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US-REISE: Wie der Papst auf seine Kritiker zugeht

Mit einer Messe in New York und dem Besuch des Welttreffens katholischer Familien in Philadelphia beendete der Papst seine Kuba-USA-Reise. Eine Analyse.
Papst Franziskus während der Papstmesse. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Papst Franziskus während der Papstmesse. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Walter Brehm

Er speist mit Obdachlosen, statt sich an pompösen Empfängen bewirten zu lassen. Er fährt in seinem Fiat 500 vor dem Weissen Haus vor. «Pope Francis» erntet Respekt. Symbolik ist Methode während der USA-Reise von Papst Franziskus: Sein Kleinwagen – ein Zeichen gegen die Verschwendung natürlicher Ressourcen in der benzinsüchtigen Gesellschaft; eine Suppenküche als Signal gegen die Wegwerfkultur der Übersättigten. Und Worte christlicher Nächstenliebe gegen Fremdenhass und politischen Grabenkrieg.

Zuspruch trotz kritischer Worte

Der Besucher legt den Finger in amerikanische Wunden – und bekommt viel Zuspruch dafür. Im Plenum der beiden Häuser des US-Kongresses zündet der erste Satz seiner Rede den ersten Applaus: Der Papst aus Südamerika begrüsst das «Land der Freien und die Heimat der Mutigen» – und löst mit dem zweiten Satz betroffene Nachdenklichkeit aus. «Wir Menschen auf dem amerikanischen Kontinent haben keine Angst vor Fremden, denn die meisten von uns waren einmal Fremde.» Während der ganzen Rede immer wieder die Erinnerung an den Grundsatz der Humanität: «Andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchte.»

Geschickte Wortwahl

Reizworte, welche die tiefen Zerwürfnisse in der politischen Debatte – nicht nur in den USA – befeuern, meidet dieser Papst und spricht doch Klartext, den sein Publikum versteht. Er sagt nicht «Klimawandel», kein einziges Mal. Er sagt «Schutz der natürlichen Ressourcen». Statt gegen die Homo-Ehe zu wettern, betont er die «Rolle der Familie». Er verdammt nicht die Abtreibung, sondern erwähnt den «Schutz jeden Lebens» – auch im Strafrecht.

Das päpstliche Konzept der Rede im Kongress, der Ansprache in der UNO und der ganzen USA-Reise: Inhalte mit Formulierungen ansprechen, die Brücken schlagen und seinen Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen sollen: Der Papst sei lediglich in religiösen Fragen unfehlbar, nicht aber in der Politik, hatten nicht nur rechtsgerichtete Republikaner prophylaktisch vor der Rede des Papstes im Kongress erklärt. Was sie meinten, machte die Kongressrede des Pontifex klar, auch mit der Forderung: «Der Waffenhandel muss aufhören.» Und ungesagt war deutlich, dass wohl nicht nur das grosse zwischenstaatliche Rüstungsgeschäft gemeint war. Die Mehrheit seines Publikums auf dem Capitol hat seine Wahl auch der Unterstützung durch die Waffenlobby National Rifle Association zu verdanken.

Opfer erhofften sich viel mehr

Alles richtig gemacht? Er sein kein Politiker und schon gar kein Linker, hatte der Papst vor seiner Reise nach Washington gesagt. Doch Kritik war, mit weit weniger Medienpräsenz als das Lob, nicht nur von rechtskonservativer Seite zu hören. Etwa zur Heiligsprechung des Franziskanermönchs Junípero Serra. Der Missionar stehe nicht nur für die erzwungene Christianisierung amerikanischer Indianer und den Genozid an der amerikanischen Urbevölkerung, hiess es an einer Protestkundgebung in New York. Unzufrieden warten auch die ­Opfer sexueller Gewalt katholischer Priester. Sie haben erwartet, dass der Papst den Tätern öffentlich die Rückendeckung entzieht, die sie jahrzehntelang von der Kirchenhierarchie genossen hatten. Dazu war nicht nur das Schweigen des Pontifex beredt. Franziskus hat in der St.-Patrick-Kathedrale in New York allein anderen Priester und Nonnen sein Mitgefühl dafür ausgedrückt, dass sie unter dem Stigma leiden, das der sexuelle Missbrauch ausgelöst hat.

Betroffenheit währte nur kurz

Franziskus hat in den USA gute und wichtige Worte gefunden. Doch vom «Heiligen Vater» fordert der Anspruch moralischer und spiritueller Führung, den Finger auch in die eigenen Wunden zu legen. Es würde helfen gegen das schnelle Vergessen seiner Mahnungen. Im US-Kongress jedenfalls währte die Betroffenheit nur kurz. Nach der Abreise des Papstes planen die Republikaner erneut den Grabenkrieg. Sollten nicht alle staatlichen Mittel für Familienplanung gestrichen werden, wollen sie den Haushalt der Regierung wie bereits im vergangenen Jahr blockieren.

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