Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

UNTERNEHMENSETHIK: Salomonische Lösung bei Ethos

Nach den Protestaustritten von zwei Aufsichtsratmitgliedern will die Genfer Anlagestiftung Ethos die Nachfolge von Präsident Dominique Biedermann schneller regeln.
Daniel Zulauf
Ethos-Stiftungsratspräsident Dominique Biedermann. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 2. Februar 2017))

Ethos-Stiftungsratspräsident Dominique Biedermann. (Bild: Anthony Anex/Keystone (Bern, 2. Februar 2017))

Daniel Zulauf

Der Rat der Genfer Anlagestiftung Ethos hat auf die Protestrücktritte der beiden prominenten Mitglieder François Bruderer Thom und Monika Roth eine scheinbar salomonische Antwort gefunden. In einer am späten Dienstagabend verbreiteten und von den beiden Ethos-Vizeprä­sidenten Hanspeter Uster und Philippe Doffey gezeichneten Mitteilung bekräftigen die Räte ihr «vollstes Vertrauen» in den unter scharfe Kritik geratenen Präsidenten und Mitbegründer der Stiftung, Dominique Biedermann. Gleichzeitig wird aber auch versprochen, die schon vor dem Eclat beschlossene Selbstevaluation der beiden von Dominique Biedermann präsidierten Ethos-Räte Anfang nächsten Jahres zu beschleunigen.

Damit nimmt die Ethos-Aufsicht eine zentrale Kritik auf, die im Zusammenhang mit den ­aufsehenerregenden Rücktritten von Bruderer Thom und Roth laut geworden war. Bruderer Thom, die als Leiterin der Pensionskasse Post eine der grössten Ethos-Kunden repräsentiert, hatte Biedermann an der entscheidenden Stiftungsratssitzung von vergangener Woche aufgefordert, im Frühjahr den Präsidentenstuhl freiwillig zu räumen. Dies, nachdem der Genfer die Planung der eigenen Nachfolge auf die lange Bank geschoben habe, seit er vor zwei Jahren vom Direktor in die Präsidentenfunktion hinübergewechselt war.

Dringlichkeit ernsthafter Nachfolgeplanung erkannt

Biedermann will sich selber zwar nie als blossen Übergangspräsidenten gesehen haben, zumal er zum Zeitpunkt seiner Wahl erst 58 Jahre alt war. Doch offensichtlich haben seine Ratskollegen die Dringlichkeit einer ernsthaften Nachfolgeplanung erkannt. Die Selbstevaluation habe das Ziel, die Nachfolgeregelung im Verwaltungsrat zu gewährleisten, heisst es in der Medienmitteilung. Uster wollte sich auf Anfrage weder zum alten noch zum neuen Zeitplan der Nachfolgeplanung äussern. Die Notwendigkeit einer Beschleunigung begründete er mit der hohen Wichtigkeit des Themas. Zurückgewiesen wird indessen Bruderer Thoms Vorwurf, Biedermann habe sich «schwere und wiederholte Verstösse gegen die Corporate Governance» zu Schulden kommen lassen. Der Vorwurf zielt neben der Nachfolgeplanung auch auf die Konstellation, dass Biedermanns Ehefrau seit 17 Jahren eine Schlüsselrolle in der Geschäftsleitung spielt, was mögliche Interessenkonflikte impliziert. Die Ethos-Stiftung schreibt, sie sei «sowohl über die Form als auch über den Inhalt dieser Äusserungen sehr erstaunt». Dies gelte insbesondere für die Vorwürfe in Bezug auf Interessenkonflikte, da Ethos «sehr auf die strikte Einhaltung der Good-­Governance-Regeln achtet». Es ­bestünden seit vielen Jahren ­Regelungen und transparente Massnahmen bezüglich der Funktionsweise der Stiftung, einschliesslich über den Umgang mit Interessenkonflikten.

Ethos ist wichtigste Stimmrechtsberaterin

Mit 220 angeschlossenen Pensionskassen ist Ethos die mit ­Abstand grösste und wichtigste Stimmrechtsberaterin der Schweiz. Die Organisation hat 2013 eine zusätzliche Bedeutung erlangt, als sich das Schweizer Stimmvolk für die Abzocker-Initiative zur Stärkung der Aktionärsrechte und damit auch für den Stimmzwang der Pensionskassen auf Generalversammlungen von Schweizer Firmen ausgesprochen hatte.

Der seinerzeitige Hauptinitiator und aktuelle Schaffhauser Ständerat Thomas Minder und sein Initiativkomitee halten hohe Stücke auf die Stiftung: «Ethos ist für uns Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit und Corporate Governance. Ihre Stimmrechte und ihre Empfehlungen sind für uns wichtig. Wir verfolgen ihre Positionen sehr genau.» Eine Wertung der aktuellen Vorgänge in Genf wollte Ständerat Minder auf Anfrage zwar nicht vornehmen, aber aus seinen Worten wird dennoch klar, dass Ethos spätestens seit dem damaligen Plebiszit weit mehr ist als die Angelegenheit einer Stiftung und ihrer direkten Anspruchsgruppen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.