Kommentar

Ein Namensstreit zeigt die Bedeutung des Online-Handels auf

Wirtschaftschef Maurizio Minetti über den Namensstreit zwischen dem Surseer Detailhändler Otto's und der deutschen Otto Group.

Maurizio Minetti
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Wirtschaftschef Maurizio Minetti.

Wirtschaftschef Maurizio Minetti.

Der Streit scheint auf den ersten Blick eine Lappalie. Die deutsche Otto Group will unter der Domain Otto-Shop.ch einen spezifischen Onlineshop für Schweizer Kunden eröffnen. Dagegen wehrt sich der Surseer Detailhändler Otto’s mit juristischen Mitteln. Er befürchtet eine Verwechslung mit dem eigenen Shop ottos.ch.

Als Internetnutzer und Konsument kann man sich fragen, welche Rolle es denn spielen soll, wie die entsprechende Webseite genau heisst. Aber es geht um mehr als Buchstaben. Unabhängig davon, wer in diesem Streit recht hat: Im Zentrum steht die Identität eines Unternehmens im rasant wachsenden Online-Geschäft.

Oder umgekehrt: Otto’s hätte auch die Möglichkeit gehabt, den Online-Handel nicht so ernst zu nehmen und der Otto Group die .ch-Domain kampflos zu überlassen. Eine solche Einstellung haben in der Vergangenheit einige Unternehmen aus der Region an den Tag gelegt. Charles Vögele zum Beispiel hat den Online-Trend völlig verpasst – und ist jetzt von der Bildfläche verschwunden.

Der Online-Markt wird in der Schweiz weiter wachsen, das steht ausser Frage. Wir sind in der Region mit Unternehmen wie Brack.ch in Willisau oder Nischenplayern wie Lehner Versand in Schenkon gut aufgestellt. Nicht jedes Schweizer Handelsunternehmen muss es gleich mit den Riesen Alibaba, Amazon, Zalando oder eben Otto Group aufnehmen. Otto’s selbst hat keine Ambitionen über die Schweizer Grenzen hinaus. Das muss aber nicht heissen, dass wir den wachsenden Schweizer Online-Markt widerstandslos den milliardenschweren Unternehmen aus den USA, Deutschland oder China überlassen müssen.