V-Zug soll im Juni an die Börse

Trotz wirtschaftlich turbulenter Zeiten will Metall Zug die Küchengeräte-Sparte V-Zug abspalten.

Christopher Gilb
Drucken
Teilen
Produktion von V-Zug-Küchengeräten in Zug.

Produktion von V-Zug-Küchengeräten in Zug.

Bild: (Stefan Kaiser, 19. März 2020)

Es sei eine denkwürdige Bilanzmedienkonferenz, sagte der Verwaltungsratspräsident der Metall-Zug-Gruppe Martin Wipfli am Donnerstag. Zum ersten, weil sie wegen der Corona-Pandemie nur telefonisch stattfinde, zum zweiten, weil es die letzte Bilanzmedienkonferenz von Metall Zug in dieser Form sei. Vor einem Jahr nannte der traditionsreiche Zuger Industriekonzern erstmals Pläne eines separaten Börsengangs der Küchengeräte-Sparte V-Zug, nun werden diese in die Tat umgesetzt. Die Abspaltung ist in Form der Ausschüttung einer Sachdividende geplant. Sofern die Generalversammlung am 24.April zustimmt, wird jeder Aktionär pro Namenaktie Serie A eine Namenaktie der V-Zug Holding AG und pro Namenaktie Serie B zehn Namenaktien der V-Zug Holding AG zugeteilt erhalten. Als erster Handelstag an der Schweizer Börse ist der 25.Juni vorgesehen. Als positives Beispiel einer solchen Abspaltung nannte Wipfli die Zug Estates, die unter anderem das Suurstoffi-Areal in Rotkreuz entwickelt und 2012 von der Metall Zug abgespalten wurde.

Zu den Vorteilen der Abspaltung sagte Wipfli, dass V-Zug als eigenständige Unternehmung ihre Marke weiter stärken und sichtbar positionieren sowie von der zusätzlichen strategischen Flexibilität profitiere können. Zudem sei sie für allfällige Investoren ein klar fokussiertes Unternehmen, das im Bereich Küchen einen Umsatz von über 500 Millionen Franken erwirtschafte. Und aus Aktionärssicht habe nun jeder Metall-Zug-Aktionär in der rechten Hosentasche immer noch eine Metall-Zug-Aktie und in der linken zusätzlich eine gewisse Anzahl V-Zug-Aktien.

Alle Bereiche sollen eigenständiger werden

Die Abspaltung geht mit einem Strategiewechsel einher. Den einzelnen Unternehmensbereichen, im Bereich Medizinaltechnologie etwa Belimed und Haag-Streit, oder Schleuniger im Bereich der Kabelbaummaschinen, soll mehr Eigenständigkeit und damit mehr Spielraum gegeben werden. Metall Zug könne dabei Beteiligungen von 10 bis 100 Prozent der Unternehmen halten. Im Fall von V-Zug wird dies eine strategische Beteiligung von 30 Prozent sein. Auch die grösste Aktionärin der Metall Zug, die Aktionärsgruppe Buhofer, spricht sich für die Durchführung der Transaktion aus und beabsichtigt, langfristig in beiden Gesellschaften investiert zu bleiben. Die Geschäftsleitung von Metall Zug wird ab dem 1.April nur noch aus Daniel Keist bestehen, der dann CFO und CEO ist. Der heutige CEO Jürg Werner tritt in den Ruhestand.

Das Geschäftsjahr 2019 der Gruppe war durchwachsen. Der Umsatz nahm zwar mit 1,22 Milliarden Franken 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, akquisitions- und währungsbereinigt nahm er aber um 0,6 Prozent ab. Der Gewinn auf Ebit-Stufe sank von 89,3 auf 38,8 Millionen Franken und der Reingewinn von 63,6 auf 29,2 Millionen Franken. So hatte V-Zug bekanntlich grosse Probleme mit der Einführung eines Informatiksystems von SAP, was zu Lieferverzögerungen führte. Zudem mussten beim entstehenden Technologiecluster hohe Rückstellungen für eine Bodensanierung gemacht werden. Und im Bereich der Kabelverarbeitung gab es Rückschläge durch die Auto-Krise. Die Serie-B-Dividende wird von 70 auf 17 Franken gekürzt.

Ausländische Investoren kennen die Marke nicht

Analyst Bernd Pomrehn von der Bank Vontobel zeigt sich nicht sehr angetan vom Konzernergebnis: «Beim Ebit lag die Gruppe 5,4 Prozent unter den Markterwartungen und die waren schon relativ niedrig.» Einen Auslöser sieht er darin, dass der Mischkonzern in schwierigen Branchen tätig sei. Deshalb sei nun auch die Strategie umgekehrt worden. Jahrelang seien kleine bis mittelgrosse Firmen im Portfolio zusammengefasst worden, um Investoren am «Erfolg der Unternehmen» teilhaben zu lassen, «doch dafür wuchsen diese zu wenig». Die jetzige Strategie, die einzelnen Firmen für Investoren zu öffnen, sei richtig, werde aber inkonsequent durchgeführt. Bei V-Zug hält Metall Zug weiterhin grosse Beteiligungen. Allgemein sieht er eine V-Zug-Aktie eher als Liebhaberaktie. Viele ausländische Investoren würden die Marke gar nicht kennen, zudem soll in den ersten Jahren keine Dividende ausgeschüttet werden, was unattraktiv sei.

Für 2020 beurteilt Metall Zug das Marktumfeld anspruchsvoll. Zudem würden Investitionen etwa in modernste Produktionsanlagen das Ergebnis belasten. Angesprochen auf die Corona-Pandemie hiess es, dass die langfristigen Auswirkungen schwer absehbar seien. Der Betrieb in fast allen Fabriken laufe derzeit aber normal weiter. Und in China werde die Produktion gerade wieder hochgefahren.