Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

US-STEUERREFORM: Tiefe US-Firmensteuern könnten dem Schweizer Fiskus Milliarden bescheren

Die Rückführung der in der Schweiz liegenden Gewinnreserven von US-Firmen könnte dem hiesigen Fiskus beträchtliche Sondereinnahmen bringen.
Daniel Zulauf
Internationale Geschäfte des US-Maschinenherstellers Caterpillar werden in Genf abgerechnet. (Bild: Keystone (Westaustralien, 18. Dezember 2017))

Internationale Geschäfte des US-Maschinenherstellers Caterpillar werden in Genf abgerechnet. (Bild: Keystone (Westaustralien, 18. Dezember 2017))

Daniel Zulauf

Ein wesentliches Element der amerikanischen Unternehmenssteuerreform ist auch der veränderte Geltungsbereich. Bislang beanspruchten die Amerikaner die Steuerhoheit auf sämtliche Gewinne, die US-Konzerne weltweit eingespielt haben. Neu gilt das Territorialprinzip. Besteuert werden nur noch jene Gewinne, die auch in den USA anfallen.

Um diesen Regimewechsel zu erleichtern, werden Gewinne, die US-Unternehmen aus steuerlichen Gründen bislang im Ausland gehortet – und so dem heimischen Fiskus vorenthalten – haben, mit Rückführungssteuern zu deutlich tieferen Sätzen zurück ins Land gelockt. Das amerikanische Finanzministerium schätzt die Summe der exilierten Gewinne auf insgesamt 2,5 Billionen Dollar. Ein substanzieller Teil davon dürfte sich in der Schweiz befinden. Zahlreiche grosse US-Firmen koordinieren ihre internationalen Geschäfte ausserhalb Amerikas über Sitzgesellschaften in der Schweiz.

«Bis jetzt keine Kenntnis von geplanten Repatriierungen»

In Genf befinden sich die Zentralen des Baumaschinenherstellers Caterpillar, des Konsumgüterproduzenten Procter & Gamble oder des Chemiemultis DuPont. In der Waadt trifft man auf den Medizinaltechnikriesen Medtronic, den Konsumgüterproduzenten Philip Morris und auf Starbucks, der seinen Kaffeeeinkauf über eine Schweizer Zentrale steuert. Das Gleiche macht der Brauereiriese SAB Miller in Zug. Mit Amgen und Johnson & Johnson betreiben auch zwei grosse US-Gesundheitsunternehmen ihre internationalen Sitze in Zug. Letztere Firma hat bereits angekündigt, dass sie einen substanziellen Teil ihrer ausländischen Gewinne zu repatriieren gedenke. Andere dürften folgen.

Mindestens kurzfristig muss das für den Schweizer Fiskus ­keine schlechte Nachricht sein. Wenn diese Gesellschaften ihre aufgelaufenen Gewinne konzernintern in die USA zurückverschieben, fällt dem Bund nämlich eine Verrechnungssteuer von 5 Prozent zu – vorausgesetzt, die Transaktion läuft direkt und nicht über Zwischengesellschaften in anderen Ländern. Steuerexperten gehen davon aus, dass dem Bund im laufenden und im kommenden Jahr auf diese Weise beträchtliche einmalige Einnahmen zukommen werden. Von einem Unternehmensberater war zu ­erfahren, dass dem Bund im ­laufenden Jahr schon von einem einzigen US-Unternehmen eine solche «Adieu»-Steuer in der Höhe von rund 1 Milliarde Franken winkt. Die Eidgenössische Steuerverwaltung will oder kann die Information allerdings nicht bestätigen. «Wir haben bis jetzt keine Kenntnis von Repatriierungsplänen. Wir arbeiten aufgrund von Rulings und Deklarationen. Aktuell sind uns keine konkreten Rückführungspläne aufgrund von Ruling-Anfragen bekannt», heisst es in Bern. Die potenziellen Sondererträge sind beim Finanzdepartement auch nicht budgetrelevant.

Der «Residualsatz für konzerninterne Dividende», wie die 5-Prozent-Abgabe im Fachjargon heisst, ist im Doppelbesteuerungsabkommen festgeschrieben. Wenn die Gewinnrückführungen von US-Firmen zum jährlichen Normalfall werden, wird man sich in der Schweiz die Abschaffung der Steuer überlegen müssen. Denn solange Standortkonkurrenten wie die Niederlande und Luxemburg keine solche Steuer erheben, ist die Schweiz erheblich im Nachteil.

Beim Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen heisst es auf Anfrage: «Der Bundesrat ist sich der Problematik bewusst. Er prüft zurzeit, welche Massnahmen die Schweiz mit Blick auf die im Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA enthaltene Quellensteuer von maximal 5 Prozent auf Dividenden an US-Muttergesellschaften ergreifen soll. Das entsprechende Interesse des Schweizer Standortes setzt grundsätzlich eine Revision des bilateralen Doppelbesteuerungsabkommens voraus, wozu die Amerikaner erst Hand bieten müssen. Die 2009 unterzeichnete letzte Revision ist im US-Senat immer noch hängig und nicht abgeschlossen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.