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UBS-Schweiz-Chef: «Es geht nicht ohne harte Einschnitte»

Der UBS-Chef Lukas Gähwiler über die Euro-Krise bei Schweizer Unternehmen, den starken Franken und die Pläne der UBS. So will die Schweizer Grossbank unter anderem ihren Firmenkunden auch ausserhalb der Schweiz Zahlungsdienste anbieten.

Andreas Schaffner
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UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler (Archiv)

UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler (Archiv)

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Herr Gähwiler, Sie waren letzte Woche am Swiss Economic Forum. Was haben Sie im Gespräch mit Unternehmern festgestellt?

Lukas Gähwiler: Ich stellte fest, dass die Stimmung unter den Unternehmern zwar gekennzeichnet ist von der Krise in Europa und dem starken Schweizer Franken. Aber wenn ich die KMU-Landschaft insgesamt betrachte, bin ich nach wie vor zuversichtlich.

Sie klingen wie ein Schönredner!

Überhaupt nicht. Wenn ich nur unsere Kunden anschaue, dann machte letztes Jahr ein Drittel Rekordergebnisse und viele gehen davon aus, dass sie auch im laufenden Jahr Rekordergebnisse erzielen. Ein weiteres Drittel sagt: «Das Umfeld ist herausfordernd, aber es zwingt uns, fitter zu werden.» Ein letztes Drittel der Firmen hat wirklich Mühe.

Wer ist hier besonders betroffen?

Dazu zählen viele Firmen aus der Maschinen-Industrie. Davon ist das Mittelland besonders betroffen. Für diese Firmen wird es einen Kampf gegen die Zeit. Entscheidend wird sein, dass sie jetzt die Zeit nutzen, um ihr Geschäftsmodell anzupassen.

Wieso die Eile?

Es gibt drei wichtige Gründe, wieso die meisten Unternehmen bisher robust durch die Krise gesegelt sind. Erstens haben viele Firmen von längerfristigen, in Schweizer Franken basierten Lieferverträgen profitiert, die jetzt aber zunehmend auslaufen. Zweitens haben zahlreiche Unternehmen noch vor 18 bis 24 Monaten ihren Fremdwährungsumsatz gegen Kursschwankungen mithilfe der Banken abgesichert. Und drittens sind viele Schweizer Unternehmen weltweit in Nischenmärkten stark positioniert. Das hat ihnen erlaubt, kurzfristig weiterhin in Schweizer Franken zu fakturieren. Aber gerade hier wird künftig die Gefahr steigen, dass die Käufer auf andere Anbieter ausweichen.

In der Unternehmenswelt spricht man von einer schleichenden Deindustrialisierung der Schweiz? Immer mehr Arbeitsplätze im Industriesektor werden ins Ausland verlegt. Wie sehen Sie das?

Deindustrialisierung ist ein zu hartes Wort. Ich würde eher von einer zunehmenden Verlagerung von einzelnen Teilen der Wertschöpfungskette sprechen. Dieser Umbau hat schon vor vielen Jahren angefangen und wird sich weiter fortsetzen.

Sie sprechen von einem Umbau, der bevorsteht. Mit was rechnen Sie?

Es wird sicher nicht einfach, es kommt in einzelnen Branchen, wie dem Tourismus, aber auch in unserem Gewerbe, der Finanzindustrie, zu Strukturbereinigungen. Das geht nicht ohne harte Einschnitte und Anpassungen des Geschäftsmodells. Doch damit können wir langfristig die Grundlage zu neuem Wachstum legen.

Soll Ihrer Meinung nach der Euromindestkurs von 1.20 Franken gehalten werden?

Die Anbindung hat vielen Unternehmen Zeit verschafft, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

Also könnte die Nationalbank den Mindestkurs aufgeben.

Die Diskussion über den Euromindestkurs kommt zur falschen Zeit. Die Nationalbank hat eine Strategie eingeschlagen, die es jetzt durchzuhalten gilt. Es war von Beginn an klar, dass eine solche Strategie auch grössere Risiken in sich birgt und man bereit sein muss, mehrere 100 Milliarden in die Hand zu nehmen. Wie teuer es wird, wird sich erst am Schluss zeigen.

Was bedeutet es für die UBS, wenn die Kunden immer mehr Teile auslagern?

Wir müssen unsere Firmenkunden vermehrt ins Ausland begleiten. UBS wird bis Ende Jahr wahrscheinlich die erste Schweizer Bank sein, die ihren Schweizer Firmenkunden auch ausserhalb der Schweiz lokale Zahlungsverkehrsdienstleistungen anbieten kann. Das ist für uns ein neues Geschäftsfeld, das unsere Beziehungen zu den exportorientierten KMU weiter stärken wird.

Der Finanzplatz, sagt die Konjunkturforschungsstelle der ETH, profitiere besonders von der Euro-Schwäche. Was stellen Sie fest?

Es hat sicher vereinzelt Zuflüsse aus dem Ausland gegeben. Die Beträge selber werden jedoch überschätzt. Was wir besonders stark spüren im Geschäft mit sehr reichen Kunden, ist, dass Anfragen zunehmen, den Wohnsitz und das Vermögen in die Schweiz zu verlegen. Viele haben Angst, im Zug der Euro-Krise ihr Vermögen zu verlieren.

Nimmt der Druck auf den Umbau des Schweizer Finanzplatzes zu?

Der Finanzplatz Schweiz befindet sich bereits heute in einer starken Umbruchphase. Gekennzeichnet von den Anpassungen des Geschäftsmodells beim grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft, aber auch geprägt von der europäischen Schuldenkrise respektive den volatilen Kapitalmärkten. UBS sieht sich in dieser Transformationsphase gut positioniert. Wir stellen stetige Zugänge von Neugeldern fest. Und hier nicht nur im Bereich Private Banking. Wir hatten im letzten Jahr und im ersten Quartal dieses Jahres im Retail-Banking höhere Zuwachsraten als in den Boomjahren vor der Krise. Und auch Firmenkunden haben ihre Geschäftsaktivitäten mit uns weiter verstärkt.