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Interview

Pensionskassen: Mindestzinssatz soll weitersinken

Ein tieferer Mindestzinssatz sei unumgänglich, sagt René Raths von der Swisscanto. Nach seinen Berechnungen erhielten die meisten Sparer 2017 mehr als doppelt so viel Zins, wie das Minimum vorgibt.
Rainer Rickenbach
Ein Mitarbeiter der Arbonia-Produktion prüft einen Heizkörper auf Lecks. Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Arbon)

Ein Mitarbeiter der Arbonia-Produktion prüft einen Heizkörper auf Lecks.
Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Arbon)

Die Pensionskassenguthaben sollen ab dem kommenden Jahr nicht mehr mit wenigstens 1 Prozent, sondern nur noch mit mindestens 0,75 Prozent verzinst werden. Das schlägt die zuständige Kommission dem Bundesrat vor. Der folgt in der Regel ihren Ratschlägen. René Raths, Verwaltungsrat bei der Swisscanto Vorsorge AG, zu den Gründen für die neuerliche Senkung des Mindestzinssatzes.

René Raths, warum soll der Mindestzinssatz auf die Spargelder der Pensionskassenversicherten schon wieder sinken?

Die Pensionskassen haben die Aufgabe, mit möglichst risikoarmen Anlagestrategien genügend Zins zu erwirtschaften, um die Renten auszuzahlen. Risikolos wären Bundesobligationen. Doch für sie gibt es bei zehnjähriger Laufzeit heute um die 0 Prozent. Darum ist die Senkung nötig.

Ihr Argument ist schwer nachvollziehbar. Im vergangenen Jahr erzielten die Pensionskassen eine stattliche Durchschnittsrendite von 7,6 Prozent. Auch im Vorjahr schnitten sie mit 3,6 Prozent respektabel ab. Trotzdem wollen die Kassen noch weniger davon an ihre Vorsorgesparer weitergeben.

Das Gegenteil ist der Fall! Die Pensionskassen geben möglichst viel der erwirtschafteten Rendite an die Versicherten weiter. Im vergangenen Jahr waren es 2,71 Prozent Zins auf den Sparkapitalien der Aktivversicherten – also mehr als doppelt so viel, wie der Mindestwert vorgibt. Man muss sehen: Beim Mindestzinssatz handelt es sich um den Minimalwert, der für den obligatorischen Bereich gilt. In Tat und Wahrheit verzinsen die Vorsorgeeinrichtungen die Sparbeträge höher.

Liegt nicht noch mehr drin? Mit einem durchschnittlichen Deckungsgrad von 112,5 Prozent sind zumindest die privatrechtlichen Kassen ausreichend finanziert.

Sie sind solide, aber nicht aus­reichend finanziert. Was über 100 Prozent liegt, wird als Wertschwankungsreserve bezeichnet, damit die Pensionskassen in der Lage sind, auch in schlechten Jahren ihren Verpflichtungen nachzukommen, wie es zum Beispiel in der Finanzkrise vor zehn Jahren der Fall war. Sie brauchen solche Reserven unbedingt. Wie hoch sie sein müssen, ist von Kasse zu Kasse unterschiedlich.

Der Gewerkschaftsbund warnt, mit dem kontinuierlich sinkenden Mindestzinssatz rücke der Rentner-­Lebensstandards in angemessener Weise in immer weitere Ferne. Er ist aber so in der Bundesverfassung verankert.

Unsere Untersuchungen zeigen etwas anderes. Die Swisscanto Pensionskassenstudie macht deutlich, wie viel AHV- und Kassenrente Angestellte, die vor dem Eintritt ins Rentnerleben stehen, mit einem Jahreseinkommen von 80 000 Franken erhalten. Es sind 70 Prozent des letzten Einkommens. Also sogar 10 Prozent mehr als das, was gemeinhin als angestrebter Wert gilt.

Es sinken ja nicht nur die Mindestverzinsung, sondern auch die Umwandlungssätze, die letztlich über die Höhe der Pensionskassenrente entscheiden.

Der Grund dafür ist die weiter steigende Lebenserwartung. Wir werden immer älter, und das bei den Pensionskassen angesparte Kapital muss darum länger reichen. Senken die Kassen die Neurenten nicht, müssen die Arbeitstätigen die Renten der Pensionierten noch stärker mitfinanzieren. Heute tun sie das gemäss Schätzungen schon mit jährlich 7 Milliarden Franken. Umverteilung ist in der zweiten Säule aber nicht vorgesehen.

Die Rentenreform 2020 ist gescheitert. Im Vordergrund steht bei der Politik nun die AHV, die Reformen für die Pensionskassen dürften lange auf sich warten lassen. Was heisst das für die Beitragszahler und für die Rentner?

Für die Rentner ändert sich nichts. Für sie gilt Besitzstandswahrung. Für die Arbeitnehmer und -geber bedeutet der Reformstillstand, dass sich die Umverteilung fortsetzt. Und die Neurentner müssen mit weiter sinkenden Renten rechnen.

Die Pensionskassen haben ihre Investitionen in Immo­bilien in den zurückliegenden Jahren stark erhöht. Sie machen fast ein Fünftel ihrer Anlagewerte aus. In der Schweiz steigt aber die Zahl der leerstehenden Wohnungen. Kommt nach der Zinsflaute ein neues Problem auf die Kassen zu?

Selbst wenn sich am Immobilienmarkt Übersättigungserscheinungen zeigen, wirft er immer noch eine Rendite von 3 bis 4 Prozent ab. Zur Erinnerung: Für Bundesobligationen gibt es nichts. Reale Immobilien eignen sich für die Kassen auch darum gut als Kapitalanlage, weil sie monatlich für Cashflow sorgen. Die Zufuhr an flüssigen Mitteln ist für eine Vorsorgeeinrichtung von grosser Bedeutung. Sie tragen dazu bei, die Renten regelmässig auszuzahlen.

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