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UHRENHANDEL: Bucherer will die USA erobern

Das Luzerner Familienunternehmen übernimmt Tourneau, einen amerikanischen Händler für Luxusuhren. Die Bucherer-Gruppe erhält auf einen Schlag 28 Filialen an bester Lage.
Roman Schenkel
Führend im Handel mit Vintage-Luxusuhren: Ein Tourneau-Mitarbeiter prüft eine Uhr. (Bild: Michael Nagle/Bloomberg (New York, 1. November 2014))

Führend im Handel mit Vintage-Luxusuhren: Ein Tourneau-Mitarbeiter prüft eine Uhr. (Bild: Michael Nagle/Bloomberg (New York, 1. November 2014))

Roman Schenkel

Der Uhrenhändler Bucherer setzt zum Sprung in die USA an. Am Mittwoch gab das Luzerner Familienunternehmen bekannt, dass es Tourneau, nach eigenen Angaben der grösste Luxusuhrenhändler in den Vereinigten Staaten, übernommen hat. Verkäuferin ist Green Equity Investors, eine Private-Equity-Gesellschaft. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. In welchen Sphären er liegt, zeigt der Kaufpreis, den Green Equity Investors 2006 seinerseits für den US-Uhrenhändler hingeblättert haben soll: Laut dem amerikanischen Finanzportal «Debtwire» wurden 2006 355 Millionen US-Dollar für Tourneau bezahlt.

Der Zukauf ist entsprechend die «grösste Übernahme in der Firmengeschichte von Bucherer», sagt Marketingchef Jörg Baumann. Die Bucherer-Gruppe vergrössert ihren Fussabdruck in den USA mit einem Schlag: Tourneau mit Sitz in New York hat 28 Ladengeschäfte mit 600 Angestellten in zehn Bundesstaaten. Am bekanntesten ist der Flagshipstore an der Ecke Madison Avenue und East 57th Street in New York. Auch in Hawaii und Las Vegas gibt es zwei grosse Geschäfte des im Jahr 1900 gegründeten Unternehmens. Tourneau verkauft wie Bucherer Luxusuhren.

Schweizer Service für die US-Kunden

«Die Akquisition von Tourneau ist eine einmalige Gelegenheit für die Bucherer-Gruppe, um in diesem Markt Fuss zu fassen und die Präsenz auf diesen wichtigen Markt auszudehnen», lässt sich Bucherer-CEO Guido Zumbühl zitieren. «Wir wollen den US- Kunden mit einer hervorragenden Auswahl und perfektem Schweizer Service das bestmögliche Einkaufserlebnis bieten», verspricht Eigentümer und Präsident Jörg Bucherer.

Zusammen mit den 33 Standorten von Bucherer in Europa – 16 davon in der Schweiz – zählt Bucherer zu den ganz Grossen der Branche. Zahlen kommuniziert Bucherer keine, man schätzt, dass der Umsatz bei rund 1 Milliarde Franken liegt. Einzig der chinesische Uhrenhändler Hengdeli dürfte noch grösser sein. Der Rückstand wird sich mit der jüngsten Übernahme aber verkleinern. Den letzten grossen Expansionsschritt machte Bucherer im März 2017 mit der Übernahme von The Watch Gallery in Grossbritannien.

Das Gerücht, der Schweizer Uhrenhändler kralle sich Tour­neau, habe sich in der Branche hartnäckig gehalten, sagt Roger Ruegger, Chefredaktor des ­amerikanischen Uhrenmagazins «WatchTime». Der Schweizer schreibt seit zwanzig Jahren über die Uhrenbranche, seit mehreren Jahren aus New York. «Tourneau ist schon seit längerem auf der Suche nach einem neuen Besitzer», sagt er. Ruegger bezeichnet den Zukauf als «gigantisch». «Der grösste Uhrenhändler Europas wird über Nacht zu einem der grössten Uhrenhändler der USA – das ist ein Coup.» Zum Vergleich: Der deutsche ­Uhrenhändler Wempe, einer der Hauptkonkurrenten Bucherers in Europa, ist in den USA nicht über New York hinausgekommen. «Tourneau hingegen ist einer der grössten Retailer mit Geschäften an besten Lagen», so Ruegger. Die Übernahme sei ein mutiger, aber konsequenter Schritt.

Die Marke Tourneau ist «angestaubt»

Bei aller Euphorie gibt Ruegger zu bedenken, dass das Retailgeschäft in den USA seit mehreren Jahren am Leiden sei. «Davon ist die Uhren- und Schmuckbranche nicht ausgenommen», sagt er. Tourneau hatte in den vergangenen Jahren grosse Probleme. «Es stellt sich die Frage, wie gesund das Unternehmen ist», sagt ­Ruegger. Der Flagshipstore in New York beispielsweise hat 2016 verkündet, zwei Millionen Dollar an Verkäufen verloren zu haben. Der Grund, so behauptete das Unternehmen in der «New York Times», liege an der Nähe zum Trump Tower, der Kunden abgeschreckt habe.

Das sei aber nur die halbe Wahrheit, so Ruegger. «In Wirklichkeit ist die Marke Tourneau etwas angestaubt.» Der Uhren­experte ist aber überzeugt, dass es Bucherer gelingen wird, die Uhren bei Tourneau wieder zum Laufen zu bringen. «Bucherer weiss wie kein Zweiter, wie man erfolgreich Filialen führt. Als weltgrösster Verkäufer von Rolex-Uhren wird er in den USA Erfolg haben.» Laut Jörg Baumann wird der Name Tourneau wahrscheinlich verschwinden. «Wir wollen die Marke Bucherer in den USA bekannt machen», sagt er.

Spannend für Bucherer dürfte das Know-how von Tourneau im Handel von getragenen Uhren sein. Dieses Geschäftsfeld ist stark wachsend. Erst vor kurzem hat das vor fünf Jahren in Zug ­gegründete Unternehmen Chronext bei einer Finanzierungsrunde 34 Millionen US-Dollar ein­genommen. Beim sogenannten Certified-Pre-Owned-Geschäft werden gebrauchte Uhren geprüft, revidiert und mit Händlergarantie wieder verkauft. Tourneau ist in diesem noch jungen Bereich eines der führenden Unternehmen in den USA. Baumann bestätigt, dass dieser Bereich verbunden mit dem Onlinegeschäft «sehr interessant» für Bucherer sei.

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