Korrekturen», das heisst Lohnerhöhungen, hätte die Bank «nicht lange überlebt», resümierte der Alt-Bundesrat gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Boni wurden verringert

Villiger nimmt für sein Unternehmen in Anspruch, als erstes in der Branche aus der Vergangenheit Lehren gezogen zu haben. Während es bei Konkurrenten in anderen Ländern bei blossen Beteuerungen geblieben sei, habe die UBS Korrekturen vorgenommen:

  • Erstens habe die UBS als erste Bank ihr Bonussystem für das Topmanagement revidiert. Sie habe ein langfristiges System mit einer «Malus-Komponente» eingeführt (etwa um Vergütungen zurückverlangen zu können).
  • Zweitens habe die UBS die Erfolgsboni «überall stark reduziert».

Weil die Konkurrenz nicht nachzog, habe bei der UBS ein Exodus eingesetzt. Man habe Prügel kassiert, weil man es besser gemacht habe als die Konkurrenz. Zwar gebe es auf dem Markt genug Banker ohne Arbeit. Doch das Problem der UBS bestand darin, dass «ganze Teams» die Bank verliessen und letztlich auch gleich ihre Kunden mitnahmen.

Zum konkreten Ausmass der vorgenommen Salärerhöhungen machte Villiger keine Angaben. UBS-Sprecherin Eveline Mueller ergänzte gegenüber der MZ, nicht nur im Investmentbanking habe man Handlungsbedarf gesehen: «Es gab in allen Divisionen auf selektiver Basis ausserordentliche Lohnerhöhungen.» Eine Bandbreite wollte die UBS-Sprecherin nicht angeben. Man darf davon ausgehen, dass die Lohnerhöhungen im Laufe der letzten drei bis vier Monate angeordnet worden sind.

Präsident Villiger führt zudem die Perspektive gewisser UBS-Aktionäre ins Feld. Investoren hätten sich nicht darum gesorgt, dass die Bank ihren Mitarbeitern zu viel zahlen könnte, sondern darum, dass sie knausern würde. Villiger ergänzt: «Wir müssen in New York, Hongkong und Singapur auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig sein.» Die Löhne liessen sich nicht aus der Schweiz heraus definieren.

Neue Kultur als Herkulesaufgabe

Villiger erinnerte daran, dass die Finanzmarktaufsicht des Bundes (Finma) den Auftrag habe, das UBS-Lohnsystem zu überwachsen. Für die UBS steht nun dreierlei im Zentrum: die Rückkehr in die Gewinnzone, die Anpassung der Strategie und die Erarbeitung einer neuen Unternehmenskultur - laut Villiger angesichts der 70 000 Beschäftigten im Konzern eine «Herkulesaufgabe». (rm)