Transport

Ueli Giezendanner sitzt wieder am Steuer

Überraschende News aus der Transportzunft: Giezendanner Transport aus Rothrist, einer der Marktführer im Kombi-Verkehr Schiene/Strasse, wechselt zurück in Familienbesitz.

Ruedi Mäder
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Zofinger Tagblatt

Seit gut 10 Jahren stand Giezendanner vollständig im Besitz der Lagerhäuser Aarau. Die Geschäfte wurden jedoch unverändert von Ueli Giezendanner geführt; dieser hatte die Firma – eine Brennstoffhandlung und Fuhrhalterei – 1972 als 19-Jähriger von seinen Eltern übernommen.

An der Generalversammlung der Lagerhäuser Aarau orientierte deren Delegierter und Präsident, Stéphane Meyer, auch über diesen bemerkenswerten «Deal»: 90 Prozent der Aktien werden an die Familie Giezendanner zurückverkauft. Damit ist nun auch die dritte Generation beteiligt: Stefan (32) ist seit fünf Jahren mit an Bord und heute für die Finanzen zuständig. Benjamin (28) stieg vor einem Jahr ein und leitet heute den Betrieb.

Wenig Synergien, Chance für Junge

Was steckt hinter dieser Entflechtung, zumal in einer Zeit, wo die Zeichen (auch) in der Transportbranche eher in Richtung Konzentration weisen? Zu wenig Synergien und Chance für die Jungen – auf diesen Nenner lässt sich die Motivation der Hauptpersonen bringen:

Stéphane Meyer erläuterte gegenüber der az, es habe sich gezeigt, dass nur wenig Gemeinsamkeiten bestünden. Hier der Transporteur mit starkem Fokus auf Silo- und Flüssigtransporten vor allem von Chemikalien und Baustoffen, dort die Lagerhäuser mit ihrer stark ausgebauten Transportlogistik.

Neben fehlenden Synergien führte Meyer aber auch einen so genannt weichen Faktor ins Feld: Die Giezendanner-Söhne seien erfolgreich in der Firma tätig und er fühle sich ihnen freundschaftlich verbunden. Er wolle ihnen die Chance bieten, als selbstständige Unternehmer tätig zu sein.

Firma ist heute «kerngesund»

Musste ein Jahrzehnt ins Land ziehen, ehe man das bescheidene Synergiepotenzial erkannte? Meyer ergänzte, damals habe man sich für die Einführung der Leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) rüsten müssen, ebenso für Verkehrsminister Leuenbergers Strategie der Umlagerung von der Strasse auf die Schiene. Die Lagerhäuser hätten einen Fuss
in diese Tür setzen wollen, während Giezendanner allein damals zu klein gewesen wäre. Heute sei jedoch klar, dass jene Strategie auch in den nächsten 10 Jahren nicht realisiert werde. Aber man habe in der Zwischenzeit bei Giezendanner «in Millionenhöhe» investiert. Die Firma sei heute «kerngesund» und stehe «besser» da als vor 10 Jahren.

Vor kurzem gewann Giezendanner die Ausschreibung der Gastransporte ab dem neuen Linde-Werk in Schweizerhalle nach Frankreich, Deutschland und in die Schweiz.
Er habe eine «Riesenfreude daran», meinte Ueli Giezendanner, «dass wir diesen Auftrag dank Qualität und gegen europäische Konkurrenten geholt» haben. Mit dem Auftrag ist die Schaffung von 20 Stellen verbunden. Die Firma zähle heute «über 100 Beschäftigte». Diese Aussage müsse genügen: «Wir wollen nicht angeben.»