Uhrenindustrie
Nick Hayek glaubt an eine starke Erholung des Geschäfts – und hofft auf eine baldige Rückkehr des Tourismus

Der Swatch-Konzern will in diesem Jahr ans Vorkrisenniveau anknüpfen. Die Lust auf Uhren und Schmuck sei zurück – im Laden und online.

Roman Schenkel
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Swatch-Konzernchef Nick Hayek am SwissMediaForum im November 2020 im Lake Side Zürich.

Swatch-Konzernchef Nick Hayek am SwissMediaForum im November 2020 im Lake Side Zürich.

Severin Bigler

«Non, je ne regrette rien» eröffnete am Donnerstag die Bilanzmedienkonferenz von Swatch. Es brauche nun wieder Emotionen, deshalb habe man sich für einen Start mit dem Song von Edith Piaf entschieden, sagte Nick Hayek an der gestreamten Pressekonferenz vom Hauptsitz des Bieler Uhrenkonzerns. Der Song stand wohl auch dafür, dass der Swatch-CEO das vergangene Jahr möglichst schnell abhaken will. Wegen der Pandemie und den Lockdowns rund um den Globus schrumpfte der Umsatz des Weltmarktführers um 32 Prozent auf noch 5,6 Milliarden Franken.

Zum Schutz der Profitabilität gab Swatch Gegensteuer, senkte die Kosten, schloss Läden und baute rund zehn Prozent des Personals ab. Dennoch musste der Konzern erstmals seit seinen Anfängen in den 1980er Jahren einen Verlust von 53 Millionen Franken ausweisen. Angesichts von keinerlei Schulden und einer Nettoliquidität von rund 1,7 Milliarden Franken sind die roten Zahlen aber mehr als gut verkraftbar.

Hinzu kommt, dass die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2020 und die ersten beiden Monate im neuen Jahr optimistisch stimmen lassen. «In der zweiten Jahreshälfte hat sofort ein Aufschwung eingesetzt», sagt Hayek. Nach einer Krise wollten die Leute wieder Geld ausgeben – und Emotionen erleben, erklärte Hayek den Effekt. Er erwartet deshalb ein starkes Anziehen des Geschäfts. Sobald das Reisen auch wieder möglich sein wird, dürfe die Nachfrage nach Uhren und Schmuck einen zusätzlichen Kick erhalten.

384 Standorte geschlossen, Onlinegeschäft legt stark zu

Die Monate Januar und Februar haben gerade in China und den USA sehr gute Zahlen gebracht. Besonders in den Vereinigten Staaten sind die Zahlen zum Teil gar höher als auf Vorkrisenniveau im Jahr 2019. Und das obwohl Swatch gerade in den USA während der Pandemie zahlreiche Läden an guter Lage wegen «viel zu hoher Mieten» geschlossen hatte. Insgesamt schloss der Konzern 384 Standorte. In Hongkong reduzierte sich die Zahl der Swatch-Läden von 92 auf 38. Der hohe Rückgang ist auf die aus wirtschaftlicher Sicht ungünstige Gemengelage aus Demonstrationen und Pandemie zurückzuführen. In Wachstumsmärkten hingegen eröffnete die Gruppe 55 neue Geschäfte.

Neben dem Filialgeschäft gewinnt das Onlinegeschäft von Swatch mehr und mehr an Bedeutung. Um 70 Prozent konnte Swatch die Onlineverkäufe steigern. Noch reicht es bei weitem nicht, um die Ausfälle im traditionellen Geschäft zu kompensieren. Aber inzwischen ist der Onlineanteil am gesamten Umsatz auf 5,5 Prozent angewachsen. Das entspricht einem Betrag von über 300 Millionen Franken. Binnen Jahresfrist ist dies eine Verdoppelung.

Allerdings gibt es grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Marken. Der E-Commerce Anteil erreichte bei den Marken im mittleren und unteren Preissegment zwischen 20 und 30 Prozent. Swatch etwa ist der Onlinechampion: 29 Prozent des Umsatzes mit den Plastikuhren wird online umgesetzt. Bei Tissot sind es 25 Prozent. «Für uns ist es spannend zu sehen, dass sich die Kanäle nicht kannibalisieren», sagt Hayek. In Ländern ohne Lockdown seien die Onlineumsätze zu den Umsätzen des stationären Handels hinzugekommen. Hayek mag diese Konstellation: «Das erhöht den Druck auf die Händler. Sie sind gezwungen, die richtigen Produkte im Laden zu haben.» Swatch geht von einem weiteren steilen Wachstum im Onlinebereich aus.

Insgesamt will Swatch heuer das Jahr 2020 vergessen machen. Hayek bekräftigte, dass der Umsatz im laufenden Geschäftsjahr nahe an das Niveau des Vorkrisenjahres 2019 kommen könnte. «Wir sind auf dem richtigen Weg», sagte der CEO. Entscheidend werde aber sein, wann der Tourismus in Europa wieder ermöglicht werde.