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USA: Der neue Banken-Sheriff

Randal Quarles soll oberster Bankenaufseher der US-Notenbank Federal Reserve werden. Der langjährige Berater von zwei US-Präsidenten geniesst grosses Ansehen – und ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger der Wall Street nicht feindlich gesinnt.
Renzo Ruf, Washington
Randal Quarles. (Bild: Chris Kleponis/Getty (Washington, 25. Juli 2006))

Randal Quarles. (Bild: Chris Kleponis/Getty (Washington, 25. Juli 2006))

Renzo Ruf, Washington

Für einmal ist eine Personalentscheidung des Weissen Hauses recht unspektakulär: Randal Quarles soll neues Mitglied des Direktoriums («Board of Governors») der US-Notenbank Federal Reserve werden. Präsident Donald Trump will den 59-Jährigen zum ersten «Vice Chairman for Banking Supervision» im Fed-Leitungsgremium ernennen – ein Posten, der 2010 mit der Verabschiedung der Finanzmarkt­reform («Dodd-Frank») geschaffen worden, bisher aber vakant geblieben war.

Indirekt würde Quarles damit den einflussreichen Fed-Gouverneur Daniel Tarullo ersetzen, der während der Amtszeit von Präsident Barack Obama die Rolle des Super-Sheriffs der Wall Street übernommen hatte.

Der Wall Street nicht feindlich gesinnt

Quarles ist ein langjähriges Mitglied des republikanischen Establishments, zu Hause im Bundesstaat Utah und an seinen Arbeitsorten New York und Washington. Er ist eine sichere Bank. Das hat zum einen mit seinem Lebenslauf zu tun, zum anderen mit den wirtschaftspolitischen Positionen, die er vertritt – und die wenig gemein haben mit dem nationalistischen Populismus à la Trump.

Im Gegensatz zu Tarullo steht Quarles mit der Wall Street nicht auf Kriegsfuss. Stattdessen spricht er sich für den vorsichtigen Abbau der Vorschriften aus, mit denen eine Wiederholung der Finanzkrise verhindert werden soll. So hatte Quarles in der Vergangenheit Kritik an der «Volcker Rule» – welche gewisse spekulative Bankgeschäfte einschränkt – geäussert. Auch könnte Quarles Änderungen am jährlichen Banken-Stresstest vornehmen – weil sich die Klagen der Finanzinstitute am Gesundheitscheck häufen.

Reformer statt Ideologe

Allerdings entscheidet das Fed-Leitungsgremium gemeinsam über weitreichende Anpassungen am Regelwerk der Notenbank. Quarles gilt als gewiefter Rhetoriker, dem es gelingen könnte, im Direktorium neue Allianzen zu schmieden. Seine Stärke sei es, sagte er vor einer Dekade der Lokalzeitung «Deseret News» in Salt Lake City (Utah), den Graben zwischen den einzelnen Landesteilen der USA zu überwinden. ­Allerdings geht Quarles nicht ­immer sehr diplomatisch vor. So kritisierte er im Frühjahr 2016 in einem Meinungsbeitrag im «Wall Street Journal» die Vorschläge von Neel Kashkari, dem Präsidenten der Fed-Zweigstelle in Minneapolis, zur Lösung des «Too big to fail»-Problems. «Herr Kashkari ist ein seriöser Entscheidungsträger, aber seine Empfehlungen sind töricht», schrieben Quarles und sein Co-Autor Lawrence Goodman. Denn die vorgeschlagene, massive Erhöhung der Kapitaldecke hätte zur Folge, dass die Konsumenten höhere Kreditzinsen bezahlen müssten. Quarles und Goodman schlugen stattdessen vor, dass sich die Aufsichtsbehörden auf das Erreichen zweier Ziele konzentrierten: Erstens müssten sie sich die Werkzeuge verschaffen, um im Krisenfall ein­zelne Banken zu liquidieren. Zweitens soll die Notenbank beim Drehen an der Zinsschraube verlässlicher vorgehen.

Dennoch gilt Quarles in Washington nicht als Ideologe, sondern als Reformer. Grund für dieses Vertrauen, das ihm entgegenschlägt: eine lange Karriere in Politik und Wirtschaft. Nach seinen Studien heuerte er 1984 in der Anwaltskanzlei Davis Polk & Wardwell an, die an der Wall Street in New York einen guten Namen hat. 1990 wechselte er in den Regierungsdienst, als An­gestellter von Präsident George Bush. Im Finanzministerium war Quarles verantwortlich für die Aufarbeitung der Sparkassen­krise. Nach der Niederlage von Bush senior bei der Präsidentenwahl 1992 folgte die Rückkehr an die Wall Street, zu seinem ehemaligen Arbeitgeber.

Seit 2006 nicht mehr im Staatsdienst

Acht Jahre später kam Quarles zurück nach Washington. 2001 wurde er von Präsident George W. Bush zum US-Exekutivdirektor beim Internationalen Währungsfonds befördert. Ein Jahr später folgte der erneute Wechsel ins Finanzministerium. Dort wirkte Quarles als Berater, der sich mit internationalen Fragen beschäftigte und Gesprächsteilnehmer mit seiner Detailkenntnis beeindruckte. 2005 übernahm er einen Posten in der innenpolitischen Abteilung des Ministeriums. Hier übte er sich als Kritiker der quasi-staatlichen Hypothekenbank Fannie Mae. Quarles schied 2006 aus dem Regierungsdienst aus. Nach einem Gastspiel bei der Beteiligungsgesellschaft Carlyle Group ist er seit 2014 für die Cynosure Group tätig, die auch das Vermögen seiner Familie verwaltet.

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