USA: Wegen Cannabis-Legalisierung: Wie geht es weiter mit der Weinindustrie?

Das Geschäft mit Cannabis boomt in Amerika. Doch die Legalisierung der Droge macht der kalifornischen Weinindustrie Sorge – die Winzer fürchten um ihre Arbeitskräfte.

Barbara Munker, dpa
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Weinlese in Rutherford, Kalifornien; die Arbeiter könnten bald auch Marihuana ernten. (Bild: Eric Risberg/AP)

Weinlese in Rutherford, Kalifornien; die Arbeiter könnten bald auch Marihuana ernten. (Bild: Eric Risberg/AP)

Barbara Munker, DPA

Michael Silacci prüft die reifenden Trauben an den Reben im kalifornischen Napa Valley. Seit dreizehn Jahren leitet der amerikanische Winzer das Edelweingut Opus One. Die Rotweine zählen zu den besten und teuersten Tropfen in den USA. Ausreichend Wasser und genügend Arbeitskräfte seien seine grösste Sorge, sagt Michael Silacci.

Doch mit «Weed» haben die Weinmacher in Kalifornien bald ein neues Problem. «Klar, macht das Sorge, aber die Auswirkungen sind schwer abzusehen», sagt Silacci über den erwarteten Marihuanaboom, nachdem Kalifornien im vorigen Herbst per Volksentscheid Cannabis als Genussmittel legalisiert hat.

Alicia Rose sagt einen «grünen Goldrausch» voraus. Nach fünfzehn Jahren als Beraterin in der Weinindustrie stieg sie 2015 ins «Gras»-Geschäft ein. Über das Kollektiv Herbabuena vertreibt sie Cannabisprodukte, dar­unter Joints, Tee, Tinkturen, Lotionen und Edibles, also mit dem Wirkstoff THC versetztes Gebäck und Schokolade. Noch muss sich Rose an die Auflagen für medizinisches Marihuana halten, das ist in Kalifornien seit 1996 erlaubt.

Wie Rose sitzen Tausende Anbauer und Geschäftsleute in den Startlöchern, wenn Kalifornien im Januar grünes Licht für den Verkauf von Marihuana als Genussmittel gibt. Bis dahin basteln der Staat und die Kommunen noch an Auflagen, von Besteuerung und Grundwasserrechten bis zu Anbaulizenzen. Oregon und Colorado haben es vorgemacht. Kalifornien ist der achte US-Staat, der Hanf vom Schwarzmarkt ins Rampenlicht rückt.

Beim ersten Wine & Weed-Symposium in Santa Rosa gehen Winzer und Vertreter der Cannabisindustrie diese Woche erstmals auf Tuchfühlung. Die Konferenz mit über 400 Teilnehmern sei ausgebucht, sagt Tagungsleiter George Christie. «Der Dialog ist extrem wichtig, denn beide Industrien bauen in denselben Gebieten an, konkurrieren um Arbeiter vor allem in der Erntezeit, ringen um Käufer und Touristen.»

Kalifornien gehört zu den Topproduzenten

Wein «made in California» – von mehr als 4000 Weingütern – ist ein Milliardengeschäft. Nach Frankreich, Italien und Spanien gehört der Westküstenstaat zu den wichtigsten Produzenten weltweit. 2016 war ein neues Rekordjahr, wie die jüngste Studie des Analysehauses Wine Insti­tute zeigt. Allein in den USA erzielte kalifornischer Wein Umsätze von über 34 Milliarden Dollar.

Auch der legale Handel mit Marihuana boomt. 2016 legte der US-Markt um 34 Prozent zu, so das Ergebnis einer im März veröffentlichten Studie von Arcview Market Research. Konsumenten gaben landesweit über 6,7 Milliarden Dollar für Cannabisprodukte aus. Weed-Konsumenten in Kalifornien könnten dies noch toppen, so die Prognose von Wissenschaftlern der Universität Davis. Sie sagen für 2020 im Goldenen Staat ein Geschäft in Höhe von 7 Milliarden Dollar voraus.

«Wein und Weed, das sind zwei Sachen, die wir in Kalifornien wirklich gut machen», sagt Phil Coturri mit einem Augenzwinkern. Der 64-jährige Winzer in Sonoma Valley gilt als Meister der Bioweine. Aus seiner Vor­liebe für Marihuana macht er keinen Hehl. Dass Weingutbesitzer nun auch offiziell ins Cannabisgeschäft einsteigen, sieht er allerdings nicht. «Das müssen wir vorerst streng trennen, solange die Bundesbehörden nicht mitspielen», meint Coturri.

Winzer fürchten die Konkurrenz mit Cannabisunternehmen um die längst knapp gewordenen Latino-Arbeitskräfte. Der Rückgang von Landarbeitern aus Mexiko sei zu spüren, sagt Michael Silacci. Es sei gefährlicher und teurer geworden, über die Grenze zu gehen. «Auch die Rhetorik der Trump-Regierung verschlimmert das noch, die Leute haben Angst.»

Auch Al Winter macht sich schon Sorgen darüber, dass er im Herbst rund 500 Saisonarbeiter für die Weinernte beschaffen muss. Als Verwalter des Unternehmens Foley Family Wines betreut er zwei Dutzend Weingüter, von Santa Barbara bis in den nördlichen US-Staat Washington, wo Marihuana für Genusszwecke schon 2014 legalisiert wurde. «Die Cannabisfarmer machen uns ganz schön Druck, sie zahlen Stundenlöhne bis zu 20 Dollar, gewöhnlich bar auf die Hand», sagt Winter. Einige Weingüter werden so hohe Löhne nicht zahlen können, prophezeit der Verwalter. «Wer weiss, vielleicht kommt es in Kalifornien einmal so weit, dass sich Winzer von einem Hektar Wein trennen und darauf Weed anbauen.»