Vergütung
UBS zahlt Chefs 27 Prozent mehr Lohn

Die Grossbank gönnt ihrem Präsidenten Kaspar Villiger eine Lohnerhöhung von 120 Prozent. Warum verdienen Banker mehr als Angestellte anderer Branchen? Weshalb werden mittelmässige Banker bezahlt, als wären sie Überflieger?

Marcel Speiser
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Villiger: 1,5 Millionen.

Villiger: 1,5 Millionen.

Warum verdienen Banker mehr als Angestellte anderer Branchen? Weshalb werden mittelmässige Banker bezahlt, als wären sie Überflieger?

Diese Fragen stellt nicht ein populistischer Gewerkschaftsführer, sondern das Zentralorgan des angelsächsischen Kapitalismus: die «Financial Times». Die Zeitung mokiert sich darüber, dass sich nach der Finanzkrise punkto Bankenregulierung zwar einiges verändert habe, kaum aber in der Bezahlung. Noch immer würden Banker im Schnitt das Zehnfache eines mittleren Lohnes verdienen. Die «FT» nennt das «aufgeblasen», lässt aber einen Ex-Banker widersprechen: «Der Grund für die hohen Saläre ist objektiv: Banker gehen mit riesigen Geldsummen um. Da muss man sicher sein, dass mit dem Geld richtig umgegangen wird.» Wie bitte? So könnten auch für Migros-Kassierinnen Millionensaläre legitimiert werden.

Bei der UBS, die am Dienstag ihren Geschäftsbericht und damit auch ihren Vergütungsbericht vorgelegt hat, ist in dieser Logik Investmentbank-Chef Carsten Kengeter derjenige, der am besten mit hohen Geldsummen umgeht. Als höchstbezahltes Mitglied der Konzernleitung verdiente er letztes Jahr 9,3 Millionen Franken. Obwohl er damit verglichen mit dem Vorjahr ein Lohnminus von 30 Prozent hinnehmen muss, bleibt er der «Goldjunge» der UBS.

Dies auch deshalb, weil er mehr als das Dreifache seines Chef Oswald Grübel kassiert. Wie bereits bekannt, begnügt er sich mit einem Grundsalär von 3 Millionen Franken, weil er nicht zufrieden ist mit der Entwicklung des Börsenwerts der UBS. Aber schliesslich hat er bereits Optionen auf UBS-Aktien im aktuellen Wert von rund 70 Millionen Franken gesichert. Da kann er sich einen publikumswirksamen Bonusverzicht locker leisten.

Für die grösste Überraschung im Vergütungsbericht sorgte allerdings UBS-Präsident Kaspar Villiger mit einem Lohnsprung von 120 Prozent auf knapp 1,5 Millionen Franken. Verglichen mit anderen vollamtlichen Präsidenten ist das zwar in absoluten Zahlen bescheiden, nicht aber relativ zum Vorjahr. Schliesslich gewährt die UBS ihren normalen Angestellten nur eine Lohnerhöhung von 1,2 Prozent, also 100-mal weniger. Den Bonustopf hat die UBS um 11 Prozent verkleinert. Dennoch gabs für die obersten Kader rund ein Viertel mehr Lohn. Die Vergütungen der 13-köpfigen Konzernleitung belaufen sich auf 91 Millionen Franken. Für 2009 wurde dem TopManagement mit 68,7 Millionen noch deutlich weniger zugesprochen. Die Vergütungen für die Verwaltungsräte (ohne Villiger) stiegen von 6,4 auf 6,7 Millionen.