Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

UNGETREUE GESCHÄFTSBESORGUNG?: Ermittlungen gegen Ex-Raiffeisen-Chef Vincenz: Eine Befragung und ein Maulkorb

Die Staatsanwaltschaft sucht bei den Ermittlungen gegen Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz in der Bank Informanten. Und hat ihr einen Maulkorb angelegt.
Thomas Griesser Kym
Die Raiffeisen-Bank macht derzeit ungewollt Schlagzeilen. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Die Raiffeisen-Bank macht derzeit ungewollt Schlagzeilen. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Im Strafverfahren gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung hat die Zürcher Staatsanwaltschaft diese Woche angeblich eine mutmassliche Schlüsselfigur ausgiebig befragt. Das schreibt der Finanzblog "Inside Paradeplatz" und bezeichnet den Mann als "die Nummer 3 der Finanzabteilung der Raiffeisen-Zentrale in St.Gallen". Laut dem Artikel soll er als Auskunftsperson befragt worden sein, also nicht als Zeuge und schon gar nicht als Beschuldigter.

Vergleicht man den Artikel mit den Auszügen aus dem Bericht der Prüfungsfirma Deloitte vom Oktober 2017, den die Finanzmarktaufsicht in Auftrag gegeben hatte und die von "Inside Paradeplatz" vergangene Woche veröffentlicht worden waren, ist schnell klar: Bei der angeblichen Auskunftsperson kann es sich nur um Markus Lüthi handeln, den Leiter Accounting (Rechnungswesen) bei Raiffeisen Schweiz.

"Generiert unsinnige Zahlen"

In der Tat dürfte Lüthi für die Justizbehörden von einigem Interesse sein. Einerseits hatte er die Transaktionen rund um Raiffeisen und die Investmentfirma Investnet kritisch hinterfragt, wie aus den Auszügen des Deloitte-Berichts hervorgeht. Demnach schrieb Lüthi im März 2014 in einer E-Mail an Patrik Gisel, damals Stellvertreter von Vincenz und ab Oktober 2015 dessen Nachfolger als Raiffeisen-Chef: "Die damalige Bewertungsmethode generiert unsinnige Zahlen."

Lüthi spielte damit auf den Beschluss Raiffeisens im Frühling 2012 an, 60 Prozent an Investnet zu erwerben und später den Minderheitsaktionären auch die übrigen 40 Prozent abkaufen zu wollen. Raiffeisen wollte sich das 100 Millionen Franken in mehreren Tranchen kosten lassen. Im Gegenzug übernahm Investnet 40 Prozent an der Raiffeisen-Tochter KMU Capital. Auf gegenseitige vertiefte Buchprüfungen (Due Diligence) soll dabei verzichtet worden sein.


Via Strohmänner beteiligt?

Im März 2015 sollte angeblich die Auszahlung der Minderheitsaktionäre der Investnet beschleunigt werden. Dazu wurde der Vertrag nochmals abgeändert. Deloitte hält dazu im Prüfbericht fest, der Vertrag enthalte "für die Minderheitsaktionäre günstige Klauseln und eine Bewertungsformel, die grossen In­terpretationsspielraum zulässt". Doch trotz Lüthis Vorbehalt vor Jahresfrist wurde der Kaufvertrag "mit der problematischen Berechnungsformel" im März 2015 von Gisel und Raiffeisens damaligem Finanzchef Marcel Zoller unterzeichnet.

Vincenz und sein naher Vertrauer Beat Stocker, ehemals Chef und Verwaltungsrat der Kreditkartenfirma Aduno, werden verdächtigt, verdeckt via Strohmänner an Investnet beteiligt gewesen zu sein und beim Verkauf an Raiffeisen privat Kasse gemacht zu machen, womöglich in Millionenhöhe.


Raiffeisen muss auf Geheiss der Behörde schweigen

Andererseits war Lüthi nicht nur in seiner Eigenschaft als Leiter Rechnungswesen bei Raiffeisen nahe dran an Investnet, sondern er sass rund drei Jahre auch in deren Verwaltungsrat, wie Einträge im Handelsregister zeigen. Im Rahmen der im Frühling 2012 vereinbarten Kooperation stattete Raiffeisen KMU Capital mit "wesentlichen finanziellen Mitteln" aus und betraute mit dem Management der Tochterfirma die Investnet rund um deren beide Gründer und Partner Andreas Etter und Peter Wüst. Zusammen sollten KMU Capital und Investnet "eine führende Rolle in der Schweiz in der Eigenkapitalfinanzierung von KMU übernehmen".

Personelle Folgen dieser Verflechtungen: Raiffeisen entsandte drei prominente Köpfe in den Investnet-Verwaltungsrat: Vizechef Patrik Gisel als Präsident, den damaligen Leiter Firmenkunden, Hans Martin Albrecht – und Markus Lüthi. Dieser blieb im Investnet-Verwaltungsrat bis Mitte 2015. Dann schieden Lüthi und Gisel aus und wurden ersetzt durch Marcel Zoller sowie, als neuer Präsident, Pierin Vincenz, der im übrigen nach seinem Ausscheiden bei Raiffeisen ganz offiziell Minderheitsaktionär von Investnet wurde mit einer Beteiligung von 15 Prozent.

Raiffeisen spricht auf Anfrage von "verschiedenen unhaltbaren Behauptungen und Spekulationen" im jüngsten Bericht von "Inside Paradeplatz". Konkret stört sich das Geldinstitut beispielsweise an der Formulierung "Kronzeuge". Darüber hinaus könne man keine Stellung nehmen, denn am vergangenen Montag habe die Zürcher Staatsanwaltschaft Raiffeisen in einer Verfügung verpflichtet, "Dritten gegenüber über Informationen aus den Untersuchungsakten Stillschweigen zu bewahren und keine Untersuchungsakten an Dritte weiterzugeben".

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.