Neue Realitäten
Unruhige Zeiten für Schweizer Banken und Investmentbanker

Carsten Kengeter kennt die boomende Wirtschaftswelt Asiens. Von China bis Singapur: Er pflegte schon seit seiner Zeit bei Goldman Sachs Kontakte in die höchsten Regierungskreise.

Andreas Schaffner
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Seit der Bankenkrise hat sich die Welt der bonusverwöhnten Superbanker massiv verändert. Ihnen bläst ein rauer Wind entgegen.Laif

Seit der Bankenkrise hat sich die Welt der bonusverwöhnten Superbanker massiv verändert. Ihnen bläst ein rauer Wind entgegen.Laif

Und Carsten Kengeter machte dank seines Knowhows und seiner Beziehungen die UBS zur grössten Investmentbank der Region. Kengeter ist der Grossverdiener in der UBS – und für viele der Garant für eine Neuausrichtung der Investmentbank. Und trotzdem wird er nicht darum herumkommen, wie seine Kollegen bei der Credit Suisse die neuen Realitäten in seinem Geschäft zu akzeptieren.

Denn seit der Bankenkrise 2008 hat sich die Welt der bonusverwöhnten Superbanker, die sich selber einst als «Könige des Universums» bezeichnet hatten, massiv verändert. Rigide Eigenkapitalvorschriften machen das Geschäft sicherer, aber aus der Sicht der Banker unattraktiver. Das gilt vor allem für die Schweizer Grossbanken.

Mit der Folge, dass die UBS wie auch die Credit Suisse zuerst mehr Kapital beschaffen müssen, bis sie weiter hohe Risiken eingehen können. Oder sie müssen ihre Ambitionen massiv zurückbinden – in der Fachsprache der Banker heisst das: «Die Bilanz herunterfahren». «Die Bilanz herunterfahren kann eine Bank nur, indem sie bestehende Anlagen durch weniger risikoreichere ersetzt oder mit viel mehr Eigenkapital unterlegt», sagt Alfred Mettler, Finanzprofessor an der Georgia State University, Atlanta.

Ende einer Ära

Die unter Bankern angesehene Zeitschrift «Euromoney» spricht schon von einem «Ende einer Ära der global tätigen Investmentbanken». Das heisst nicht, dass der Bedarf nach Finanzierungen von grossen Deals abnehme. Doch die Aufgaben würden längerfristig andere Institute übernehmen. Nachdem die Investmentbanker in der Finanzkrise über 1000 Milliarden Franken an Verlusten produziert haben, allein bei der UBS waren es gegen 50 Milliarden, bläst ihnen ein rauer Wind entgegen.

Neben den neuen Regulierungen verderben ihnen auch sinkende Margen das Geschäft. Und die Eurokrise ist noch nicht ausgestanden. Deren Folgen für das weltweite Finanzsystem sind noch nicht abschätzbar. Kommt hinzu, dass die Modelle für die Berechnung der Risiken selber hinterfragt werden: «Eine Lehre aus der Eurokrise ist, dass wir nicht mehr mit einem risikolosen Zinssatz rechnen können», so Mettler.

Konkurrenz schläft nicht

Das Geldverdienen wird schwerer und die Konkurrenz schläft nicht. In den Wachstumsmärkten in Asien und Lateinamerika sind längst potente Finanzinstitute entstanden, welche die Rolle der einst dominierenden Angelsachsen übernehmen wollen. Carsten Kengeter wird sich wohl die Haare raufen, wenn er sieht, wie die brasilianische Pactual, die bis vor kurzem zur UBS gehörte, nun zur Nummer drei im Land aufgestiegen ist, knapp hinter der Credit Suisse.

Es stehen deshalb auch bei den Schweizer Banken einschneidende strategische Entscheide an. Viele Aktionärsvertreter fordern schon längst eine Abspaltung der Investmentbanken. Und der ehemalige Investmentbank-Chef der UBS, Markus Granziol, bringt die Idee einer Fusion der Investmentbanken von UBS und Credit Suisse ins Spiel (siehe Interview).

Die UBS zählt das Investmentbanking seit einem halben Jahr zwar nicht mehr zum «Kerngeschäft». Nur noch das Geschäft mit den reichen Vermögen, die UBS nennt das Wealth Management, gehört dazu. Doch was genau danach kommt, scheint gegen aussen noch nicht klar. Ein Job-Abbau im Investmentbanking ist sowohl bei der UBS als auch bei der Credit Suisse im Gang. Betroffen sind Standorte in London und New York. Es sei ganz einfach eine Normalisierung im Gang, meint dazu Urs Birchler, Bankenprofessor an der Universität Zürich. «Das Bankwesen, insbesondere das Investmentbanking war vor 2008 schlicht zu gross im Vergleich zur realen Wirtschaftsleistung, nicht nur in der Schweiz. Und das wird nun korrigiert.»

Einen Hinweis darauf, wie im letzten Jahr das Geschäft der Investmentbanken verlaufen ist, lieferte die Deutsche Bank. Der abtretende Schweizer Konzernchef Josef Ackermann hat seinen Anlegern eine verhagelte Bilanz hinterlassen: Im vierten Quartal ist Deutschlands führendes Bankhaus sogar in die roten Zahlen gerutscht. Schuld ist der grosse Verlust im Investmentbanking. Enttäuschend waren auch die Zahlen der US-Investment-Bank Goldman Sachs. Der Jahresgewinn schrumpfte um 67 Prozent. Sowohl Goldman Sachs als auch die Deutsche Bank haben angekündigt, die Boni ihrer Banker massiv zu kürzen.