Banken
«UBS und CS sollten die Investmentbanken zusammenlegen»

Bis 2002 war Markus Granziol Chef der UBS-Investmentbank. Heute verwaltet er die Vermögen von reichen Privatkunden. Für ihn ist klar: Aus der Schweiz kann künftig nur eine global tätige Investmentbank betrieben werden.

Andreas Schaffner
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Blick auf die Gebäude der Grossbanken UBS und CS am Zürcher Paradeplatz (Archiv)

Blick auf die Gebäude der Grossbanken UBS und CS am Zürcher Paradeplatz (Archiv)

Keystone

Markus Granziol, der Druck aus den USA nimmt zu. Die Welt der Schweizer Privatbanken wird aus den Angeln gehoben.

Markus Granziol: Die Banken müssen damit leben, dass ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Die fetten Jahre sind vorbei, in welchen sie einfach 1 bis 2 Prozent Gebühren kassieren konnte, nur damit die Kunden ihre Schwarzgelder in der Schweiz parkieren.

Die beiden Grossbanken haben aber auch noch mit ihren Investmentbanken Sorgen.

Mit den neuen Regulierungen sind die Grossbanken gezwungen, weniger Risiken zu einzugehen oder mehr Kapital aufzunehmen. Das ist gut für die Schweizer Volkswirtschaft, denn es macht das Bankensystem weniger anfällig. Aber die Führungsmannschaften müssen ihre Ambitionen im Investmentbanking zurückschrauben.

Tun sie das nicht?

In der UBS sehe ich noch wenig davon.

Immerhin gehört das Investmentbanking nicht mehr offiziell zum Kerngeschäft.

Schon, aber die Investmentbank ist zu gross: Oswald Grübel hatte gehofft, dass der Aufschwung kommt, dass die Flaute nach der Finanzkrise nur ein böser Traum war. Deshalb hat er viel zu viele teure Banker eingestellt. Aber er hat sich getäuscht.

Die Credit Suisse hat weniger Probleme?

Die Investmentbank ist, von aussen betrachtet, im besseren Zustand.

Beide Banken bauen auch Kapital auf.

Sie müssen, doch kein Aktionär ist heute gewillt, massiv mehr in eine Investmentbank einzuschiessen.

Wieso?

Die Margen in diesem Geschäft nehmen rapide ab. Entweder ist man ein globaler Champion und spielt ganz vorne mit oder man hat ein Problem.

Sowohl die UBS als auch die Credit Suisse haben angekündigt, ihre Bilanzen zu verkleinern und nur noch kundennahes Investmentbanking zu betreiben.

Es ist eine Illusion zu glauben, dass man nur selektiv Geschäfte anbieten kann. Die ganz grossen Kunden – wir sprechen von den Konzernen – wollen das ganze Angebot nutzen können.

Die neuen Eigenmittel-Regeln schwächen also die Investmentbanken. Davor haben die Banken ja gewarnt.

Ja und nein. Die Regulierung macht Sinn. Aus Sicht der Schweizer Volkswirtschaft reicht es aber nicht für zwei grosse Investmentbanken. Man sollte lieber das Kapital bündeln und in eine global tätige Investmentbank investieren.

Wie stellen Sie sich das vor? Soll ein Bank-Chef einfach zur anderen sagen: Okay, ich zieh mich aus diesem Geschäft zurück, nimm du mein Kapital?

Nein. Man müsste aber auch in der Führungsetage die Konsequenzen ziehen und den Mut haben zu sagen: Wir ziehen uns zurück und legen unser Geschäft mit der Credit Suisse zusammen.

Das wäre das Ende vom System mit zwei Grossbanken in der Schweiz.

Ich habe diese Situation schon einmal erlebt, bei der Fusion von Bankverein und SBG zur UBS. Da ging es im Kern auch um eine Fusion von zwei Investmentbanken.

Sie fordern also letztlich eine Fusion von UBS und Credit Suisse?

Ja. Es gibt meiner Meinung nach keine vernünftige Alternative. Das Ziel ist es, das «Too big to fail»-Problem für die Schweiz zu entschärfen, indem man aus zwei Investmentbanken eine macht. Das zweite Ziel ist, diese Investmentbank so zu stärken und auch mit Kapital auszurüsten, dass sie weltweit an der Spitze operieren kann. Das dritte Ziel ist, endlich mal etwas für den Aktionär zu machen. So eine Fusion könnte glatt 20 bis 30 Prozent Kursgewinn bedeuten.

Bisher hat man immer gesagt: Das ist nicht möglich aus wettbewerbsrechtlichen Gründen.

Es gäbe eine Lösung: Man müsste einfach die Schweizer Geschäftsbank der UBS abspalten und verselbstständigen. Dann haben die KMU und die Schweizer Kunden eine Alternative. Und es gehen in der Schweiz im Bankbereich nur wenig Arbeitsplätze verloren. Denkbar ist dann, dass die abgespaltene Schweizer Geschäftsbank nicht nur Kommerzkunden, sondern auch Privatkunden der Schweiz übernimmt.