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USA: «Schweizer Modell ist das beste»

Die US-Botschafterin Suzi LeVine erwartet eine engere Bindung zwischen den USA und der Schweiz. Der Steuerstreit sei bald beendet.
Interview Roman Schenkel
US-Botschafterin Suzi LeVine hoch oben auf dem Pilatus.

US-Botschafterin Suzi LeVine hoch oben auf dem Pilatus.

Interview Roman Schenkel

Botschafterin LeVine, in Ihrem Blog erklären Sie einem Farmer aus Kansas Liechtenstein. Wie würden Sie ihm die Zentralschweiz erklären?

Suzi LeVine:Nun, es gibt nicht sehr ­viele Hügel in Kansas. Also würde ich als Erstes die unglaublichen Berge und die vielen Seen aufzählen, die für mich das Herz der Schweiz ausmachen. Schon als 18-Jährige, als ich für die Ruder­regatta auf dem Rotsee nach Luzern kam, hat mich die Zentralschweiz tief beeindruckt. Ich würde dem Bauern auch erzählen, dass in der Zentralschweiz viele Firmen zu Hause sind, die sein Leben in irgendeiner Form berühren. Wenn er Lift fährt zum Beispiel, ist die Chance gross, dass er einen Schindler-Lift benutzt, oder wer sich einen Kaffee bei Starbucks holt, der kriegt einen Kaffee, der mit einer ­Maschine von Thermoplan aus Weggis gemacht wurde. Und natürlich dürfte ich das Rütli nicht vergessen, wo die drei Gentlemen zusammenkamen, um sich gegenseitig den Eid zu schwören. Gerade für Farmer in Kansas, für die Nachbarschaft und Zusammenarbeit überlebenswichtig ist, würde ich zeigen, dass die Schweizer eine sehr ähnliche Mentalität haben.

Sie sind jetzt etwas mehr als ein Jahr US-Botschafterin in der Schweiz. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

LeVine:Die Zeit war aussergewöhnlich. Die Schweizerinnen und Schweizer waren warmherzig, einladend und vor allem für eine Zusammenarbeit bereit. Die Möglichkeiten, die unsere beiden Länder zusammen haben, sind immens. Das wird unsere Beziehungen noch intensivieren. Dabei spielt die Zentralschweiz eine zentrale Rolle.

Inwiefern?

LeVine:Zum Beispiel die Firma Pilatus. Ich habe den Standort in Stans bereits zweimal besucht. Kürzlich hat Pilatus eine Zusammenarbeit mit der US-Firma Intertech Plastics in der Nähe von Denver angekündigt. Dort soll ein Cluster rund um die Berufsbildung aufgebaut werden. Die Berufsbildung ist ein zentrales Thema für uns hier in der Schweiz. Sie ist ein perfektes Beispiel, wie Schweizer Wissen und Stärke mit amerikanischen Firmen zusammenspielen können.

Die Schweizer Berufsbildung hat in den USA Eindruck hinterlassen.

LeVine:Nicht nur in den USA. Das Schweizer Modell der Berufsbildung ist das beste der Welt. Wir wollen es nachahmen. Ich versuche möglichst viele US-Unternehmen davon zu überzeugen.

Sie verwenden oft den Begriff «Schwester-Republiken», wenn Sie über die Schweiz und die USA sprechen. Ist unsere Beziehung wirklich so gut und eng?

LeVine: Auf jeden Fall. Die Bundesverfassung der Schweiz von 1848 basiert auf der US-Verfassung. In dieser Zeit waren wir zwei Demokratien in einer Welt voller Monarchien. Die Basis, also das Fundament unserer Beziehung, besteht aus einem gleichen Verständnis von Recht, der Stimme des Einzelnen wie auch der Stimme von Minderheiten. Dieses gleiche Verständnis zwischen den beiden Nationen kann man immer wieder beobachten. Zum Beispiel bei einem kürzlich verabschiedeten Report zu Antikorruptionsanstrengungen. Die Schweiz und die USA waren zwei der ersten Länder, die ihn unterzeichnet haben. Wir haben diese gemeinsame Basis, das zeigt sich in vielen Bereichen.

In den letzten Jahren haben die beiden Schwestern aber doch recht heftig gestritten. Der Steuerstreit hat die Beziehung ziemlich belastet. Wann ist die Gelegenheit vom Tisch?

LeVine:Wir hoffen, das Kapitel bald schliessen zu können. Gemäss den Informationen des US-Justizministeriums soll die Angelegenheit mit den Banken der Kategorie zwei bis Ende Jahr geregelt sein. Was ich aber klarstellen will: Die Bemühungen der USA laufen darauf hinaus, dass die US-Bürger ihre Steuern bezahlen müssen. Es geht nicht gegen die Schweiz, es geht um die USA. Ich glaube, dass dies die Leute auch nachvollziehen können.

Mit den hohen Bussen hatten aber viele Mühe.

LeVine:Da muss man die Relationen wahren. Schauen Sie sich einmal die Bussen an, welche das US-Justizministerium in den letzten Jahren gegen Banken verhängt hat. Das sind ungefähr 167 Milliarden US-Dollar. 85 Prozent davon waren gegen US-Banken und nur gerade rund 3 Prozent gegen Schweizer Banken.

Schweizer Banker brauchen die USA künftig also nicht weiter zu fürchten?

LeVine:Meiner Meinung nach hatte der Steuerstreit für den Schweizer Finanzplatz auch eine positive Seite. Die Dienstleistungen der Schweizer Banken sind nun viel mehr auf Qualität, auf Langzeit-­Performance und noch stärker auf den Kunden fokussiert. Das Geschäftsmodell ist nicht mehr länger das Bankgeheimnis. Solange dies so ist, müssen sich die Schweizer Banken mit Sicherheit nicht vor den USA fürchten.

Und wie steht es grundsätzlich um die Beziehungen Schweiz–USA?

LeVine:Der Steuerstreit konnte die Beziehung nicht grundsätzlich erschüttern. Sie ist gut und eng. Auch wegen der starken wirtschaftlichen Verflechtungen: Die Schweiz ist ja der sechstgrösste Direktinvestor in den USA. Im Bereich Forschung und Entwicklung hält die Schweiz gar den Spitzenplatz bei Investitionen. Wenn ich sehe, welche Möglichkeiten bei gegenseitigen Investitionen noch bestehen, dann wird sich das Verhältnis der beiden Staaten noch intensivieren.

Wo sehen Sie denn Chancen?

LeVine: Zum Beispiel im Bereich Innovation. Die amerikanische Innovation funktioniert etwas anders als die schweizerische. In den USA ist Scheitern erlaubt. Wir haben ein Sprichwort dafür: ­Scheitere schnell und scheitere billig. Dieses Wissen und diese Mentalität gibt es auch in der Schweiz, insbesondere in der Pharmaindustrie. Hier sehe ich Chancen, diese Mentalität auch auf andere Branchen zu übertragen.

In der Schweiz ist jemand, der mit seinem Unternehmen scheitert, gebrandmarkt.

LeVine:Das ist in den USA gerade umgekehrt. In den USA werden oft Unternehmer, die gescheitert sind, selbst zu Investoren. Es ist fast wie eine Ehrenmedaille, wenn man sagen kann: Ich bin zwar gescheitert, aber ich habe viel dabei gelernt. Aber in der Schweiz gibt es auch starke Unternehmer, die diese Mentalität teilen. Joe Jimenez bei Novartis zum Beispiel oder Severin Schwan von Roche ...

Das sind aber beides keine Schweizer.

LeVine (lacht): Stimmt, ein Amerikaner und ein Österreicher. Aber warten Sie: Die Schweiz hat unter anderen die ETH und die EPFL. Dort gibt es viele hervorragende Unternehmer. Den ETH-Professor Edouard Bugnion zum Beispiel. Und das ist ein Schweizer.

ZUR PERSON

Suzi LeVine (45) hat Englisch und Maschinenbau studiert und war unter anderem für den Softwarehersteller Microsoft tätig. Seit Juni 2014 ist sie US-Botschafterin für die Schweiz und Liechtenstein. Suzi LeVine ist die erste US-Diplomatin, die ihren Eid auf einen E-Reader abgelegt hat.

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