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USA: Manager Bob Iger - Der Alleinherrscher im Disney-Schloss

Bob Iger steht seit zwölf Jahren an der Spitze des Unterhaltungskonzerns Walt Disney Company – ein Blick auf die Laufbahn eines Managers, der über Kassenschlager im Kino und Gassenhauer am Fernsehen entscheidet.
Renzo Ruf, Washington
Disney-CEO Bob Iger bei der Eröffnung des ersten Disney-Freizeitparks in China, des Shanghai Disney Resort. (Bild: Getty (Schanghai, 15. Juli 2015))

Disney-CEO Bob Iger bei der Eröffnung des ersten Disney-Freizeitparks in China, des Shanghai Disney Resort. (Bild: Getty (Schanghai, 15. Juli 2015))

Renzo Ruf, Washington

Der Chef des wohl einflussreichsten Unterhaltungskonzerns Amerikas sprach früher über Blumenkohlwolken. Robert «Bob» Iger erinnerte in einer seiner ersten Amtshandlungen vor zwölf Jahren eine Journalistin der «New York Times» daran, dass er sich vor seiner Beförderung zum Chef der Walt Disney Company seine Sporen als Fernseh-Wettermann abverdient habe. Zwar dauerte dieses Gastspiel in Ithaca (New York) nur einige wenige Monate, er habe dabei aber eine wichtige Lektion gelernt. «Nun weiss ich, wie ich Menschen schlechte Nachrichten überbringe», sagte Iger und lachte dabei.

Das Lachen ist dem Alleinherrscher über das Imperium der Maus – Iger ist seit 2011 nicht nur Konzernchef (CEO), sondern auch Präsident des Disney-Verwaltungsrates – seither nicht vergangen. Obwohl der 66-Jährige in die grossen Fussstapfen des polarisierenden Wunderkindes Michael Eisner treten musste und seine Managementfähigkeiten von Freund und Feind angezweifelt wurden, bewies der emsige Schaffer seither mehrfach, dass er über das notwendige Rüstzeug verfügt.

Mit der Übernahme weiter Teile des Konkurrenten 21st Century Fox, zu dem auch das legendäre Filmstudio 20th Century Fox zählt, will er Disney nun auf neue Beine stellen. Denn im Zuge dieser Transaktion wird der Unterhaltungskonzern erstmals zum Mehrheitseigentümer der Internetplattform Hulu, über die führende Hollywood-Studios in Amerika ihre Filme und Serien vertreiben. Der Zugriff auf Hulu ist offiziell nur in den USA, auf amerikanischen Stützpunkten im Ausland sowie in Japan erlaubt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Iger die Plattform zu einem ernsthaften Konkurrenten für Netflix oder Amazon.com ausbauen will. Zwar handelt es sich dabei um eine ambitionierte Ansage, ist Hulu derzeit doch der kleinste der drei «Video on Demand»-Anbieter. Die Laufbahn des Disney-Chefs zeigt aber, dass er einen langen Atem besitzt.

Verantwortlich für «Wer wird Millionär»

Nach Studien am Ithaca College und einem Gastspiel beim lokalen Ableger des Fernsehsenders CBS wechselte Iger 1974 zum Konkurrenten ABC in New York City. Dort war er als Faktotum ­tätig, verantwortlich für Quizsendungen oder ein Spezialprogramm zu Ehren von Frank Sinatra. Später folgte der Wechsel in die interne Sportabteilung, in der Iger bis Mitte der Achtzigerjahre zum Programmverantwortlichen aufstieg. In dieser Position wurden zwei einflussreiche ABC-­Manager auf ihn aufmerksam – Tom Murphy und Daniel Burke –, die das Jungtalent unter die Fit­tiche nahmen. Er habe von Anfang an das Potenzial Igers erkannt, sagte Murphy später, sein Arbeitsethos und sein Gespür für Talente. Ende der Achtzigerjahre stieg Iger zum Chef der Unter­haltungsabteilung von ABC und schliesslich zum Programmverantwortlichen des gesamten Senders auf. In diesen Rollen ent­wickelte Iger, der aus Long Island (New York) stammt, ein gutes Gespür für den amerikanischen Massengeschmack. ABC pro­duzierte in den Neunzigerjahren Erfolgsserien wie «NYPD Blue» und «Hör mal, wer da hämmert», und Iger zeigte verantwortlich für die amerikanische Version des Gassenhauers «Wer wird Millionär» – die Millionen von Dollars in die Kassen des Walt-Disney-Konzerns spülte, der ABC im Jahr 1996 übernommen hatte.

Für diese Erfolge wurde Iger reich belohnt. Anfang 2000 beförderte ihn der damalige Disney-Chef Michael Eisner zu seiner Nummer zwei, verantwortlich für das Tagesgeschäft. Fünf Jahre später, vor dem Hintergrund heftiger interner Streitereien, die auch durch den Sohn des legendären Firmengründers Walt Disney angezettelt worden waren, folgte der Sprung auf den Chefsessel. Bereits in seinen Antrittsinterviews machte Iger klar, dass er einen fundamentalen Umbau des Disney-Konzerns anstrebe.

Rasch setzte er die Ankündigung um. Kurz nach seinem Amtsantritt kaufte Iger das Filmstudio Pixar, dessen Computeranimationen («Toy Story», «Findet Nemo» oder «Coco») immer noch Kassenrekorde brechen. Es folgten die Übernahmen von Marvel Entertainment (2009), welche die Rechte über Superhelden wie Spider-Man und Iron Man besitzen, und Lucasfilm (2012), dem Produzenten von Kassenschlagern wie «Star Wars» und «Indiana Jones».

Diese Zukäufe etablierten den Konzern als Konglomerat weltweit berühmter Charaktere, von Mickey Mouse über Darth Vader bis hin zu Bart Simpson, der dank der Übernahme von 21st Century Fox jetzt auch zum Disney-Imperium gehört. Damit will Iger nicht nur das Film- und Fernsehgeschäft antreiben, sondern auch in den für Disney höchst wichtigen Vergnügungsparks oder in Spielzeuggeschäften für hohe Umsätze sorgen. Zu dieser Strategie passt auch die Fox-Übernahme, wie Iger sagt. «Die Konsumenten konsumieren derzeit mehr Inhalte und Unterhaltungsangebote als je zuvor. Qualität spielt dabei eine grosse Rolle», erklärt er.

Arbeitsvertrag um zwei Jahre verlängert

Dies ist Iger derart wichtig, dass er dafür sogar darauf verzichten will, seinen grossen Traum zu verwirklichen – eine Karriere in der Politik. Als die Übernahme von 21st Century Fox publik wurde, gab Disney eine Vertragsverlängerung mit Konzernchef Iger bis ins Jahr 2021 bekannt, zwei Jahre länger als zuvor geplant.

«Ich liebe meinen Job», sagte Iger dem Wirtschaftssender CNBC, «ich liebe meine Firma, die mir die Möglichkeit gegeben hat, zwölf Jahre an der Spitze zu stehen.» Die Integration von 21st Century Fox erfordere «viel Energie», und er sei bereit, «die Ärmel hochzukrempeln», auch weil er dies den Disney-Aktionären schuldig sei.

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