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US-Politiker pochen auf tiefere Medikamentenpreise

Medikamentenhersteller sehen sich in Amerika unter Druck, die Preise von verschreibungspflichtiger Arzneimittel zu senken – und Transparenz im Gesundheitssystem zuzulassen.
Renzo Ruf, Washington
Der Streit um Medikamentenpreise in den USA spitzt sich zu. (Bild: Rich Pedroncelli/AP)

Der Streit um Medikamentenpreise in den USA spitzt sich zu. (Bild: Rich Pedroncelli/AP)

Der Radiosender WTOP ist unter den Bewohnern des Grossraums Washington nicht nur für seine zuverlässigen Verkehrsmeldungen beliebt. Wer sich das Programm anhört, weiss normalerweise auch, woher der Wind in der US-Politik weht. Denn WTOP ist eine begehrte Plattform für Interessengruppierungen, die ihre politischen Botschaften unter den Entscheidungsträgern in der US-Hauptstadt verbreiten wollen. So war am Mittwoch der Spot einer Vereinigung zu hören, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das angekratzte Image der Medikamenten-Zwischenhändler aufzupolieren, die an der Schnittstelle zwischen Pharmaunternehmen, Krankenkassen und Apotheken agieren. Die wenig überraschende Kernbotschaft des 30-Sekunden Spots: Die so genannten Pharmacy Benefit Manager (PBM) bemühten sich täglich darum, die Kostenspirale bei verschreibungspflichtigen Medikamenten in den Griff zu bekommen.

Der Werbespot war eine indirekte Replik auf den Vorwurf, der am Vortag an einer Anhörung des amerikanischen Senats gegen die PBM geäussert worden war. Demnach, sagten die Konzernchefs sieben führender Pharmaunternehmen während eines gemeinsamen Auftrittes vor dem Finanzausschuss, es seien nicht die Medikamentenhersteller, die ständig an der Preisschraube drehten – vielmehr schnitten sich die Zwischenhändler angeblich eine immer grössere Scheibe ab, in dem sie Rabatte nicht auf die Konsumenten überwälzten.

Börse lässt die Anhörung kalt

Allein den Wortmeldungen republikanischer und demokratischer Senatoren waren zu entnehmen, dass Washington allmählich die Geduld verliert und Zugeständnisse sämtlicher Akteure im Gesundheitswesen verlangt. Der republikanische Ausschussvorsitzende Charles Grassley kritisierte zum Beispiel, dass die Konsumenten keinen Einblick in die Preisgestaltung der Pharmaindustrie hätten.

«Warum gibt es derart viele Rabatte und warum zahlt niemand den Listenpreis eines Medikaments?»

Besonders hart in die Zange genommen wurde während der Anhörung Richard Gonzalez, der Konzernchef des Pharmaunternehmens AbbVie, das unter anderem den Blockbuster Humira herstellt. Der demokratische Senator Ron Wyden wies Gonzalez darauf hin, dass Humira in Deutschland und Frankreich 40 Prozent weniger koste als in Amerika. Ob AbbVie in diesen beiden Ländern mit dem Arthritis-Medikament immer noch ein Profit erziele, wollte Wyden wissen. Als Gonzalez mit «Ja» antwortete, fragte ihn der Senator, warum AbbVie denn in Amerika für das Arthritis-Medikament gegen 38000 Dollar pro Jahr verlange und die Produktion eines Nachahmers blockiere. Die Antwort des Konzernchefs: «Das ist eine grossartige Frage.» Später antwortete Gonzalez auf die ähnlich formulierte Frage der Demokratin Debbie Stabenow: «Humira spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Finanzierung der Forschung und Entwicklung von AbbVie.» Zum Vergleich: 2018 setzte AbbVie mit Humira fast 20 Milliarden Dollar um und erzielte dank Preiserhöhungen einen Profit von fast 5 Milliarden Dollar.

An der drei Stunden dauernden Anhörung nahmen die Konzernchefs von Sanofi, AbbVie, AstraZeneca, Bristol-Myers Squibb, Johnson & Johnson, Merck und Pfizer teil. Die Schweizer Unternehmen Novartis und Roche waren nicht vertreten.

Die Wall Street zeigte sich übrigens von den Drohgebärden des Parlaments unbeeindruckt: Der S&P Pharmaceuticals Select Industry Index, ein Abbild der Aktien führender Pharmakonzerne, schloss am Dienstag sogar leicht höher als zu Wochenbeginn.

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