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US-Softwareriese DXC kauft Zuger IT-Firma Luxoft

Der US-Softwareriese DXC Technology übernimmt den IT-Konzern Luxoft mit Hauptsitz in Zug für 2 Milliarden Dollar. Der Standort Zug ist nicht gefährdet. Luxoft hat das E-Voting-System der Stadt mitentwickelt.
Livio Brandenberg
Luxoft entwickelte das E-Voting-System für die Stadt Zug. Eine Person registriert sich im Zuger Stadthaus für die digitale ID. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 25. Juni 2018)

Luxoft entwickelte das E-Voting-System für die Stadt Zug. Eine Person registriert sich im Zuger Stadthaus für die digitale ID. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Zug, 25. Juni 2018)

Der Deal blieb in Nicht-IT-Kreisen grossmehrheitlich unter dem Radar. Doch die Höhe der Transaktion lässt aufhorchen: Für rund 2 Milliarden US-Dollar kauft der amerikanische IT-Dienstleistungsriese DXC Technology das Zuger Softwareunternehmen Lux­oft. Dies teilten die beiden an der New Yorker Börse NYSE kotierten Firmen letzte Woche auf ihren Websites mit. Die Verwaltungsräte von Luxoft und DXC seien sich einig, und die Besitzer von rund 83 Prozent der Luxoft-Aktien hätten dem von DXC unterbreiteten Angebot von 59 Dollar in bar pro Aktie bereits schriftlich zugestimmt. Der Verkauf soll – sofern die zuständigen Aufsichtsbehörden keine Einwände haben – im Juni dieses Jahres abgeschlossen werden.

DXC Technology mit Sitz in Tysons Corner im US-Bundesstaat Virginia, gut 20 Kilometer westlich von der Hauptstadt Washington entfernt, ging aus der Fusion von Computer Sciences Corporation mit der Dienstleistungssparte Enterprise Services von Hewlett Packard Enterprise hervor. Heute macht DXC einen Umsatz von über 24 Milliarden Dollar und beschäftigt in 70 Ländern rund 150'000 Mitarbeitende. Kunden sind bekannte Grosskonzerne wie etwa die Versicherungsgruppe Zurich sowie verschiedene US-Behörden.

Name und der CEO bleiben

Dass die nun bekannt gewordene Milliardenübernahme ausserhalb der Branche keine allzu hohen Wellen schlug, dürfte daran liegen, dass der Name Luxoft in der Schweiz eher unbekannt ist. Doch das Unternehmen, welches handelsrechtlich auf den Britischen Jungferninseln eingetragen ist, den operativen Sitz aber seit fünf Jahren in der Stadt Zug hat, ist im internationalen IT-Geschäft durchaus einer der grösseren Player: Der Softwareberater, -entwickler und Outsourcer beschäftigt weltweit knapp 13'000 Angestellte und machte in den vergangenen vier Quartalen einen Umsatz von 911 Millionen US-Dollar.

Der Name Luxoft wird nach der Übernahme weiter bestehen, die Zuger werden aber mit dem Zusatz «a DXC Company» auftreten. Klar ist auch, dass der Standort Zug bestehen bleibt, wie ein Luxoft-Sprecher auf Anfrage sagt: «Es wird derzeit keine organisatorischen Veränderungen geben. Der Standort Zug bleibt ein wichtiger Teil unserer Pläne.» Aktuell arbeiten dort knapp 60 Angestellte. Man werde auch weiterhin als eigenständige Firma arbeiten können, unter dem Management von CEO Dmitry Loschinin, der an Bord bleibt und direkt dem CEO von DXC, Mike Lawrie, unterstellt sein wird.

Dieser ist überzeugt, dass sich die Angebote der beiden Konzerne sehr gut ergänzen. Luxoft bringt laut DXC Stärken ein in den Bereichen Blockchain, Benutzeroberfläche oder Internet of Things (IoT) sowie Expertise in den Branchen Finanzen, Fahrzeugindustrie und Gesundheitswesen. Die Übernahme soll das Wachstum von DXC Technology im Geschäft mit der Digitalisierung zusätzlich beschleunigen, heisst es.

Interessant ist die geplante Übernahme auch, weil Luxoft das im letzten Sommer lancierte E-Voting-System der Stadt Zug entwickelt hat, zusammen mit dem Departement Informatik der Hochschule Luzern. Die Stadt Zug führte im Juni 2018 eine Konsultativabstimmung durch, Voraussetzung für Teilnehmende war der Besitz einer digitalen ID der Stadt. Getestet wurde ein neuer, Blockchain-basierter Ansatz von E-Voting unter realistischen Bedingungen.

Zusammenarbeit mit der Stadt abgeschlossen

Bei der Stadt Zug wurde man über den Verkauf von Luxoft nicht informiert, denn das Projekt mit dem IT-Unternehmen sei im Frühjahr 2018 abgeschlossen worden. Aktuell bestehe mit ­Luxoft «keine vertragliche Zusammenarbeit», heisst es bei der Stadt. Momentan seien auch keine weiteren Abstimmungen geplant, der Versuch sei abgeschlossen. Ob es in Zukunft eine weitere Zusammenarbeit mit Luxoft geben werde, sei offen.

Denn für die anderen anstehenden oder bereits laufenden Blockchain-Projekte, etwa das Ausleihen von Medien in der Bibliothek Zug ohne Bibliotheksausweis oder den Bike-Verleih, arbeite man mit anderen Lieferanten zusammen. Die digitale ID der Stadt, die für alle diese konkreten Anwendungen notwendig ist, funktioniert über eine kostenlose App, die nicht von Luxoft entwickelt wurde. Bisher haben sich laut der Stadt 272 Personen registriert.

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