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Umweltfreundliche Investments: Es grünt noch wenig bei der SNB

Die Nationalbank wehrt sich gegen den Eindruck, sie nehme die Risiken des Klimawandels nicht ernst. Von konkreten Schritten ist allerdings noch wenig zu sehen.
Balz Bruppacher
«Klimaengel» vor dem Bundeshaus im Rahmen einer Veranstaltung der Klima-Allianz Schweiz. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 10. Dezember 2018))

«Klimaengel» vor dem Bundeshaus im Rahmen einer Veranstaltung der Klima-Allianz Schweiz. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 10. Dezember 2018))

Soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) bei ihrer Anlagepolitik stärker auf die Klimaverträglichkeit achten? Nein, findet die Politik. Sie nehme das Anliegen jetzt schon ernst, behauptet die Notenbank. Es brauche mehr Druck auf die SNB, fordern die Klimaschützer. Bisher hat die Nationalbank recht einsilbig auf die Kritik an ihrer Anlagepolitik reagiert und auf die summarischen Ausschlusskriterien verwiesen, die sie Ende 2013 erlassen hatte. Demnach erwirbt die Nationalbank keine Aktien von Unternehmen, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen, systematisch gravierende Umweltschäden verursachen oder in die Produktion international geächteter Waffen involviert sind.

Etwas ausführlicher äusserte sich am letzten Donnerstag erstmals Andréa Maechler zu diesen Ausschlusskriterien und deren Umsetzung. Das für die Anlagepolitik zuständige Mitglied des dreiköpfigen SNB-Direktoriums widersprach dem Eindruck vehement, die Nationalbank lasse die Klimafragen ausser Acht. «Wir machen sehr viel als Investor», sagte sie vor den Medien. Die Ausschlusskriterien beträfen auch die Klimafrage. Sie würden sehr professionell und sehr strukturiert auf das ganze Anlage­portfolio umgesetzt. Gleichzeitig unterstrich die Notenbankerin, dass die Anlagepolitik absolut der Geldpolitik untergeordnet sei.

Sanfter Ausstieg aus Klimasündern im Gang?

Was heisst das nun konkret? Tut die Nationalbank mehr, als es den Anschein hat? Mögliche Antworten liefern die seit Herbst 2013 vierteljährlich von der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlichten Listen über die Aktienanlagen der Nationalbank auf dem amerikanischen Markt. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass die SNB der Klimaverträglichkeit ihrer Investitionen grosse Aufmerksamkeit schenkt. Die Nationalbank ist auch nach den jüngsten Daten per Ende September 2018 stark in fossilen Energieträgern engagiert.

Vergleicht man die Listen über die Zeit, gibt es jedoch ­Hinweise dafür, dass ein sanfter Rückzug aus den klimapolitisch problematischen Engagements im Gang sein könnte.

Zwei Beispiele: Der US-Mineralölkonzern Exxon Mobil gehörte Ende September mit Aktien im Wert von 1,235 Milliarden Dollar nach wie vor zu den zehn grössten SNB-Investments in den USA. Innerhalb eines Jahres hat die Nationalbank aber fast zwei Millionen Exxon-Mobil-Aktien oder knapp 12 Prozent ihres Aktienbestandes verkauft. Ähnlich ist die Entwicklung beim Energiekonzern Chevron: Hier stiess die Nationalbank innert Jahresfrist um 12,5 Prozent ihrer Chevron-Aktien ab. Es verbleibt aber immer noch ein Paket im Wert von 751 Millionen Dollar.

Nationalbank kommentiert einzelne Engagements nicht

Die Nationalbank kommentiert die einzelnen Engagements nicht. Direktorin Maechler sagte, an den Ausschlusskriterien habe sich nichts geändert. Die Nationalbank überprüfe aber stets, wie diese breit gefassten High-Level-Prinzipien umgesetzt würden. Als grosse institutionelle Investorin sei man auch aktiv in Diskussionen mit anderen Zentralbanken und prüfe, inwiefern man einen Beitrag leisten könne. Bleibt die Frage, warum sich die Nationalbank nicht an dem vor Jahresfrist von Notenbanken und Aufsichtsbehörden gegründeten «Network for Greening the Financial System» beteiligt. SNB-Präsident Thomas Jordan sagte, man sei auch so in engem Kontakt mit den Partnerzentralbanken und tausche sich mit dem Netzwerk aus.

Das Leisetreten der Nationalbank zu den Folgen des Klimawandels für das Finanzsystem mag auch mit der Angst vor Kritik aus der Politik zusammenhängen. So versenkte der Nationalrat am vergangenen Dienstag eine parlamentarische Initiative der grünen Nationalrätin Adèle ­Thorens Goumaz mit einer Zweidrittelmehrheit. Sie wollte eine ­gesetzliche Grundlage für eine nachhaltige Anlagepolitik der Nationalbank schaffen. Nun will die Waadtländer Nationalrätin mit einer Interpellation nachdoppeln und vom Bundesrat wissen, ob die Nationalbank nicht schon aufgrund des geltenden Gesetzes eine klimaverträgliche Anlagepolitik betreiben müsste.

Warnung vor dem «Hammer»

An einer Veranstaltung der Klima-Allianz Schweiz bezeichneten linke und grüne Politiker letzte Woche das Verhalten der Nationalbank als inakzeptabel und absurd. «Die SNB wird irgendwann in einen Hammer laufen», sagte GLP-Nationalrat Martin Bäumle. Wissenschafter und Praktiker für nachhaltige Anlagen erklärten, die Notenbanken müssten die Klimarisiken in ihre Geldpolitik integrieren. Die SNB hätte eine einmalige Chance im Sinne des Pariser Klimaabkommens ein weltweit beachtetes ­Signal für eine klimaverträgliche Anlagepolitik zu setzen. Viel Zeit bleibe allerdings nicht.

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