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USA: FDA-Chef beteuert Unabhängigkeit

Scott Gottlieb soll neu der Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) vorstehen. ­Demokraten unterstellen dem Mediziner, er werde nach der Pfeife der Industrie und des Weissen Hauses tanzen.
Renzo Ruf, Washington
Scott Gottlieb musste sich am Mittwoch vor einem Komitee des Senats rechtfertigen. (Bild: J. Scott Applewhite (Washington, 5. April 2017))

Scott Gottlieb musste sich am Mittwoch vor einem Komitee des Senats rechtfertigen. (Bild: J. Scott Applewhite (Washington, 5. April 2017))

Renzo Ruf, Washington

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Scott Gottlieb versteht sein Fach, keine Frage. Seit seiner Studienzeit an der damaligen Mount Sinai School of Medicine in New York City beteiligt sich der Mittvierziger oft und gerne an öffentlichen Debatten über das amerikanische Gesundheitssystem – als Kolumnist, als Angestellter bundesstaatlicher Aufsichtsbehörden, aber auch als hochrangiger Mitarbeiter innovativer Hersteller von verschreibungspflichtigen Medikamenten. «Ich hatte noch nie ein Problem damit, meine ­ungeschminkte Meinung zu äussern», sagte der Arzt gestern während eines Auftritts vor dem Ausschuss des US-Senats.

In der Tat. So verteidigte Gottlieb in der Vergangenheit als Kolumnist des Wirtschaftsmagazins «Forbes» die hohen Preise verschreibungspflichtiger Medikamente in den USA, kritisierte auf der Meinungsseite des «Wall Street Journal» die gesundheitspolitischen Pläne der damaligen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und mäkelte an Donald Trump herum.

Nun soll Gottlieb sein Fachwissen nutzen, um die Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) zu reformieren. Damit wird er im Schachspiel, das Präsident Trump mit der Pharmaindustrie spielen will, eine zentrale Rolle einnehmen – denn der Republikaner hat der US-Bevölkerung versprochen, dass er die Medikamentenpreise senken werde. Im Gegenzug versprach Trump aber, «Big Pharma» den Zulassungsprozess für innovative Medikamente zu vereinfachen.

Gottlieb bekräftigte bei seinem gestrigen Auftritt im Senat, dass er die FDA auf Vordermann bringen und Hürden für die Pharmaindustrie aus dem Weg räumen wolle. Er habe diesbezüglich «viele Ideen». So sprach er darüber, dass einige Abteilungen der Zulassungsbehörde sich stärker auf «neue wissenschaftliche Studien» und «neue Kennzahlen» abstützen müssten. Ausdrücklich nannte er dabei die FDA-Abteilung, die sich mit der Zulassung von Krebsmitteln beschäftigt. Gleichzeitig versicherte er den anwesenden Senatoren, die seine Nomination bestätigen müssen, dass er sich in diesem Prozess nicht von politischen Überlegungen leiten lassen werde. Entscheidend sei, was die langjährigen Angestellten der FDA bestimmten, basierend auf der geltenden Forschungsmeinung.

Scott will in Ausstand treten bei Interessenkonflikten

Diese Beteuerungen vermochten viele Demokraten nicht zu besänftigen. Sie verwiesen bereits im Vorfeld der Anhörung darauf, dass Gottlieb während der Präsidentschaft von George W. Bush dafür verantwortlich gewesen sei, dass die FDA politisch gefügiger geworden sei.

Gestern zweifelten sie zudem offen an, dass er unabhängig genug sei, an der Spitze der FDA zu agieren. «Sie haben weitgehende Verbindungen zur Pharmaindustrie und zu Biotechfirmen», sagte Senatorin Maggie Hassan. Andere Sprecher deuteten an, dass er nötigenfalls nicht energisch genug gegen die Branche vorgehen werde – mehrmals wurde zur Illustration dieser Befürchtungen erwähnt, dass die FDA nicht eingeschritten sei, als sich die Zahl der Abhängigen von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln sprunghaft erhöht habe. Gottlieb stellte sich auf den Standpunkt, dass er sämtliche Vorschriften befolge und er in den Ausstand treten werde, wenn sich ein Interessenkonflikt mit früheren Arbeitgebern ergebe.

Die Liste mit Firmen, die regelmässig in Kontakt mit der FDA stehen, umfasst rund zwanzig Namen. So arbeitete Gottlieb von 2013 bis 2015 als Berater für den Hersteller Vertex Pharmaceuticals und wurde mit mehr als 150000 Dollar entschädigt. Vertex besitzt in den USA die Zulassung für zwei Medikamente, die zur Behandlung einer Stoffwechselerkrankung eingesetzt werden können. Kosten pro Jahr für die innovativen Pillen: mehr als 250000 Dollar. Allem Anschein nach beschränkte sich Gottlieb darauf, mit US-Pharmaunternehmen geschäftliche Beziehungen einzugehen – eine Schweizer Firma taucht in den entsprechenden Dokumenten, die er dem Senat vorlegen musste, nicht auf.

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