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UBS zeigt sich kampflustig

Gegen eine Milliardenklage des US-Justizministeriums will die UBS nötigenfalls vor Gericht ankämpfen. Gleichzeitig fordert die französische Staatsanwaltschaft von der Grossbank eine Geldstrafe von 3,7 Milliarden Euro wegen Steuerhinterziehung.
Daniel Zulauf
Nachwehen der Finanzkrise: Der UBS droht in den USA eine Milliardenbusse. (Bild: Imago/Geisser (New York, 27. Dezember 2011))

Nachwehen der Finanzkrise: Der UBS droht in den USA eine Milliardenbusse. (Bild: Imago/Geisser (New York, 27. Dezember 2011))

Ein Ende mit Schrecken ist besser als ein Schrecken ohne Ende. Diesem Motto folgend, haben in den vergangenen Jahren fast alle internationalen Finanzkonzerne ihre wenig ruhmreiche Vergangenheit im amerikanischen ­Geschäft mit verbrieften Wohnhypotheken aufgearbeitet. Neun Institute liessen sich vom US-­Justizministerium zu Strafen und Wiedergutmachungsleistungen im Wert von über 60 Milliarden Dollar verpflichten. Zum Abschluss des Reigens ist nun die UBS dran.

Die grösste Schweizer Bank, die einst ebenfalls in den Club der mächtigsten Wall-Street-Banken aufsteigen wollte und dabei auch eine führende Stellung im Handel mit Hypothekenanleihen anstrebte, soll ihren krankhaften Ehrgeiz von damals nun ebenfalls mit einer schweren Geldstrafe büssen. Analysten ­zufolge könnte die geforderte Strafzahlung des Department of Justice (DOJ) bis zu 2 Milliarden Dollar betragen.

UBS «nur» als Widerverkäuferin aktiv

Während andere Banken den Zahlungsbefehlen des DOJ mehr oder weniger widerstandslos Folge geleistet haben, will die UBS die gegen die Bank erhobenen Vorwürfe «energisch» bekämpfen und damit die Interessen ihrer Aktionäre verteidigen. Für die Vorwürfe gäbe es keine fak­tische Grundlage, schreibt die UBS in einem Communiqué. Am Ursprung der damaligen Krise, nämlich in der Vergabe von Wohnhypotheken an finanzschwache Schuldner, habe sie keine bedeutende Rolle gespielt, erklärt das Institut die eigene ­Abwehrstrategie. Zudem habe man im Handel mit amerikanischen Hypothekenanleihen selber enorm viel Geld verloren. In beiden Punkten wird ein Gericht der UBS nicht widersprechen wollen. Tatsächlich waren es primär die grossen US-Banken wie Bank of America, JP Morgan, ­Citibank oder Wells Fargo, die über eigene Tochtergesellschaften das Land mit Ramschhypotheken überfluteten, um diese hernach umzupacken und als vergleichsweise solide Anleihen ans Publikum zu verkaufen. Mit Ausnahme der britischen HSBC spielten ausländische Banken in diesem Business die Nebenrollen. Das gilt ganz besonders für die UBS, aber auch für die britische Barclays Bank, die Deutsche Bank und auch für die Credit Suisse. Für die grössten «Originators», die Bank of America und JP Morgan, fielen die Rechnungen des DOJ mit über 16 Milliarden beziehungsweise mit 13 Milliarden Dollar denn auch klar am höchsten aus. Doch auch die kleineren Akteure mussten bluten. Credit Suisse legte für den Vergleich 2,5 Milliarden Dollar auf den Tisch – zuzüglich Wiedergutmachungsleistungen im Wert von 2,8 Milliarden Dollar. Auch Barclays einigte sich mit dem DOJ nach anfänglichem ­Widerstand auf eine Zahlung von 2 Milliarden Dollar.

Die UBS war im US-Hypothekengeschäft primär als sogenannte «Underwriterin» respektive als Widerverkäuferin von Hypothekenanleihen aktiv. Hier spielte sie aufgrund ihrer Ambitionen an der Wall Street eine sehr bedeutende Rolle. Das amerikanische Wertschriftengesetz nimmt allerdings auch die ­«Underwriter» in die Verantwortung. Im Mai des vergangenen Jahres hatte sich die UBS in einem zivilrechtlichen Streit mit der National Credit Union Administration (NCUA) auf eine Schadenersatzzahlung über 445 Millionen Dollar geeinigt und damit ein fünfjähriges Gerichtsverfahren vorzeitig beendet. Die NCUA ist eine Art Aufsichtsstelle amerikanischer Genossenschaftsbanken. Diese hatten der UBS vorgeworfen, sie habe beim Verkauf der besagten Hypothekenanleihen mit falschen und unvollständigen Informationen operiert und den Banken damit erhebliche Verluste beschert. Obschon die UBS keine formelle Schuldanerkennung geleistet hatte, zeigt der Fall, dass die ­Abwehrstrategie der UBS kein Spaziergang werden dürfte. Der Umstand, dass die UBS mit den Hypothekenanleihen selber Verluste eingefahren hatte und deswegen zuletzt sogar vom Staat gerettet werden musste, war für die NCUA offensichtlich kein Grund, die Waffen zu strecken.

Frankreichs Staatsanwalt fordert 3,7 Milliarden Euro

Dass sich die UBS dennoch gegen das DOJ in den Ring getraut, hat verschiedene Gründe. Einerseits dürfte das Management vom ­Erfolg der Barclays Bank sicher ermutigt worden sein. Den Briten soll immerhin das Kunststück ­gelungen sein, den Schaden des Rechtsstreits um mehr als die Hälfte zu drücken, munkelt man in Finanzmarktkreisen. Doch die UBS muss andererseits auch sonst spitz kalkulieren. Von den Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von aktuell noch 2,3 Milliarden Franken sind nämlich nur etwa 1,2 Milliarden Franken für Altlasten im Hypothekengeschäft und andere zivilrechtliche Klagen, beispielsweise im Zusammenhang mit den Libor-Manipulationen, reserviert. Ein rascher und teurer Vergleich könnte somit den Gewinn beeinträchtigen und für die Aktionäre vielleicht sogar Einbussen bei der Dividende bedeuten.

Das will die Bank mit Blick auf die ohnehin enttäuschende Kursentwicklung und die potenziell ebenfalls teure Rechnung im Rechtsstreit mit Frankreich unbedingt vermeiden. Dort verlangte gestern die Staatsanwaltschaft eine Busse von 3,7 Milliarden Euro, nachdem der Staat am Tag zuvor schon eine Schadenersatzforderung für entgangene Steuereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro aufgestellt hatte. Der Aktienkurs von UBS legte gestern 1,4 Prozent auf 14.50 Franken zu.

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