USA: Brücken und Mauern

Der wirtschaftliche Austausch zwischen Mexiko und den USA ist auch für Zentralschweizer Firmen wichtig. Von Trumps Säbelrasseln lassen sie sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

Maurizio Minetti
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Mitarbeiterinnen eines Konsumgüterkonzerns im mexikanischen Silao bereiten Verpackungen für Kosmetikprodukte vor. (Bild: Thomas Koehler/Getty (Silao, 18. Juli 2014))

Mitarbeiterinnen eines Konsumgüterkonzerns im mexikanischen Silao bereiten Verpackungen für Kosmetikprodukte vor. (Bild: Thomas Koehler/Getty (Silao, 18. Juli 2014))

Maurizio Minetti

maurizio.minetti@luzernerzeitung.ch

Im Süden des Rio Grande liegt ein Hauptdurchgangsort für mexikanische Migranten auf dem Weg in die USA. Die Grenzstadt Reynosa mit rund 670 000 Einwohnern ist nur einen Steinwurf von der viel kleineren texanischen Stadt McAllen entfernt. Zwei Brücken verbinden die beiden Orte. In Reynosa gibt es aber nicht nur Schleuser, die Menschen über die Grenze schmuggeln. Hier sind auch viele internationale Produktionsbetriebe stationiert. Reynosa ist die grösste und industriell bedeutendste Stadt im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas.

Im US-Wahlkampf waren für den später zum Präsidenten gewählten Donald Trump die Brücken zwischen Mexiko und den USA kein Thema – dafür aber die Mauer, die er zwischen den beiden Staaten bauen will. Virtuelle Mauern will Trump auch für Firmen aufbauen, die in Mexiko statt in den USA produzieren. Er drohte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter vor allem Autokonzernen wie GM, Ford, Toyota oder BMW mit hohen Importzöllen – zum Teil erfolgreich, haben doch einige Firmen in den letzten Wochen bekannt gegeben, Investitionspläne in Mexiko zu stoppen und stattdessen in den USA zu investieren.

Landis + Gyr hat 500 Angestellte in Mexiko

Hauruckaktionen sind von Zentralschweizer Firmen nicht zu erwarten. Auf Anfrage betonen KMU und Grosskonzerne, man werde die Situation analysieren, sobald Trump im Amt sei und erste Entscheide fälle. «Selbstverständlich verfolgen wir die Ankündigungen von Donald Trump aufmerksam und sind gespannt, welche Prioritäten und Massnahmen die neue Regierung beschliessen wird, um die amerikanische Wirtschaft weiter zu stärken», sagt Thomas Zehnder, Mediensprecher von Landis + Gyr.

Der Zuger Stromzählerhersteller ist eines jener Zentralschweizer Unternehmen, das von hohen Importzöllen besonders stark betroffen wäre. Die Toshiba-Tochter unterhält im mexikanischen Reynosa einen Fertigungsstandort mit mehr als 500 Mitarbeitenden. Diese produzieren intelligente Stromzähler für den US-Markt aber auch für weitere rund 20 Exportmärkte. Bereits vor der Wahl von Trump hatte die Firma diplomatisch vorsichtig gewarnt: «Wenn – auch im übertragenen Sinn – die beiden Länder von einer Mauer getrennt werden sollten, dürfte dies auch den Warenverkehr ­sicherlich nicht positiv beeinflussen.» (Ausgabe vom 5. November 2016).

Für Landis + Gyr ist der US-Markt zentral. Rund die Hälfte des Konzernumsatzes macht das Unternehmen in Amerika, davon den dominierenden Teil in den USA. Derzeit werde keine Verlagerung von Investitionen von Mexiko in die USA geplant, sagt der Sprecher von Landis + Gyr. Er betont, dass man in den USA bereits heute verschiedene Standorte unterhalte. «Das erlaubt uns angemessen auf eine mögliche Veränderung der ‹Spielregeln› zu reagieren», so Zehnder.

In einer komfortablen Situation befindet sich der Urner Industriekonzern Dätwyler. Die Firma hat mehrfach angedeutet, allenfalls von Trumps protektionistischer Politik profitieren zu können, weil das eigene Werk im US-Bundesstaat Delaware ausschliesslich den lokalen Markt beliefert. Dätwyler-Sprecher ­Guido Unternährer erinnert derweil daran, dass der Bau des neuen Dätwyler-Werks in den USA bereits vor der Wahl Trumps bekannt gegeben worden sei. Es sei also nicht so, dass man wegen Trump Investitionen in den USA plane. Dätwyler geht es in den USA darum, «im grössten und wichtigsten Pharmamarkt der Welt mit einer eigenen Fertigung für hochwertige Komponenten vor Ort zu sein», so der Firmensprecher.

Teil der Lieferkette

Allerdings produziert auch Dätwyler in Mexiko. In Silao im Bundesstaat Guanajuato betreibt der Konzern seit 2010 ein Werk für die Produktion von Dichtungskomponenten für die Automobilindus­trie. Derzeit arbeiten rund 250 Personen dort. «Die direkten Kunden von Dätwyler – globale Bremsen- und Systemhersteller – befinden sich in nächster Nähe in Mexiko», so Sprecher Unternährer.

Ein weiterer Zulieferer der Automobilindustrie ist Komax aus Dierikon. «In den USA und in Mexiko arbeiten total rund 180 bis 200 Personen», sagt Komax-Sprecher Roger Müller. Pro Land weist Komax keine Zahlen aus, es seien momentan aber deutlich mehr Mitarbeiter in den USA als in Mexiko beschäftigt. Der mexikanische Standort befindet sich in Irapuato im Bundesstaat Guanajuato und somit im Zentrum des mexikanischen Automobilmarkts. Die Niederlassung in Mexiko hat Komax erst im vergangenen Jahr aufgebaut. Dort produziert die Firma hauptsächlich für Kunden in Mexiko: Kabelkonfektionäre, die sogenannte Kabelbäume den Automobilherstellern liefern. Komax ist damit auch Teil der Lieferkette, die irgendwo bei den grossen US-amerikanischen Automarken endet. Ein Rückzug aus Mexiko ist nicht geplant. Komax-Sprecher Roger Müller: «Wir haben momentan keine Veranlassung, an unseren Standorten in den USA und in Mexiko Veränderungen vorzunehmen.»

Nach aussen geben sich die Unternehmen also demonstrativ gelassen. Zumindest bis zum nächsten drohenden Tweet von Donald Trump.