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US-STEUERREFORM: Landis + Gyr spart dank Trump Steuern

Der Zuger Stromzähler-Hersteller Landis + Gyr zahlt dank der Steuerreform künftig bis zu 20 Millionen Franken weniger Steuern pro Jahr. Auch andere Zentralschweizer Firmen fahren in den USA steuerlich besser.
Rainer Rickenbach
Stromzähler-Produktion bei Landis + Gyr in Zug. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (2. Oktober 2017))

Stromzähler-Produktion bei Landis + Gyr in Zug. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (2. Oktober 2017))

Rainer Rickenbach

Für Landis + Gyr ist der US-Markt von zentraler Bedeutung. Mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes macht das Zuger Unternehmen in Amerika, den grössten Teil davon in den USA. Der Hersteller von intelligenten Stromzählern, Sensoren und Verteilnetz-Automatisierungstechnik unterhält in den Vereinigten Staaten vier Tochtergesellschaften, die an 17 Standorten präsent sind.

Folgerichtig entrichtet der international tätige Konzern einen schönen Teil seiner Steuern in Amerika. In den USA wird Landis + Gyr künftig indes deutlich weniger Geld an die Staatskasse zu überweisen haben. Denn die Unternehmenssteuerreform der Trump-Regierung ist per Anfang Jahr gültig.

15 bis 20 Millionen mehr Cashflow pro Jahr

Eigentlich informiert Landis + Gyr erst im Juni über das Geschäftsjahr. Es richtet sich bei den Zugern nicht nach dem Kalenderjahr, sondern dauert jeweils von März zu März. Doch weil die Steuerreform weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus so viel Aufsehen erregt hat und Investoren des börsenkotierten Unternehmens sich nach den Auswirkungen erkundigten, rechnete die Firmenführungen in einer Mitteilung bereits gestern vor, wie Landis + Gyr von der Steuersenkung für Unternehmen profitieren dürfte. Zwar liegen die Präzisierungen und Erläuterungen zu den zahlreichen Detailregelungen noch nicht alle vor. Doch bei den Anlegern an der Börse kamen die Schätzungen zur sinkenden Steuerbelastung gut an: Der Aktienkurs ging gestern um 1,51 Prozent in die Höhe.

Landis + Gyr profitiert auf zwei Zeitschienen. Zum einen sinkt die US-Körperschaftssteuer dieses Jahr von 35 auf 21 Prozent. «Als Folge dürfte sich die latente Steuerschuld des Unternehmens um rund 22 Millionen (21,2 Millionen Franken) reduzieren. Die Auswirkung auf die konsolidierte Erfolgsrechnung fällt in der derselben Grössenordnung aus», heisst es in der Mitteilung. Gemäss Unternehmenssprecher Martin Meier-Pfister handelt es sich dabei um einen einmaligen Effekt.

Von dauerhafter Wirkung hingegen ist der sinkende Körperschaftssteuer- aufwand. Dank ihm erwartet die Firmenführung im nächsten Geschäftsjahr einen Anstieg der flüssigen Mittel (Cashflow) von jährlich 15 bis 20 Millionen Dollar. Weil aber nur die letzten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres unter das neue Steuerregime fallen, dürfte die Steuersenkung erst im übernächsten Rechnungsabschluss ihre Wirkung voll und ganz entfalten.

Landis + Gyr ist nicht das einzige Schweizer Unternehmen, das in den USA künftig steuerlich besser fährt. Doch von den andern auf dem amerikanischen Markt tätigen Firmen hat noch keine derart detaillierte Prognosen bekannt gegeben. Der Urner Technologiekonzern Dätwyler, der unter anderem im US-Bundesstaat Delaware für die Pharmaindustrie produziert, belässt es bei einer allgemeineren Feststellung. «Dätwyler hat die Auswirkungen der US-Steuerreform analysiert und festgestellt, dass die Auswirkungen auf den Geschäftsabschluss 2017 unwesentlich sind. Für die Zukunft ist davon auszugehen, dass die Steuerbelastung in den USA leicht tiefer sein wird», sagt Dätwyler-Sprecher Guido Unternährer. Der Kabelmaschinen-Hersteller Komax in Dierikon beschäftigt in den USA und Mexiko 180 bis 200 Personen und beliefert die amerikanische Autoindustrie. Wegen einer Umstellung der Rechnungslegung seien zu erwartende Steuerguthaben aus Verlustvorträgen nicht mehr aktiviert, erklärt Komax-Sprecher Roger Müller. «Dadurch hat das neue Steuergesetz in den USA keinen wesentlichen Einfluss auf die latenten Steuerguthaben von Komax», so Müller.

Säbelrasseln mit Waschmaschinen

Importzölle. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat hohe Zölle auf den Import von Solarmodulen und Waschmaschinen verhängt und damit empörte Reaktionen von Berlin bis Peking ausgelöst. Die deutsche Regierung zeigte sich besorgt ob der Ankündigung. «Wir setzen uns immer für fairen und freien Handel und gegen Protektionismus ein», sagte gestern Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Die Entscheidung von Präsident Trump betrachte sie daher mit Sorge: «Diese Massnahmen könnten zu einem neuen Handelskonflikt mit China und Südkorea führen, was wiederum Auswirkungen auf Europa und Deutschland haben kann», warnte Zypries weiter.

Auch die Regierung in Peking brachte gestern ihre «grosse Unzufriedenheit» über den Entscheid zum Ausdruck. China werde seine legitimen Interessen gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Welthandelsorganisation (WTO) «entschlossen» verteidigen, erklärte das Handelsministerium – allerdings ohne konkrete Schritte zu benennen. Und auch in Seoul stiessen die neuen US-Zölle auf scharfe Kritik. Diese seien «übertrieben» und stellten womöglich eine Verletzung von Vorschriften der WTO dar, erklärte Handelsminister Kim Hyun Chong. Südkorea werde bei der WTO eine entsprechende Petition einreichen. Samsung – das grösste Unternehmen des Landes – warnte ebenfalls, dass die Zölle «jeden Verbraucher treffen würden, der eine Waschmaschine kaufen will».

Schweizer Hersteller nicht direkt betroffen

Konkret sollen die US-Zölle auf den Import von Solarmodulen bis zu 30 Prozent betragen, bei Waschmaschinen sogar bis zu 50 Prozent. Billige Importe hätten den Produzenten in den USA «ernsthaften Schaden» zugefügt, sagte der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer am Montag zur Begründung. Die Zollentscheidung stellte er dabei in direkten Zusammenhang mit Trumps «America First»-Politik: Der Schritt mache klar, «dass die Trump-Regierung stets die amerikanischen Arbeiter, Bauern, Rancher und Geschäftsleute verteidigen wird», erklärte Lighthizer weiter.

Trump hat sich wiederholt für einen Kurs der wirtschaftlichen Abschottung starkgemacht und versprochen, durch die Globalisierung verloren gegangene Industriejobs zurückzuholen. Besonders die Konkurrenz in China ist dem Präsidenten ein Dorn im Auge.
Schweizer Waschmaschinenhersteller sind von den Strafzöllen nicht direkt betroffen. Auf Anfrage erklären Metall Zug, Schulthess sowie Wyss Mirella, dass sie keine Geräte in die USA exportierten. Allerdings könnten Minderexporte in die USA auch den Schweizer Markt zusätzlich belasten und zu einer Intensivierung des Wettbewerbs führen, wodurch schliesslich die inländischen Preise unter Druck geraten würden. (sda/rab)

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