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Kolumne

Böse Worte: Unternehmerisch

In «Böse Worte» spiesst der ­Zürcher Organisationspsychologe Felix Frei mit spitzer Feder zeitgeistige Begriffe aus der Managersprache auf.
Felix Frei
Felix Frei.

Felix Frei.

Es ist üblich geworden, von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf sämtlichen Stufen der Hierarchie unternehmerisches Denken und Handeln zu fordern. Eigentlich fände ich es ja schon eine tolle Sache, wenn der eine oder andere höhere Manager – allesamt in aller Regel Angestellte und nicht Unternehmer – eine im weitesten Sinne unternehmerische Haltung erkennen liesse. Aber gerade Jede und Jeder im ganzen Laden?

Ich versuche mir das immer vorzustellen: Da sitzt ein Projektmitarbeiter an einer grafischen Darstellung und seine Chefin hat ihn gerade darauf hingewiesen, dass dies besser im Quer- statt im Hochformat darzustellen sei – und dann grübelt er darüber nach, wie er unternehmerisch wirksam werden könnte. Oder da ist die Call-Center-Mitarbeiterin, die tagaus, tagein die gleichen Kundenbeschwerden abwiegeln muss, ohne dass der entsprechende Missstand je behoben würde – und sie sinniert, ob das unternehmerisch wirklich das Gelbe vom Ei sei. Und da sehe ich den Abteilungsleiter, der seine Leistung nicht mehr erbringen kann, seit man die meisten seiner Leute durch billigere Kräfte im Ausland ersetzt hat, mit denen die Kommunikation sehr zu wünschen übrig lässt – und er fragt sich, ob die Lohneinsparung sich unternehmerisch lohne.

Vielleicht habe ich bloss eine falsche Vorstellung davon, was das allenthalben geforderte unternehmerische Denken meint. Vielleicht meint es gar nicht «etwas unternehmen» oder gar «wie ein Unternehmer handeln». Sondern eine Haltung, die sich immer an allen Verlautbarungen des Unter­nehmens ausrichtet. Als Aufruf gegen Partialinteressen ist das ja noch nachvollziehbar. Gleichwohl verbindet man damit eher ideologische Einheit, geschlossene Reihen, Gehorsam und – Langeweile. Sicherlich nicht Unternehmergeist, Innovation, Ärmelhoch oder den Grove eines Garagen-Start-ups.

Aber man stelle sich einmal eine Firma Apple vor – bestehend aus lauter Steve Jobs’: Grauenhaft! Und garantiert nicht erfolgreich. Irgendwie wird man den Verdacht nicht los, dass ein Top-Management, das seine gesamte Belegschaft auffordert, unternehmerisch zu sein, darauf hofft, dass dann wenigstens jemand in der Firma unternehmerisch wäre. Wenn die dann bloss nicht alle auch noch Bonus wollen!

Wahrscheinlich aber verhält sich die ganze Sache ja viel einfacher. Alle höheren Chefs glauben, sie selbst dächten und handelten in jedem Fall unternehmerisch. Wenn sie nun von ihren Leuten unternehmerisches Denken und Handeln fordern, so heisst das nur: Denkt bitte alle so wie ich!

In «Böse Worte» spiesst der ­Zürcher Organisationspsychologe Felix Frei mit spitzer Feder zeitgeistige Begriffe aus der Managersprache auf. Am 24. Juni 2018 folgt: Ehrlich.

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