Allschwil
Um Actelion ranken sich Gerüchte

Harte Fakten im Zusammenhang mit Actelion gibt es morgen. Dann kommen die Neunmonatszahlen des Biotechnologie-Unternehmens. An der Börse sorgt Actelion aber schon jetzt für Gespräch. Steht das Untenehmen etwa zum Verkauf?

Ruedi Mäder
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Firmengründer und Chef

Firmengründer und Chef

Steht die Baselbieter Biotechnologie-Firma im Visier eines Kaufinteressenten? An der Börse steht der Bluechip seit Anfang Oktober im Rampenlicht: Trotz des leichten Rückgangs in den letzten Tagen hat die Namenaktie im Lauf der letzten drei Wochen satte 30 Prozent an Wert gewonnen, dies bei teilweise recht hohem Handelsvolumen.

Aktie 30 Prozent unter dem Höchst

Gemessen an der aktuellen Bewertung durch die Börse (52 Franken) findet sich Actelion auf einem Niveau wie letztmals im März dieses Jahres. Erstmals seit dem Börsengang hatte Actelion dieses Kursniveau übrigens Anfang 2007 erreicht. Die Höchstbewertung (gut 74 Franken) datiert vom Herbst gleichen Jahres.

Hinter dem Oktober-Kursschub stecken Übernahmespekulationen. Das Unternehmen selber hat die betreffenden Mutmassungen auf Anfrage hin bisher mit dem üblichen «No comment» quittiert. Daran dürfte sich auch im Rahmen der Berichterstattung von morgen nichts ändern. Was ist über den Tag hinaus davon zu halten? Unter den Analysten gehen die Meinungen über den Hintergrund des Kursanstiegs ebenso auseinander wie die Schätzungen des «angemessenen» Aktienkurses; diese Bandbreite reicht grob von 45 bis70 Franken.

Actelion als grösste Biotech-Firma Europas hat 2009 mit 2260 Beschäftigten einen Umsatz von 1,8 Milliarden Franken gestemmt und einen Reingewinn von über 300 Millionen ausgewiesen. Die Firma lebt noch zur Hauptsache von Tracleer: Mit dieser Arznei gegen Lungenbluthochdruck setzte Actelion 2009 rund 1,5 Milliarden um. Die Patente sind noch 5 bis 7 Jahre geschützt. Der Ausbau der Wirkstoff-Pipeline ist die vorrangige Herausforderung für das jahrelang kräftig gewachsene Unternehmen. Nächstes Jahr kann Actelion ein neues Zentrum für Forschung und Entwicklung einweihen.

Cash von 1,3 Milliarden Franken

Grösster Aktionär ist mit 5 Prozent die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech. Sie hat Actelion wiederholt als klassischen Übernahmekandidaten eingestuft und diese Einschätzung mit dem Potenzial der Entwicklungs-Pipeline begründet. Enttäuschungen im Rahmen von klinischen Studien, zuletzt Anfang Oktober, hätten die Übernahmesituation noch verschärft. BB Biotech hat die Lancierung eines Aktienrückkaufprogramms verlangt. Anfang 2010 verfügte Actelion über «Cash» im Umfang von 1,3 Milliarden Franken.

Dass die Firma in die Gerüchteküche geriet, muss auch vor dem Hintergrund von aktuellen Entwicklungen in der Branche gesehen werden. So sehen sich mehrere Vertreter aus der Zunft mit «feindlichen» Übernahmeversuchen durch Dritte aus der Pharmabranche konfrontiert.

Das sich ein Ausschuss des Verwaltungsrats von Actelion auch mit strategischen Handlungsalternativen zum Solo-Kurs befasst, wurde da und dort im Publikum bereits als Zeichen dafür interpretiert, dass tatsächlich «etwas im Busch» sein könnte und der jüngste Kursanstieg damit einen realen Hintergrund hätte. Ein solcher Deutungsansatz zielt aber zu kurz: Grundsätzlich gehört es ins Pflichtenheft eines Lenkungs- und Aufsichtsgremiums namens Verwaltungsrat, sich periodisch auch mit strategischen Alternativen zu befassen – unabhängig davon, ob ein «Take-over»-Angebot auf dem Tisch liegt oder angekündigt worden ist.