UHREN: Zeiger drehen Richtung Risiko

Die Smartwatch sehen die Schweizer Uhrenhersteller nicht als Gefahr für die Branche. Trotzdem sind die Firmenchefs laut einer aktuellen Umfrage weniger optimistisch als auch schon.

Ernst Meier
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Die Schweizer Uhrenindustrie spürt eine sinkende Nachfrage aus dem Ausland. (Bild: Keystone)

Die Schweizer Uhrenindustrie spürt eine sinkende Nachfrage aus dem Ausland. (Bild: Keystone)

Intelligente Uhren werden in der Elektronikbranche als viel versprechende Verkaufshits von morgen gehandelt. Die Schweizer Uhrenindustrie zeigt sich jedoch unbeeindruckt von Smartwatches und dem neusten Wurf aus dem Hause Apple. «Wir sehen eine Chance, dass das Uhrengeschäft erweitert werden kann, und nicht, dass es zu einer Kannibalisierung kommt», erklärte Swatch-Group-Chef Nick Hayek diese Woche im Interview mit der «Finanz und Wirtschaft». Auch als die Modehersteller anfingen, Uhren ins Sortiment aufzunehmen, hätte man erwartet, dass die traditionellen Hersteller einen Rückschlag erleiden würden. «Die Branche ist jedoch gewachsen, ja explodiert», sagte Hayek. Ähnlich tönt es bei anderen Uhrenherstellern, wie eine gestern veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt. Dafür wurden mehr als 50 leitende Manager der Uhrenindustrie befragt.

Befürchtungen wegen Auslandmarkt

«Sicher, Smartwatches sind ein Faktor, den die Uhrenchefs in ihre Beurteilung des Umfeldes mit einschliessen. Sie werden aber nicht als Risiko wahrgenommen», sagte Karine Szegedi von Deloitte Schweiz und Co-Autorin der «Swiss Watch Industry Study». Demnach steht die Smartwatch auf der Risikotabelle auf dem 9. Platz. Lediglich 11 Prozent sehen sie als «konkurrenzierende Bedrohung». Gemäss der Deloitte-Studie ist nur das untere Preissegment mit Uhren bis zu 500 Franken betroffen. Laut Exportstatistiken von 2013 ist der Bereich nicht gewachsen, während das Verkaufsvolumen teurerer mechanischer Uhren anstieg. Die Schweizer Uhrenhersteller haben derzeit andere Sorgen als die Smartwatch, wie die Umfrage zeigt. 57 Prozent der befragten Uhrenchefs sehen die nachlassende Nachfrage aus dem Ausland als grösstes Risiko für die Schweizer Uhrenindustrie in den nächsten zwölf Monaten. In Vorjahr betrug dieser Wert lediglich 44 Prozent. Am meisten Sorgen bereitet den Uhrenherstellern China, weiss Karine Szegedi: «Einerseits ist das Wachstum in China stark gesunken, andererseits beeinflusst das Antikorruptionsgesetz die Verkäufe negativ.» Seit 2013 wird Bestechung in der Volksrepublik rigoros verfolgt. Bis dahin waren teure Uhren als Geschenk an Beamte sowie Reisen in die Schweiz inklusive Besuch beim lokalen Juwelier weit verbreitet.

Starker Franken belastet weiter

An zweiter Stelle auf dem Sorgenbarometer steht der starke Schweizer Franken; jeder zweite Uhrenchef sieht den Währungsunterschied als Gefahr. Die weiteren möglichen Risikofaktoren sind: «fehlende Fachkräfte» (41 Prozent), «Versorgungsengpässe bei Zulieferern» (34 Prozent) sowie «steigende Lohnkosten» (23 Prozent).

Auf Zuwanderung angewiesen

£Die zum dritten Mal durchgeführte Deloitte-Studie zeigt, dass die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative (MEI) vom 9. Februar 2014 die Uhrenbranche äusserst stark verunsichert. Fast zwei Drittel der Befragten befürchten, dass sich die MEI negativ auf den Geschäftsverlauf ihrer Firma auswirken wird. Um dies zu verhindern, wollen 78 Prozent die interne Weiterbildung verbessern und fördern. 42 Prozent planen, die Anzahl Lehrstellen zu erhöhen. 29 Prozent versuchen, mehr Arbeitskräfte ausserhalb der Schweiz zu rekrutieren. Mehr Arbeitskräfte von der Konkurrenz abzuwerben beabsichtigen 18 Prozent, während 16 Prozent angaben, die Löhne zu erhöhen.