AEW
«Unser Job ist es, in die Zukunft zu investieren.»

Heute beginnt in Birr der Bau des grössten Sonnenkraftwerks der Schweiz. Bauherrin ist die AEW Energie AG. Das Projekt ist ein weiterer Schritt in der Neuausrichtung der nationalen Energiepolitik - wird aber ein Tropfen auf dem heissen Stein bleiben.

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Reinhard Kronenberg

Herr Zimmermann, warum bauen Sie ein Sonnenkraftwerk?
Hubert Zimmermann: Basis der Energiepolitik des Bundesrates bilden vier Säulen, eine davon ist die verstärkte Nutzung von einheimischen und erneuerbaren Energien. Damit sollen gemäss Energiegesetz bis zum Jahr 2030 5,4 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert werden. Der Bau des Sonnenkraftwerkes orientiert sich an diesem Ziel.

Und wie viele Kilowattstunden wird Ihr neues Solarkraftwerk leisten?
Zimmermann: 2,4 Millionen Kilowattstunden.

Also brauchte es im Grunde tausend solcher Kraftwerke. Ist das nicht ein Tropfen auf den heissen Stein?
Zimmermann: Auf den ersten Blick mag das so aussehen. Bitte beachten Sie aber, dass dieser Strom nicht allein durch Solarenergie gewonnen werden kann. Es gilt, alle alternativen Quellen angemessen zu berücksichtigen. Ausserdem wird die sich entwickelnde Technik auch eine Lernkurve ermöglichen.

Bekommen Sie für die Anlage Subventionen?
Zimmermann: Nein, wir erhalten keine zum Voraus erstattete Subvention oder Investitionshilfe, aber wir werden den Strom zu einem vordefinierten Preis verkaufen können, was uns das Kapital verzinst. Das ist im Rahmen der "kostendeckenden Einspeisevergütung" (KEV) so geregelt.

Das KEV verpflichtet die Elektrizitätswerke, künftig die gesamte Produktion von Ökostrom zu einem definierten Tarif verkaufen zu können. Sie wissen also schon jetzt, dass Sie ihr Produkt zu hundert Prozent verkaufen können. Und erst noch mit einer vordefinierten Rendite. Das ist sehr komfortabel.
Zimmermann: Das Sonnenkraftwerk Birr ist Teil des KEV Programms und wird entsprechend über die Bilanzgruppe erneuerbare Energie des Bundesamtes für Energie verwertet.

Wie stehen Sie zur weit verbreiteten Ansicht, dass gerade bei Sonnen- und Windkraftwerken Aufwand und Ertrag in einem schlechten Verhältnis stehen?
Zimmermann: Tatsächlich sind bei Solarstrom die Gestehungskosten höher als bei anderen Energieträgern. Unser Job ist es aber nicht, uns auf den Moment zu fixieren, sondern in die Zukunft zu investieren, einen Beitrag zur Entwicklung und zur Diversifizierung zu leisten. Dieses innovative Element ist übrigens Teil unserer Firmengeschichte.

Die Energie aus Sonne und Wind deckt - zumindest in der Schweiz - nicht einmal ein Promille unseres Bedarfs. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?
Zimmermann: Der Anteil von alternativen Energiequellen wird in Zukunft sicher zunehmen, dazu wird auch unser Projekt beitragen. Darüber hinaus geht es auch darum, unseren Kunden eine Wahlmöglichkeit zu bieten. Unbestritten aber bleibt, dass Sonne und Wind auf absehbare Zeit keinen mit Grosskraftwerken vergleichbaren Beitrag werden leisten können. Das ist ein Prozess.

Hand aufs Herz - wir laufen bei der elektrischen Energie mittelfristig in eine Deckungslücke, die im Grund genommen nur mit zusätzlichen Atomkraftwerken geschlossen werden kann.
Zimmermann: Diese Lücke ist inzwischen im allgemeinen Bewusstsein, weshalb der Ersatz der bestehenden Anlagen dringend angegangen werden muss. Die politische Diskussion um die Kernkraft muss geführt werden - auch und gerade vor dem Hintergrund, dass die Wirtschaft auch in Zukunft auf eine sichere und kostengünstige Stromversorgung angewiesen ist.